Deutsche Film- und Medienbewertung

Prädikat "besonders wertvoll" für FRAU MÜLLER MUSS WEG/Weitere Kinostarts mit Prädikat: DER GROSSE TRIP- WILD und UNBROKEN

Wiesbaden (ots) - Ob die Verfilmung eines Theaterstücks, einer Reiseerinnerung oder einer unglaubliche aber doch wahren Kriegsgeschichte - für einen "besonders wertvollen" Start ins Neue Kinojahr 2015 empfiehlt die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) drei ganz besondere filmische Highlights.

Frau Müller ist die Klassenlehrerin einer alles entscheidenden Übergangsklasse. Die Eltern der Schüler sind besorgt und gar nicht zufrieden mit Frau Müller. Also muss sie weg. Doch dann kommt alles anders als erwartet. Schon als Theaterstück war das Kammerspiel ein großer Erfolg. Nun hat Regisseur Sönke Wortmann die Geschichte von FRAU MÜLLER MUSS WEG (Start: 15. Januar) als bissige und höchst unterhaltsame Komödie auf die Leinwand übertragen. Die fünfköpfige Jury der FBW lobte unter anderem die Leistung Wortmanns, "seine Protagonisten gleichberechtigt zum Zuge kommen zu lassen. Durch die Beschreibung von teils absurden Eltern-Ängsten gelingt es dem Film, trotz seines ernsten Themas, die Komik der Situation angemessen zu beschreiben und auf die Spitze zu treiben." Hierfür vergab die Jury das höchste Prädikat "besonders wertvoll".

Eine ganz besondere Reise unternimmt Reese Witherspoon in DER GROSSE TRIP - WILD (Start: 15. Januar). Die Verfilmung des gleichnamigen Romans erzählt von der Wanderung einer jungen Frau quer durch Amerika. Dabei wird der Wanderweg schnell zu einem Selbstfindungstrip, der sie an den Rand ihrer körperlichen und seelischen Kräfte führt. Produziert hat den Film Witherspoon selbst, das Drehbuch steuerte niemand anderes als der Erfolgsautor Nick Hornby bei. "Die wahre Geschichte, die Cheryl Strayed in einem autobiografischen Bestseller erzählt hat, wird in DER GROSSE TRIP sehr einfühlsam und bewegend in Szene gesetzt." Die fünfköpfige Expertenrunde vergab das Prädikat "besonders wertvoll" und hob in ihrer Begründung insbesondere auch die exzellente Regieleistung Jean-Marc Vallees sowie die "oscarreife" schauspielerische Leistung von Reese Witherspoon hervor.

In der kommenden Woche startet Angelina Jolies Kriegsdrama UNBROKEN (Start: 22. Januar) in den deutschen Kinos. Die Coen-Brüder schrieben das Drehbuch zum Film, in dem die ergreifende Geschichte des US-amerikanischen Olympioniken Louis Zamperini erzählt wird, der während eines Fliegereinsatzes im Zweiten Weltkrieg abgeschossen und von den Japanern gefangen genommen wird. Jahre der Folter und des Leidens im Gefangenenlager folgen. Doch der Mut Zamperinis bleibt ungebrochen. In ihrem Gutachten für das Prädikat "wertvoll" kommt die FBW-Jury zu folgendem Schluss: "UNBROKEN ist ein im guten Sinne traditionelles Hollywood-Epos und Angelina Jolie hat es, mit Hilfe der Coen Brüder, auf allen Ebenen souverän inszeniert."

Mehr Informationen sowie ausführliche Gutachten der aktuellen und kommenden Filmempfehlungen gibt es auf der Homepage unter www.fbw-filmbewertung.com.

