POL-GOE: Mobilität bis ins hohe Alter: Polizeidirektion Göttingen widmet sich am landesweiten Verkehrssicherheitstag am 20. Juni der Risikogruppe 65+
Göttingen (ots)
Der 20. Juni steht bundesweit im Zeichen der Sicherheit im Straßenverkehr. In Niedersachsen wird dieses Datum von der Polizei und der Verkehrswacht jährlich zum Anlass genommen, um auf die häufigsten Verkehrsunfallursachen aufmerksam zu machen und für Gefahren zu sensibilisieren. In der Polizeidirektion Göttingen liegt der Schwerpunkt in diesem Jahr auf dem Thema Geschwindigkeit und Fahrtüchtigkeit, der besondere Fokus auf der Risikogruppe der Seniorinnen und Senioren. In der Woche um den Aktionstag finden vielfältige Aktionen in allen Polizeiinspektionen der Polizeidirektion Göttingen statt, die sich genau diesen Themen widmen: So wird es neben einer themenübergreifenden Radtour unter dem Motto "Sicherheit erfahren" für Radfahrende ab 60 Jahren auch Angebote für weitere Zielgruppen, Verkehrssicherheitstage an Schulen und präventive Veranstaltungen zum Thema Motorradverkehr geben.
Ältere Menschen im Straßenverkehr: Zwischen Erfahrung und Verantwortung
Die Zahl älterer Menschen in Deutschland wächst - und damit auch ihre Präsenz im Straßenverkehr. Ob als Auto- oder Radfahrende oder zu Fuß: Seniorinnen und Senioren nehmen aktiv am öffentlichen Leben teil und möchten ihre Mobilität möglichst lange erhalten. Damit einhergehend steigt jedoch auch die Zahl von Verkehrsunfällen, an denen ältere Menschen beteiligt sind. Diese enden häufig mit schweren oder sogar tödlichen Folgen. Im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion ist die Zahl dieser Unfälle in den vergangenen fünf Jahren um knapp 20 Prozent gestiegen. Auch die Anzahl der im Zusammenhang mit einem Verkehrsunfall verstorbenen Seniorinnen und Senioren ist in den vergangenen fünf Jahren um 47 Prozent gestiegen.
Auswertungen für die Polizeidirektion Göttingen haben zudem ergeben, dass im Jahr 2025 bei 76 Prozent der Verkehrsunfälle, an denen die Gruppe der über 65-Jährigen beteiligt war, diese auch Verursacher der Unfälle waren. Gründe dafür sind in den meisten Fällen nicht mangelnde Rücksichtnahme oder Leichtsinn, sondern altersbedingte Veränderungen. Dazu zählen unter anderem die Verschlechterung des Seh- und Hörvermögens, kürzere Reaktionszeiten, ein Nachlassen der Fähigkeit, komplexe Situationen schnell zu erfassen, sowie Medikamente, die diese Fähigkeiten noch zusätzlich beeinflussen.
Auch der Radverkehr birgt einige Gefahren für ältere Menschen - besonders Pedelecs. Die höhere Geschwindigkeit und stärkere Beschleunigung führen schneller zu Unsicherheit und Kontrollverlust. Hier sind vor allem gutsitzende Fahrradhelme wichtig, da sie den Kopf schützen und so das Risiko schwerer oder lebensgefährlicher Verletzungen deutlich reduzieren.
Statt Seniorinnen und Senioren zu stigmatisieren, setzt die Polizeidirektion Göttingen gemeinsam mit ihren Netzwerkpartnerinnen und -partnern auf freiwillige Maßnahmen als Beitrag zur Verkehrssicherheit. Dazu gehören Präventionsangebote, wie "Fit mit dem Pedelec" oder "Fit im Auto". Dabei handelt es sich um moderierte Veranstaltungen mit Theorie- und Praxisanteil, bei denen interessierte Seniorinnen und Senioren über sicheres Verhalten im Straßenverkehr informiert werden. All diese Programme werden auch in diesem Jahr im Zuständigkeitsbereich der Göttinger Polizeibehörde von den zugehörigen Polizeiinspektionen und den örtlichen Verkehrswachten angeboten. Darüber hinaus können Auffrischungskurse von Fahrschulen, Fahrtrainings, beispielsweise beim ADAC, oder medizinische Beratungen helfen, die eigene Fahrtauglichkeit realistisch einzuschätzen. Auch technische Assistenzsysteme in modernen Fahrzeugen wie etwa Notbremsassistenten sind ein weiterer Baustein für mehr Sicherheit im Straßenverkehr.
Die eigene nachlassende Fahrtüchtigkeit verdrängen viele ältere Menschen aus der Sorge heraus, ihre Freiheit und Lebensqualität zu verlieren. Um dieser Sorge entgegen zu wirken und einen Anreiz zu schaffen, den Führerschein ab einem gewissen Punkt freiwillig abzugeben, hat der Verkehrsverbund Süd-Niedersachsen den "Sichere-Fahrt-Schein" eingeführt. Mit diesem können alle Seniorinnen und Senioren ab 65 Jahren nach Abgabe ihres Führerscheins sechs Monate lang komplett kostenfrei Bus und Bahn im gesamten VSN-Gebiet nutzen.
"Die gesellschaftliche Herausforderung besteht darin, Sicherheit und Selbstständigkeit miteinander zu verbinden. Für viele ältere Menschen bedeutet das Auto nicht nur Fortbewegung, sondern auch Unabhängigkeit und soziale Teilhabe. Ein offener Dialog über Verantwortung im Straßenverkehr sollte daher nicht auf das Alter allein reduziert werden. Vielmehr geht es darum, individuelle Fähigkeiten ehrlich einzuschätzen und unterstützende Angebote auszubauen, damit Mobilität bis ins hohe Alter sicher möglich bleibt. Wir als Polizei stehen hier jederzeit beratend und aufklärend zur Seite", sagt Polizeivizepräsident Michael Weiner anlässlich des Aktionstages.
Rückfragen bitte an:
Polizeidirektion Göttingen
Louisa Kasprowski
Telefon: 0551/491-1031
E-Mail: pressestelle@pd-goe.polizei.niedersachsen.de
http://www.pd-goe.polizei-nds.de
Original-Content von: Polizeidirektion Göttingen, übermittelt durch news aktuell