Deutsche Film- und Medienbewertung

AMERICAN HONEY startet "besonders wertvoll" im Kino/Kinostart mit Prädikat auch für Dani Levys DIE WELT DER WUNDERLICHS und Gerard Depardieu in SAINT AMOUR

Wiesbaden (ots) - Kein Job, kein Geld, keinen Plan. Die Ausgangssituation der jungen Frau mit Namen Star ist ohne jegliche Perspektive. Als sie auf Jake trifft, soll sich das ändern. Er gehört zu einer Gruppe von Zeitschriftenverkäufern. Und nimmt Star mit auf eine lange Reise quer durch die USA. In ihrem neuen Film AMERICAN HONEY (Start: 13. Oktober) zeichnet Regisseurin Andrea Arnold einen Querschnitt der heutigen US-amerikanischen Gesellschaft. Doch trotz der komplexen und auch schwierigen Situation der jungen Leute gelingt es dem Film dennoch, eine liebevolle Geschichte aus der Sicht der Hauptdarstellerin zu erzählen und den Zuschauer so auf einen einzigartigen Roadtrip zu entführen, unterstützt von dem passenden Soundtrack. "Ein Film voller Leben, Erfahrungen und Sehnsüchte, mutig, stark, brillant gemacht und bis zum Schluss spannend. Ganz großes Kino." So urteilte die fünfköpfige Expertenrunde der FBW-Jury, die dem Film das höchste Prädikat "besonders wertvoll" verleiht.

Mit DIE WELT DER WUNDERLICHS (Start: 13. Oktober) treibt Regisseur Dani Levy mit Witz und Humor die Dinge auf die Spitze. Die alleinerziehende Mimi Wunderlich hat es nicht leicht: Sohn Felix ist ein zappeliger Grundschüler mit ADHS, der seine Lehrerin in den Schrank sperrt, Ex-Mann Johnny ein abgerockter Musiker, ihr Vater ein manisch-depressiver Lügner, der sich in alles einmischt und ihre Schwester eine dauergestresste, alkoholisierte Friseurin, der die Familie völlig egal erscheint. Keine guten Voraussetzungen für ein harmonisches Miteinander. Als Mimi von Felix heimlich bei der Schweizer Casting-Show "Second Chance" angemeldet wird droht ihr der Kragen zu platzen. Aber um endlich ihre Schulden abzahlen zu können, willigt sie schließlich ein, in die Schweiz zu fahren. Sie ahnt nicht, dass sie ihre gesamte Familie im Gepäck haben wird. In seinem neuesten Film bringt Dani Levy ein überbordend-schräges Familienszenario auf die Leinwand, das von der ersten bis zur letzten Minute mit großartigen Dialogen und überraschenden Einfällen unterhält. Die FBW-Jury lobte die gelungene Mischung aus Drama und Komödie und verlieh dem Film das Prädikat "besonders wertvoll".

Für Bruno ist die Landwirtschaftsausstellung in Paris jedes Jahr die Gelegenheit, seinen Alltag als Bauer zu vergessen und von einem Weinstand zum nächsten zu tingeln, um sich hemmungslos zu betrinken. Sein Vater Jean, für den der Beruf des Landwirts noch erstrebenswert erscheint, will sich das nicht länger mitansehen und beschließt, mit Bruno eine Reise durch die schönsten Weingegenden des Landes zu unternehmen, kutschiert von dem jungen Taxifahrer Mike. SAINT AMOUR (Start: 13. Oktober), der neue Film des Regie-Duos Benoît Delépine und Gustave Kervern, ist eine wunderbar spätsommerlich warme Liebeserklärung an den Wein und die Liebe. Vor allem die Liebe zwischen Vater und Sohn, die von Gérard Depardieu und Benoît Poelvoorde voller rauem Charme verkörpert werden. Die Jury, die das Prädikat "wertvoll" vergibt, lobt in ihrem Gutachten die "liebevoll gezeichneten" und "grandios verkörperten" Charaktere, die den Film im besten Sinne zu einer Art "gelungener Farce" machen, die von "ihren witzigen Einfällen und großartigen Schauspielern lebt". Und die "wirklich einfallsreich gestaltete Musik", so die Jury, gebe dem Ganzen einen gelungenen emotionalen Beigeschmack.

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Die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) zeichnet herausragende Filme mit den Prädikaten wertvoll und besonders wertvoll aus. Über die Auszeichnungen entscheiden unabhängige Jurys mit jeweils fünf Filmexperten aus ganz Deutschland. Die FBW bewertet die Filme innerhalb ihres jeweiligen Genres.

Prädikatsfilme vom 13. Oktober 2016

American Honey

Drama, Spielfilm. Großbritannien 2016.

