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Pflicht zur Betriebsrente: Hohe Gebühren können Beschäftigte Zehntausende Euro kosten
Pressemitteilung
Pflicht zur Betriebsrente: Hohe Gebühren können Beschäftigte Zehntausende Euro kosten
Berlin, 22.06.2026 – Wer nicht widerspricht, soll künftig automatisch in eine betriebliche Altersvorsorge einbezogen werden. Das zieht die Bundesregierung derzeit in Betracht. Der unabhängige Geldratgeber Finanztip begrüßt den politischen Vorstoß – warnt aber: Ohne Kostendeckel, hohen Aktienanteil und einfache Mitnahme beim Jobwechsel droht die Pflicht-Betriebsrente zur Vorsorge-Falle zu werden.
Die betriebliche Altersvorsorge ist eine wichtige Säule der Altersvorsorge, dennoch nutzen viele Beschäftigte sie bis heute nicht. „Wenn die Bundesregierung mehr Menschen in die betriebliche Altersvorsorge einbeziehen will, muss sie auch sicherstellen, dass hohe Kosten ihnen nicht die Altersvorsorge wegfressen, sagt Saidi Sulilatu, Chefredakteur von Finanztip. Deshalb plädiert Finanztip in einem Positionspapier für einen Neustart der Betriebsrente, die kostengünstig, renditestark und flexibel sein sollte.
Hohe Gebühren nicht auf Kosten der Altersvorsorge
Nach Finanztip-Berechnungen können geringe Kostenunterschiede über Jahrzehnte viel Endkapital kosten: Wer 40 Jahre lang monatlich 150 Euro in eine Geldanlage mit sechs Prozent Rendite pro Jahr einzahlt, hat bei jährlichen Kosten von 1,0 Prozent am Ende brutto rund 50.000 Euro weniger Endkapital als bei geringeren Kosten von 0,2 Prozent. Bei 0,5 Prozent jährlicher Kosten wären es rund 30.000 Euro weniger. Bei 30 Jahren und einer monatlichen Sparrate von 150 Euro liegt der Unterschied immerhin noch bei rund 19.000 Euro und 11.000 Euro.
Finanztip fordert Kostendeckel
Finanztip fordert deshalb eine verbindliche Obergrenze für die Gesamtkosten. Die jährlichen Effektivkosten sollten maximal 0,5 Prozent des angesparten Vermögens betragen – inklusive Kapitalanlage, Verwaltung und Depotführung. Für ein einheitliches Standardprodukt sollten die Kosten nach Ansicht der Finanztip-Experten bei höchstens 0,2 Prozent pro Jahr liegen.
„Eine verpflichtende Betriebsrente, die vor allem Banken, Versicherern und dem Vertrieb nutzt, verfehlt ihr eigentliches Ziel, die Altersvorsorge der Menschen zu sichern”, sagt Sulilatu. “Das Ersparte sollte auch tatsächlich den Verbraucherinnen und Verbrauchern zugutekommen.“
Wahlfreiheit und Flexibilität bei Produkten
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zahlen die betriebliche Altersvorsorge zu einem großen Teil aus ihrem eigenen Einkommen. „Die Beschäftigten sollten daher selbst entscheiden, wie das Geld angelegt werden soll. Wem etwa Nachhaltigkeit wichtig ist, der sollte auch in entsprechende Produkte investieren können“, sagt Sulilatu. Wer keine eigene Wahl trifft, sollte automatisch in ein günstiges Standardprodukt (Default-Produkt) ohne starre Garantieanteile und mit hohem Aktienanteil investieren – etwa auf Basis breit gestreuter Aktien-ETFs. „Ein Aktienanteil von mindestens 60 Prozent bei maximal 40 Prozent Geldmarktanlagen“, fordert Sulilatu.
Kein Nachteil mehr beim Jobwechsel
Finanztip fordert außerdem mehr Flexibilität beim Arbeitgeberwechsel. Betriebsrenten müssten anders als heute ohne großen Aufwand übertragen und weitergeführt werden können. “Aus einem Arbeitgeberwechsel dürfen bei der Betriebsrente keine Nachteile für die Beschäftigten mehr entstehen. Eine moderne Betriebsrente muss einfach mitgenommen werden können“, sagt Sulilatu. „Ansonsten haben Arbeitnehmer zum Renteneintritt viele Einzelverträge mit geringen Sparsummen.”
Hintergrund
In Deutschland hat laut einer Studie des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales rund die Hälfte der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten eine Betriebsrente. Insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen sowie unter Beschäftigten mit geringeren Einkommen ist sie vergleichsweise wenig verbreitet. Der aktuelle Reformvorstoß der schwarz-roten Bundesregierung sieht eine verpflichtende Betriebsrente vor, um mehr Arbeitnehmende in die Säule der betrieblichen Altersvorsorge zu bringen.
So hat Finanztip gerechnet
Die Modellrechnungen in diesem Text basieren auf einer monatlichen Sparrate von 150 Euro, einer angenommenen Rendite von sechs Prozent pro Jahr sowie Laufzeiten von 30 und 40 Jahren. Die dargestellten Brutto-Szenarien vergleichen unterschiedliche Kostenannahmen von 0,5 und 1,0 Prozent pro Jahr sowie 0,2 Prozent Kosten pro Jahr.
Weitere Informationen
- Zum Finanztip-Positionspapier „Pflicht zur Betriebsrente? Dann braucht es einen Neustart“
- Zum Finanztip-Ratgeber bAV
- Studie des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zur Verbreitung der betrieblichen Altersvorsorge
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Über Finanztip
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