Gemeinnützige Hertie-Stiftung

Gemeinnützige Hertie-Stiftung: 27 Millionen Euro für Modellprojekte im Jahr 2008 - Kontinuität in der Projektarbeit trotz Krise

Frankfurt/Main (ots) - Jahrespressekonferenz einer der größten deutschen Privatstiftungen: Projektausgaben nahezu unverändert - laufende Projekte werden in vorgesehener Höhe weiterhin finanziert und teilweise ausgebaut

Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung hat für die Projektarbeit in ihren drei Förderbereichen Neurowissenschaften, Europäische Integration und Erziehung zur Demokratie im Jahr 2008 27,1 Mio. EUR ausgezahlt. Damit blieb sie - trotz Krise an den Finanzmärkten - annähernd auf dem Niveau des Vorjahrs (27,8 Mio. EUR). Das teilte der Vorstandsvorsitzende, Dr. Michael Endres, heute auf der Jahrespressekonferenz am Sitz der Stiftung in Frankfurt am Main mit. "Laufende Projekte werden wir ohne finanzielle Einschränkungen weiterführen und teilweise gezielt ausbauen. Hier zahlt sich aus, dass wir unsere Projekte über Rücklagen grundsätzlich vorfinanzieren", so Dr. Endres. Mit einem Vermögen von derzeit rund 800 Mio. EUR zählt die Hertie-Stiftung zu den größten deutschen Privatstiftungen. Zwar musste sie 2008 Vermögenseinbußen hinnehmen; in den vergangenen fünf Jahren hat sie jedoch einen Vermögenszuwachs von 23 Prozent erzielt.

Die Erträge aus Wertpapieranlagen, Immobilien und Private-Equity-Beteiligungen stiegen von 23,4 Mio. EUR auf 26,5 Mio. EUR. Da aus Vermögensumschichtungen jedoch Kursverluste von 15,4 Mio. EUR resultierten (Vorjahr + 20,2 Mio. EUR), verminderten sich die Gesamterträge aus dem Vermögensmanagement 2008 gegenüber dem Vorjahr um 32,4 Mio. EUR auf 11,1 Mio. EUR. Die Performance der Stiftung lag mit - 9,2 Prozent erstmals im negativen Bereich. "Wenn wir angesichts des Umfangs der Finanzkrise noch recht glimpflich davongekommen sind, dann ist dies sicherlich auch ein Zeichen dafür, dass wir mit unserer breit angelegten, durchaus nicht aggressiven Vermögensanlage richtig lagen," so Dr. Endres. Im Verlauf des zurückliegenden Jahres hatte die Hertie-Stiftung ihre Risiken im Aktienbereich zugunsten von festverzinslichen Anlagen und durch Absicherungsgeschäfte deutlich reduziert und konnte dadurch einem Teil der weiteren Kursrückgänge entgehen. Der größte Teil der Verluste konnte zudem durch stille Reserven im Vermögen aufgefangen werden, die in den Vorjahren angewachsen waren. In ihrer Vermögensanlage verfolgt die Stiftung auch weiterhin eine Strategie der Risikostreuung mit international diversifizierten Anlagen in verschiedenen Asset-Klassen, Marktsegmenten und Währungen. Die Aktienanlagen machen aktuell 9 Prozent aus, gegenüber 21 Prozent Immobilienanlagen und 52 Prozent festverzinslichen Wertpapieren.

In ihrem Förderbereich Neurowissenschaften wird die Hertie-Stiftung 2009 ihr Engagement zunehmend europäisieren. Den Anfang macht die Hertie-Senior-Forschungsprofessur, 2005 erstmals aufgelegt. Sie wird in diesem Jahr an einen Forscher der Universität Zürich vergeben. Er erhält damit die Möglichkeit, sich bis zur Pensionsgrenze ganz auf die Forschung zu konzentrieren. Gleichzeitig ruft die Stiftung mit dem Eric Kandel Preis für junge Neurowissenschaftler europaweit eine Auszeichnung für herausragenden Nachwuchs ins Leben. Sie wird voraussichtlich im Oktober erstmals verliehen. Namensgeber des Preises, der mit 50.000 EUR dotiert ist, ist der aus Wien stammende amerikanische Nobelpreisträger Prof. Dr. Eric Kandel.

Das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) in Tübingen hatte 2008 einen weiteren Erfolg zu verzeichnen: Als Partnerstandort des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen in Bonn wird es in den kommenden Jahren im Rahmen der Demenzinitiative des Bundes mit jährlich 4,8 Mio. EUR unterstützt. Gleichzeitig hat das HIH in der Publikationsleistung seinen dritten Platz in Europa nach neurologischen Zentren in London und Paris behauptet. Im laufenden Jahr wird die Hertie-Stiftung am HIH eine weitere Stiftungsprofessur für die Erforschung von Epilepsie einrichten.