Die junge Star trifft auf eine Gruppe von Zeitschriftenverkäufern. Jake, der vermeintliche Kopf, bietet Star an, sich ihnen anzuschließen. Und so lässt Star ihr altes Leben hinter sich, um zusammen mit der Gruppe von Jugendlichen quer durch das Land zu fahren. Das Geschäft der sogenannten Drückerkolonnen sorgt in den USA für Kontroversen. Die Anzahl an Meldungen über hierarchische Strukturgliederung nach Verkaufszahlen und Diebstähle durch die Verkäufer häufen sich. Regisseurin Andrea Arnold thematisiert all diese Dinge in ihrem Film, schafft es aber dennoch, eine romantische Darstellung aus der Sicht der Hauptdarstellerin zu inszenieren und den Zuschauer so auf einen einzigartigen Roadtrip zu entführen, unterstützt von dem passenden Soundtrack. Ob in dem engen Bus, mit dem die Jugendlichen durch das Land fahren oder bei den nächtlichen Partys - die Kamera bleibt immer und konsequent bis zum Ende dicht an Star. In Zusammenspiel mit der verwendeten Handkamera und dem dokumentarischen Stil wird dabei ständig ein ,,dabei sein'' suggeriert, bei dem der Zuschauer das komplette Geschehen hautnah erlebt. Besonders eindrucksvoll zum Einsatz kommt diese Ästhetik bei den Fahrten und der Interaktion zwischen den Jugendlichen. Was heraussticht, ist der Zusammenhalt und das Zusammenleben der Figuren. Zwar ziehen sie sich gegenseitig auf und regelmäßig müssen sich die zwei schlechtesten Verkäufer beweisen, gleichzeitig wird aber auch gezeigt, wie sich alle um einander kümmern, und wie viel Spaß sie miteinander haben. Dieses Gefühl kommt hauptsächlich durch die großartige Leistung der Schauspieler zustande. Viele Darsteller, allen voran die großartige Sasha Lane, sind Laien. Gerade deswegen wird die Authentizität, die ein Film wie dieser verlangt, perfekt erreicht. Gleichzeitig wird auch das Land porträtiert. So werden alle Gesellschaftsschichten gezeigt, von den Reichen bis zu den Armen und damit einhergehend auch die vielen Facetten der amerikanischen Bevölkerung. Eine weitere Stärke des Films ist das konstante Spiel mit den Erwartungen des Zuschauers. Immer wieder werden Situationen etabliert und aufgebaut, die aber nie in sentimentalen und überdramatisierten Szenen gipfeln. AMERICAN HONEY ist ein außergewöhnliches und intensives Porträt einer Gruppe Jugendlicher und gleichzeitig einem ganzen Land, verpackt als mitreißender und stimmungsvoller Roadtrip.

http://www.fbw-filmbewertung.com/film/american_honey

http://www.fbw-filmbewertung.com/film/die_welt_der_wunderlichs

Saint Amour - Drei gute Jahrgänge

Komödie, Spielfilm. Frankreich, Belgien 2016.

Jean war sein Leben lang leidenschaftlicher Landwirt. Er züchtete Milchkühe, zog mit ihnen auf Messen, gewann mit ihnen Preise. Mittlerweile hat sein Sohn Bruno den Familienbetrieb übernommen, doch anders als sein Vater findet Bruno die Existenz als Milchbauer nicht befriedigend. Aus diesem Grund trinkt Bruno. Und er trinkt viel. Oft und gerne. Als Bruno auf einer Messe in Paris vollkommen abstürzt, entscheidet Jean, etwas zu ändern. Er will Zeit mit ihm verbringen, mit ihm reden, herausfinden, was ihn wirklich glücklich macht. Bruno willigt ein. Und so fahren die beiden in einem gemieteten Taxi durch die berühmten Weingegenden Frankreichs. Kutschiert von Mike, einem jungen Mann, der auf den Ausflug eigentlich so gar keine Lust hat. Aber Geld ist Geld. In Benoît Delépines und Gustave Kerverns SAINT AMOUR - DREI GUTE JAHRGÄNGE begeben sich drei sehr unterschiedliche Charaktere auf die Reise in die besten Weinanbaugebiete Frankreichs. Und entdecken dabei sich selbst. Diese schöne Geschichte wird kongenial von drei Schauspielergrößen verkörpert: Vincent Lacoste als Mike, der mit seinem jungenhaften Charme zunächst den größten Coolness-Faktor besitzt und nach und nach eine verletztliche Seite offenbart. Gérard Depardieu, der als Jean alles in die Waagschale wirft, was ihn als schauspielerischen Grandseigneur auszeichnet: Die Unbeholfenheit, Gefühle zum Ausdruck zu bringen, und die Ruhe und Getragenheit seiner Gesten und Bewegungen. Wenn Jean mit seinem Sohn spricht, wirkt es auf den ersten Blick hart und schroff. Und doch ist da ganz oft, zwischen den Zeilen, eine tief berührende Zärtlichkeit und Sehnsucht zu entdecken, die Jean schmerzhaft zulassen muss. Und Benoît Poelvoorde als Bruno. Er hat ein Alkoholproblem, sucht fast schon verzweifelt eine Frau und ist überzeugt, beim Leben immer zu kurz gekommen zu sein. Es braucht eine lange Zeit, und viele komische Momente, ihn davon zu überzeugen, dass man das Leben auch ohne Vollrausch genießen kann. Poelvoorde verkörpert Bruno großartig, witzig, berührend und immer mit einem lachenden und weinenden Auge. SAINT AMOUR - DREI GUTE JAHRGÄNGE ist ein gelungenes und charmantes französisches Märchen: Voller skurriler Momente, die sich nicht erklären und in die man sich als Zuschauer genüsslich hineinfallen lassen kann. Wie in eine Sommerwiese, gedeckt mit Brot, Käse und einem schönen Glas Beaujolais.

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