Prädikatsfilme vom 15. bis 22. Januar 2015

Frau Müller muss weg

Spielfilm, Komödie. Deutschland 2014. Frau Müller ist die Klassenlehrerin der 4b. Nun steht für alle Schüler das Halbjahreszeugnis an. Hier entscheidet sich im Prinzip schon alles. Gymnasium, Real- oder Hauptschule - die weitere Schullaufbahn stellt die Weichen für den Erfolg im Leben. Kein Wunder, dass die Eltern höchst besorgt sind, erst recht nachdem die Noten der Kinder im Keller sind. Für die Eltern liegt das Problem klar auf der Hand: Frau Müller ist schuld am Versagen der Kinder. Und deswegen muss Frau Müller weg. Ein Elterngespräch wird ausgewählt, um der ungeliebten Pädagogin die harte Wahrheit kurz und schmerzlos beizubringen. Doch dann kommt alles anders als erwartet. Basierend auf dem gleichnamigen Theaterstück von Lutz Hübner verhandelt der Film unzählige Themen - vom Bildungssystem über Vorurteile zwischen Ost und West, vom Übertragungsdruck der Eltern auf die Kinder bis hin zur Verlogenheit des Bildungsbürgertums. All diese Themen greift Sönke Wortmann, zusammen mit Hübner, der das Drehbuch mitverfasste, auf und bringt sie auf überzeugende Weise auf die Kinoleinwand. Die kammerspielartige Situation behält er bei, erweitert den filmischen Raum nur an gewissen Stellen. Die Autoren verstehen es aufs Köstlichste, mit treffenden Überspitzungen realistische Situationen urkomisch darzustellen und in einer sich immer stärker drehenden Aggressionsspirale eskalieren zu lassen Die Figuren stehen für Eltern-"Typen", die jeder kennt. Wortmann fand für jeden Einzelnen die komplett richtige Besetzung. Ob Anke Engelke als Power-Business-Frau, die sich nicht einen Moment das Heft aus der Hand nehmen lassen will, ohne zu merken, dass sie nicht einmal ihre eigene Tochter kontrollieren kann, oder Justus von Dohnanyi als ewig benachteiligter Vater, der sich über alles beschweren möchte und jedem anderen die Schuld am Versagen seiner Tochter gibt, bevor er sich selbst einmal den Spiegel vorhält. Und auch die anderen Eltern sind mit Ken Duken, Mira Tander und Alwara Höfels glänzend besetzt. Nicht zu vergessen Gabriele Maria Schmeide als Frau Müller, die im Laufe der Handlung immer wieder für die größten Überraschungen sorgt. Denn die steten kleinen Wendungen schaffen immer wieder köstlich-abwechslungsreiche Momente und lassen kein Gefühl der Langeweile aufkommen. FRAU MÜLLER MUSS WEG ist eine in jeder Hinsicht gelungene augenzwinkernde Betrachtung des Schulsystems und lässt den Zuschauer mit einer unmessbar wichtigen Warnung aus einem bekannten deutschen Volkslied zurück: Lass doch der Jugend ihren Lauf! http://www.fbw-filmbewertung.com/film/frau_mueller_muss_weg

Der große Trip - Wild

Spielfilm, Drama. USA 2014.