Die Hertie-School of Governance, größtes Projekt des Stiftungsbereiches Europäische Integration, ist 2008 vom Wissenschaftsrat als Hochschule mit universitärem Anspruch akkreditiert worden, eine Auszeichnung, die sie mit nur fünf weiteren privaten Hochschulen in Deutschland teilt. Zusätzlich zu ihrem Master of Public Policy hat sie 2008 einen weiteren Studiengang eingerichtet: Der berufsbegleitende Executive Master of Public Policy richtet sich an den deutschen und europäischen Führungsnachwuchs in öffentlichen Einrichtungen und privaten Unternehmen, die in besonderer Weise von Entscheidungen des öffentlichen Sektors betroffen sind. Fast die Hälfte der 25 Studienplätze im ersten Jahrgang wurden von Bundesministerien gebucht. Die Zahl der Studierenden an der Hertie School steigt 2009 auf über 200.

Im Bildungsbereich hat die Hertie-Stiftung ihr Engagement in den Schwerpunkten Sprachkultur sowie Sprach- und Begabtenförderung von Zuwandererkindern im vorschulischen und schulischen Bereich weiter verstärkt. So wurde das Projekt "frühstart - Deutsch und interkulturelle Bildung im Kindergarten", das Kinder ab drei Jahren, die Deutsch als Zweitsprache erwerben, in ihrer Sprachkompetenz stärkt, 2008 nach hessenweiter Ausschreibung auf insgesamt 36 Kitas in zehn Städten ausgeweitet. Die Hertie-Stiftung lässt den weiteren Projektverlauf intensiv wissenschaftlich begleiten. Neben einem Beitrag zur Weiterentwicklung der Sprachförderung im Vorschulalter erhofft sich die Stiftung davon Aufschluss über Möglichkeiten einer Ausweitung dieses "hessischen Modells" auf andere Bundesländer.

Nach der Überführung in die START-Stiftung gGmbH im Herbst 2007 ist auch das START-Stipendienprogramm für Schüler mit Migrationshintergrund weiter gewachsen: Aktuell werden rund 600 Stipendiaten aus mehr als 60 Herkunftsländern in 14 Bundesländern materiell und ideell gefördert - mit Unterstützung von inzwischen mehr als 100 Kooperationspartnern. Noch bis Ende April laufen die Ausschreibungen für das kommende Schuljahr. Jetzt wird das Programm - zunächst modellhaft in Hessen - um einen weiteren Baustein ergänzt: Im März hat ein Mentorenprogramm begonnen, das Stipendiaten auf ihren Wunsch hin mit Mentoren zusammenbringt, die sie auf ihrem schulischen Weg sowie bei der Studien- und Berufswahl begleiten. Was verstehen die START-Stipendiaten unter "Integration"? Und was sind die Voraussetzungen für ihren schulischen Erfolg? Im Auftrag der Hertie-Stiftung hat das Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) an der Universität Osnabrück 2008 eine Erhebung unter den rund 800 aktuellen und ehemaligen START-Stipendiaten durchgeführt. Die Studie zeigt, dass der Bildungserfolg von Migranten in Deutschland vor allem von drei Voraussetzungen abhängt: dem Ort und der Länge des Kindergartenbesuchs, den Sprachkenntnissen und dem Alter des Schuleintritts in Deutschland. Außerdem spielen drei Ressourcen eine Rolle: die soziale Herkunft bzw. der Bildungshintergrund der Eltern, soziale Netzwerke und die sozioökonomische Ausstattung.

Mehr als 600 Schulen haben sich im laufenden Schuljahr am Wettbewerb Starke Schule. Deutschlands beste Schulen, die zur Ausbildungsreife führen beteiligt. Eingeladen zur Teilnahme an dem Wettbewerb, der vormals "Hauptschulpreis" hieß, waren alle Schulformen, die den Hauptschulabschluss anbieten. Aus den Bewerbungen hat eine 30-köpfige Jury aus Politik, Wirtschaft, Schulen und Gesellschaft zunächst die Besten auf Landesebene ermittelt. Am 5. Mai wird Bundespräsident Horst Köhler im Schloss Bellevue die besten Schulen auf Bundesebene prämieren. Insgesamt zeigt sich, dass jene Schulen besonders erfolgreich sind, die schlüssige Ganztagskonzepte haben, in die sie Unternehmen umfassend einbinden. In der aktuellen Ausschreibung wurde "Starke Schule" um ein Netzwerk erweitert, das den teilnehmenden Schulen ein breites Angebot aus Fortbildungen, Sommercamps, der Förderung besonders innovativer Konzepte und Stärken-Schwächen-Analysen bietet.

