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11.01.2013 – 21:15

Schwäbische Zeitung

Schwäbische Zeitung: Erst Pech, dann Steinbrück - Leitartikel

Leutkirch (ots)

Einmal angenommen, Angela Merkel würde auf europäischem Parkett versagen. Sie würde in der Wirtschaftspolitik schlechte Noten bekommen. Dann wäre Peer Steinbrück sozusagen die geborene Alternative zur Kanzlerin. Denn der SPD-Herausforderer ist ein kluger Politiker, er war ein guter Finanzminister. Und er könnte mit Sicherheit auch ein guter SPD-Kanzlerkandidat sein, wenn das Kernthema des SPD-Wahlkampfs nur ein anderes wäre als die Frage der sozialen Gerechtigkeit.

Erst hatte die SPD Pech, dann kam auch noch Peer Steinbrück hinzu, lästerte bereits Unionsfraktionschef Volker Kauder. In der Tat hatte der SPD-Kanzlerkandidat zunächst einen verpatzten Start, nachdem seine hohen Vortragshonorare bekannt geworden waren. Dann kam, fast noch schlimmer, seine abgehobene Äußerung hinzu, er trinke keinen Wein unter fünf Euro. Dabei weiß zumindest im Süden der Republik jeder, dass es auch zu diesem Preis anständige Weine gibt. Wie aber will ein Vortragsmillionär, der edle bis edelste Tropfen schätzt, glaubhaft machen, dass er sich um Niedrigstverdiener kümmert, um die Rentnerin, um benachteiligte Kinder? Kann sich jemand vorstellen, dass Peer Steinbrück bei Kita-Besuchen oder in Pflegeheimen gut herüberkommt?

Nein, für das Thema des SPD-Wahlkampfs, für die Warnung vor einer sich immer noch tiefer spaltenden Gesellschaft, da wäre SPD-Vize Hannelore Kraft die glaubwürdigste Kandidatin gewesen. Vielleicht auch Parteichef Sigmar Gabriel selbst, der gerade mit seinen Erinnerungen an seinen Nazi-Vater zeigt, wie emotional er sein kann. Aber Peer Steinbrück hat wenig Chancen, die Deutschen zu berühren.

Er kann glaubhaft machen, dass er für eine vernünftige und gerechte Wirtschafts- und Finanzpolitik kämpft. Aber die Rolle, die ihm seine Partei nun abverlangt, der Vorkämpfer für mehr soziale Gerechtigkeit in Deutschland zu sein, die passt - sozusagen von Haus aus - nicht zu ihm. Und bis jetzt hat er einfach noch keine Geschichte erzählen können, warum sie doch passen sollte.

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