Im Sommer 1995 entschließt sich Cheryl Strayed, den Pacific Crest Trail von Kalifornien bis nach Oregon zu wandern. Fast 2000 Kilometer - ein Gewaltakt, selbst ohne den überschweren großen Rucksack, mit dessen Gewicht die junge Frau gerade am Anfang zu kämpfen hat. Doch obwohl Cheryl auf ihrer Reise immer wieder auf Widrigkeiten durch Wetter, den Hunger und ihre geringe Wandererfahrung trifft, so ist sie doch entschlossen, den kompletten Weg zu gehen. Denn sie hofft, dadurch etwas zu bewältigen. Die innere Blockade. Den Wunsch, einfach aufzugeben. Und eine schmerzvolle Vergangenheit, in der sie Fehler beging. Und zuviel verloren hat. Es ist eine wahre Geschichte, die der Regisseur Jean-Marc Vallée hier erzählt. Geschickt lässt das auf dem gleichnamigen Bestseller von Cheryl Strayed basierende Drehbuch von Nick Hornby Cheryl während ihres langen Weges immer wieder zurückgehen in ihrer Erinnerung. Ob Kindheitserlebnisse, Liebhaber, eine Ehe, die durch Fremdgehen in die Brüche ging, Freundschaften oder die Heroinabhängigkeit - all diese Erfahrungen bindet der Film organisch ein in die Rahmenerzählung des strapaziösen Wegs. So reflektiert der Film eine äußere, aber auch eine innere Reise, die den Zuschauer in jedem Moment und in jedem großartig eingefangenen Bild gefangen nimmt. Dies geschieht auch dank der grandiosen Darstellerleistung von Reese Witherspoon, die auch als Produzentin hinter dem Film steht und die Rolle der Cheryl mit all ihren körperlichen Herausforderungen annimmt und meistert. Stück für Stück wird Cheryls Geschichte offenbart, ihre Ängste, ihre Wünsche, die Trauer um ihre Mutter. Und am Ende der Reise erinnert sich der Zuschauer wieder an das Zitat von Emily Dickinson, das wie ein Leitmotiv über der Geschichte steht: "Wenn dein Mut sich dir verweigert, übertriff deinen Mut!" DER GROSSE TRIP - WILD ist ein kraftvoller, berührender und überwältigender Film über das Überwinden von Grenzen - und die Chance auf einen Neuanfang am Ende des Weges.

http://www.fbw-filmbewertung.com/film/der_grosse_trip_wild

Unbroken

Spielfilm, Drama. USA 2014.

Während eines Fliegereinsatzes im Zweiten Weltkrieg wird der US-Amerikaner Louis, zusammen mit zwei anderen Kameraden, von den Japanern abgeschossen. Die drei überleben und retten sich in ein Schlauchboot. Hilfe naht - doch es sind die helfenden Hände des Feindes, die die Männer auf ein Schiff ziehen. Louis und seine Kameraden werden in ein japanisches Kriegsgefangenenlager gebracht und dort gequält, gefoltert und gepeinigt. Doch Louis gibt nicht auf. Denn vor dem Krieg war er olympischer Sportler. Und er hat gelernt, durchzuhalten. Und sich von niemandem brechen zu lassen. Niemand geringeres als die Coen-Brüder lieferten das Drehbuch zu Angelina Jolies neuem Spielfilm, der auf der wahren Geschichte von Louis Zamperini basiert. Der Sohn italienischer Einwanderer musste schon früh als kleiner Junge lernen, sich gegen Anfeindungen und Beleidigungen zur Wehr zu setzen. Jolie blickt immer wieder auf wichtige Stationen im Leben Zamperinis zurück, dem der Zuschauer zuerst im Bomber über Japan begegnet. Doch durch die erzählerischen Rückgriffe wird die Geschichte komplexer, runder, erhält die charismatische Hauptfigur mehr Kontur. Jack O'Connell spielt Louis mit einer Mischung aus entwaffnendem Charme und zähem Durchhaltevermögen, der junge Cast wird ergänzt durch Domhnall Gleeson und Garrett Hedlund, das Zusammenspiel der Jungdarsteller wirkt aufeinander abgestimmt und harmonisch. Die Bilder aus dem Gefangenenlager zeigen mit schonungsloser Härte die Grausamkeit des Krieges, den Sadismus der Aufseher und das Leiden der Gefangenen. Doch sie zeigen auch, wie die Stärke eines Einzigen zum Ansporn für viele sein kann, durchzuhalten. Bis am Ende die Erlösung und das Ende des Krieges da ist. Am Ende des Films kann Louis Zamperini in die USA zu seiner Familie zurückkehren. Er ist später noch einmal nach Japan gereist und suchte die Versöhnung mit seinen Peinigern. Diese Botschaft der Menschlichkeit setzt den hochaktuellen Schlusspunkt in Angelina Jolies eindrucksvollem Film über das unglaubliche Schicksal eines Mannes, der immer an das Gute im Menschen glaubte. Ungebrochen.

http://www.fbw-filmbewertung.com/film/unbroken

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