Einen individuellen Ansatz verfolgt die Stiftung mit einem neuen Modellprojekt: Verantwortung für Deine Zukunft unterstützt ausgewählte Schülerinnen und Schüler im Hauptschulzweig durch individuelle Bildungspläne und Betreuung darin, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und eigene Perspektiven jenseits von Hartz IV zu entwickeln. Zunächst wird das Projekt an drei Modellschulen angesiedelt: Die Carl-Friedrich-Zelter-Schule in Berlin-Kreuzberg macht den Anfang. Zwei weitere Schulen in Frankfurt und Mannheim werden im kommenden Schuljahr folgen. Pro Schule werden voraussichtlich zehn Schülerinnen und Schüler in die Förderung einbezogen.

Der Bundeswettbewerb Jugend debattiert, das größte Projekt der Stiftung im Bereich sprachlich-politischer Bildung, wird im kommenden Schuljahr in eine neue Projektphase eintreten. Seit der ersten Wettbewerbsrunde 2002/2003 ist die Teilnehmerzahl kontinuierlich gewachsen - 80.000 Schüler haben im laufenden Schuljahr das Debattieren erlernt und im Wettbewerb erprobt. Zurzeit finden die Finals auf Länderebene statt, seinen Abschluss findet der diesjährige Wettbewerbszyklus am 20. Juni 2009 mit dem Bundesfinale in Berlin. Das Wachstum der vergangenen Jahre konnte nicht alle Schulen aufnehmen, die ihr Interesse an Jugend debattiert bekundet hatten. Dies wird sich im nächsten Schuljahr ändern: Die Einführung einer Regionalstruktur in den Ländern, verbunden mit einem inhaltlich wie finanziell stärkeren Engagement der Bundesländer, ermöglicht es, künftig alle Schulen zu berücksichtigen, die teilnehmen möchten.

Vor einer Ausweitung steht auch das Stipendienprogramm "Horizonte - Das Lehramtsstipendium für Migranten", mit dem das Stipendiatenwerk der Hertie-Stiftung im vergangenen Jahr Neuland beschritten hat. Nach zwei Ausschreibungen in Frankfurt und einer in Berlin werden aktuell 19 Stipendiaten gefördert. Ziel des Stipendiums ist es, ein Stück gesellschaftliche Normalität in die Klassen hineinzutragen - ein Drittel der Erstklässler hat schon heute Migrationshintergrund, aber nicht einmal ein Prozent der Lehrkräfte. Mit Hilfe lokaler Partner wird das Stipendium zum nächsten Wintersemester auch in Hamburg ausgeschrieben. Zum Sommersemester 2010 soll Nordrhein-Westfalen folgen.

Auch in Krisenzeiten stärkt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen: Studien des von der berufundfamilie gGmbH gegründeten Forschungszentrums Familienbewusste Personalpolitik (FFP) an der Universität Münster und der Steinbeis Hochschule Berlin zeigen, dass mit familienbewusster Personalpolitik Kosten gesenkt werden können und sie somit ertragsrelevant ist. Diesen Vorteil machen sich gerade in der aktuellen wirtschaftlichen Situation viele Unternehmen zunutze. Die berufundfamilie gGmbH hat im Jahr 2008 mehr als 340 Unternehmen, Institutionen und Hochschulen auditiert, ein Zuwachs um rund 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig entschieden sich 97 Prozent der bereits zertifizierten Arbeitgeber dafür, den Weg zu einer familienbewussten Personalpolitik weiterzuverfolgen und im Auditierungsprozess zu verbleiben, eine Entwicklung, die sich auch im laufenden Jahr fortsetzt.

Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung baut auf dem Lebenswerk des 1972 verstorbenen Stifters Georg Karg, Inhaber der Hertie Waren- und Kaufhaus GmbH, auf. In Fortführung seiner Pläne und auf Initiative der Kinder und Erben, Brigitte Gräfin von Norman und Hans-Georg Karg, wurde am 10. Dezember 1974 die "Gemeinnützige Hertie-Stiftung zur Förderung von Wissenschaft, Erziehung, Volks- und Berufsbildung" mit Sitz in Frankfurt am Main gegründet. 97,5 Prozent der Anteile der Hertie Waren- und Kaufhaus GmbH wurden in diese Stiftung eingebracht. Seit 1998 hält die Stiftung keine Unternehmensbeteiligungen mehr. In Hessen ist die Hertie-Stiftung die größte Stiftung. Insgesamt hat die Stiftung in den Jahren 2000 bis 2008 Fördermittel in Höhe von rund 36,5 Mio. EUR für Projekte in Hessen vergeben.

Kontakt:


Gemeinnützige Hertie-Stiftung, Leiterin Information und
Kommunikation, Dörte Florack,
Tel.: 069/660 756-167, FlorackD@ghst.de

Diesen Pressetext sowie den aktuellen Tätigkeitsbericht können Sie im
Netz herunterladen: www.ghst.de

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