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03.05.2019 – 10:51

Polizeipräsidium Mittelhessen - Pressestelle Lahn - Dill

POL-LDK: Kaffeefahrt ins Ungewisse
Gießener Polizei bewahrt Opfer vor Betrügern

Dillenburg (ots)

   -- 

Mittelhessen: Kaffeefahrt ins Ungewisse / Gießener Polizei bewahrt Opfer vor Betrügern

Als Studiogast in der Sendung "Hallo Hessen" warnte Kriminalhauptkommissar Karsten Lenz vergangenen Donnerstag (25.04.2019) im Fernsehen vor den Betrugsmaschen sogenannter Kaffeefahrtenveranstalter. Ein aufmerksamer Zuschauer aus dem Lahn-Dill-Kreis informierte nach dieser Sendung den Ermittler, der gemeinsam mit einem Mitarbeiter des Lahn-Dill-Kreises sowie Kollegen aus Bad Driburg eine solche Veranstaltung am Sonntag platzen ließ.

Kaffeefahrten: mit falschen Versprechungen Opfer anlocken

Karsten Lenz ist ausgewiesener Fachmann für gewerbliche Betrügereien rund um Kaffeefahrten. Der Ermittler von der Zentralen Kriminalinspektion des Polizeipräsidiums Mittelhessen war Studiogast in der Sendung "Hallo Hessen" des Hessischen Rundfunks. Hier informierte er die Zuschauer über die gängigen Tricks und gab Tipps, um nicht in die Betrugsfalle zu tappen. Mit leeren Versprechungen zu Mega-Geschenken, einer schönen kostenfreien Ausflugsfahrt, heilenden Wundermitteln und angeblich neuartigen Produkten, die zum Wohlergehen der Käufer führen sollen, locken die Veranstalter ihre ahnungslosen Opfer zu ihren Veranstaltungen. Das einzige Ziel der Betrüger: den Menschen das Geld aus der Tasche ziehen. Hier gehen sie meist äußerst aggressiv vor und versprechen das sprichwörtlich "Blaue vom Himmel".

Polizei und Ordnungsamt schlagen zu

Einen Tag nach der Sendung meldete sich ein aufmerksamer Zuschauer bei dem Kriminalhauptkommissar in Gießen. Der Mann hatte von einer Cloppenburger Firma eine Einladung zu einer Kaffeefahrt am Sonntag zum "Steinhuder Meer" bekommen und erkannte Parallelen zu denjenigen Kaffeefahrten, vor denen der Ermittler in der Sendung gewarnt hatte. Zum Schein und in Absprache mit Karsten Lenz und einem Mitarbeiter des Fachdienstes Ordnungs- und Gewerberecht des Lahn-Dill-Kreises nahm das Ehepaar an der Fahrt teil und hielt telefonisch Kontakt zu den Experten. Mit zwei Kleinbussen fuhr der Veranstalter am Morgen insgesamt 12 Personen aus dem Lahn-Dill-Kreis sowie den Landkreisen Gießen und Limburg/Weilburg zu einem in die Jahre gekommenen Gasthof nach Bad Driburg (Kreis Höxter, NRW) - rund 160 km vom eigentlichen Ziel "Steinhuder Meer" entfernt. Dort angekommen, begann die Verkaufsveranstaltung. Den Teilnehmern wurden unter anderem Decken mit eingewebten Silberfaden für 600 Euro das Stück, die mutmaßlich gegen Thrombose und offene Körperstellen helfen sollten, Augentropfen für ca. 200 Euro sowie diverse Reisen angeboten. Anstelle der in Aussicht gestellten hochwertigen Kaffeemaschine, lag Billigparfüm für die Teilnehmer bereit. Allerdings spendierte der Veranstalter ein kostenloses Mittagessen. Zum Ende der Veranstaltung griffen die mittlerweile alarmierten Kollegen und Mitarbeiter des Ordnungsamtes in Bad Driburg ein.

Keine Genehmigung für die Veranstaltung

Die Überprüfungen ergaben, dass keine gewerberechtliche Anmeldung für die Veranstaltung vorlag und die Fahrer der beiden Busse nicht im Besitz eines für den gewerblichen Gebrauch benötigten Personenbeförderungsscheins waren. Die Ermittler stellten vor Ort die Beschreibungen der angebotenen Waren sicher, nahmen die Personalien auf und beendeten die Veranstaltung. Die Rückfahrt der Teilnehmer musste auf Kosten des Veranstalters mit Taxis organisiert werden. Gegen 19.00 Uhr kehrten die mittelhessischen Teilnehmer wieder nach Hause zurück. Derzeit prüfen die vor Ort zuständigen Polizisten und Behörden inwieweit gegen den Veranstalter, den Verkaufssprecher und den Gastwirt wegen Ordnungswidrigkeiten oder Straftaten Ermittlungsverfahren eingeleitet werden müssen.

Kaffeefahrt erfüllt altbekanntes Muster

Auch in diesem Fall bestätigen sich die Erfahrungen des Kriminalhauptkommissars: Die Teilnehmer werden mit falschen Versprechen in Bezug auf die "Geschenke" und das Ziel angelockt und zu abgelegenen Gasthöfen transportiert, wo ihnen zu völlig überteuerten Preisen Billigware angeboten wird.

Tipps und Tricks und eine Warnliste

Um nicht auf die Tricks der Betrüger reinzufallen, hat Kriminalhauptkommissar Karsten Lenz folgende Tipps:

   - misstrauen Sie grundsätzlich Einladungen zu kostenfreien Reisen 
     mit Geschenken ("kein Unternehmen hat etwas zu verschenken!")
   - senden Sie keine Antwortkarten an den angeblichen "Einlader" 
     zurück. Sie geraten mit ihren Daten in einen Adressenhandel und 
     werden zukünftig häufiger gleichartige, unseriöse Einladungen 
     erhalten
   - widerstehen Sie der Einladung! Der versprochene schöne Tag wird 
     leider nicht eintreten!
   - sollten Sie doch mitfahren, kaufen Sie bitte nichts! Kaufen Sie 
     keine Produkte, schließen Sie keine weiteren Verträge oder 
     Reisen ab! Bleiben Sie standhaft dabei, Nein zu sagen!
   - haben Sie an einer Fahrt teilgenommen und vermuten Opfer eines 
     Betrugs geworden zu sein, wenden Sie sich an Ihre 
     Polizeidienststelle.
   - Lassen Sie sich nicht von beteiligten Unternehmen oder von deren
     handelnden Personen einschüchtern oder unter Druck setzen 

Nur, wenn Polizei und Gewerbeämter von diesen Einladungen Kenntnis bekommen, können die Behörden gegen die Betrüger vorgehen und weitere Opfer vor zum Teil hohen finanziellen Schäden schützen.

Der Fachdienst "Ordnungs- und Gewerberecht" des Lahn-Dill-Kreises hat eine Warnliste unseriöser Verkaufsveranstalter im Internet veröffentlicht. Auf dieser Seite können auch Einladungen zu Kaffeefahrten per Mail an die Gewerbeaufsicht des Lahn-Dill-Kreises übermittelt werden: https://kaffeefahrten.lahn-dill-kreis.de/warnliste/

Guido Rehr, Pressesprecher

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Polizeidirektion Lahn-Dill
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