Alle Storys
Folgen
Keine Story von Verband der Holzwerkstoff- und Innentürenindustrie e.V. (VHI) mehr verpassen.

Verband der Holzwerkstoff- und Innentürenindustrie e.V. (VHI)

Pressemitteilung – Gegendarstellung: Kaskadennutzung gefährdet keine Holzmärkte – sie schützt knappe Rohstoffe

Pressemitteilung – Gegendarstellung

Kaskadennutzung gefährdet keine Holzmärkte – sie schützt knappe Rohstoffe

Die Pressemitteilung von Fachverband Holzenergie, AGDW und Familienbetriebe Land und Forst vom 27. Juli 2026 zeichnet ein verzerrtes Bild der Debatte um die Kaskadennutzung von Holz und zieht daraus nicht haltbare Schlüsse. Sie konstruiert angeblich fehlende stoffliche Aufnahmekapazitäten, stellt die energetische Nutzung als Ausdruck eines freien Marktes dar und leitet daraus die Forderung nach möglichst unbeschränkter Holzverbrennung ab. Diese Argumentation ist inhaltlich nicht tragfähig. Kaskadennutzung bedeutet kein Verbot der Holzenergie. Holzenergie wird auch künftig ihren Platz haben – insbesondere für nicht stofflich nutzbare Reststoffe, stark belastete Althölzer oder Sortimente ohne realistische stoffliche Verwendung. Entscheidend ist aber die Reihenfolge: Ein knapper Rohstoff muss zuerst dort eingesetzt werden, wo er den größten Klima-, Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekt erzielt.

1. Die Pressemitteilung vermischt bewusst Sonderjahre, Teilmärkte und Kriseneffekte – und unterschätzt den künftigen Rohstoffbedarf

Die Pressemitteilung stützt ihre zentrale These auf methodisch nicht belastbare Vergleiche. Sie stellt besonders holzreiche Kalamitätsjahre einer konjunkturell bedingten Unterauslastung in der Papier- und Holzwerkstoffindustrie gegenüber. Rekordeinschläge infolge von Schadholz werden mit einer aktuellen Schwächephase der stofflichen Industrien kombiniert. Daraus wird fälschlich abgeleitet, es gebe dauerhaft keine zusätzlichen stofflichen Aufnahmemöglichkeiten. Die Jahre 2020 und 2021 waren jedoch außergewöhnliche Schadholzjahre; bereits 2025 lag der Holzeinschlag fast 30 % unter diesen Werten. Wer daraus langfristige Rohstoffbedarfe ableitet, unterliegt der Verwechselung von Sondersituationen mit Strukturtrends.

Zudem verkürzt die Pressemitteilung den Blick auf die Holzwerkstoffindustrie. Einzelne Sortimente werden als Gesamtbild der Branche dargestellt, wodurch die tatsächlichen Produktionsmengen deutlich unterschätzt werden. Der VHI wurde diesbezüglich nicht angefragt, zitiert wird aus dem Holz-Zentralblatt (Nummer 28, 2025) Die dort ausgewiesenen Zahlen beziehen sich ausdrücklich nur auf „Spanplatte, MDF, OSB (MDF ohne HDF)“. Nicht enthalten sind u. a. HDF, Sperrholz und Holzfaserdämmstoffe. Dadurch werden die Produktionsmengen der Holzwerkstoffindustrie um über 25 % zu niedrig dargestellt: statt 7,1 Mio. m³ im Jahr 2024, waren es insgesamt tatsächlich knapp 10 Mio. m³. Industrielle Nachfrage und bestehende stoffliche Nutzungsketten werden systematisch kleingerechnet.

Oder kurzgefasst: Gäbe es aktuell das beschworene Überangebot von 8 Mio. m³ auf einem Markt, hätten wir dann nicht historisch niedrige Preise statt den aktuellen Höchstwerten für den Holzeinkauf?

Aus dieser fehlerhaften Momentaufnahme wird anschließend ein statisches Bild des künftigen Bedarfs an Industrieholzsortimenten und Sägenebenprodukten abgeleitet. Tatsächlich spricht vieles für einen steigenden Bedarf – nicht nur in Papier, Zellstoff und Holzwerkstoffen, sondern auch durch vielfache neue Anwendungen der Bioökonomie. Papier- und Holzwerkstoffindustrie ersetzen fossile Materialien und ermöglichen klimafreundliche Verpackungen, Holzbau, Möbel, Dämmstoffe und recyclingfähige Produkte. Hinzu kommen neue Nachfragefelder in der Defossilierung der Chemieindustrie, etwa bei holzbasierten Kunststoffen, biobasierten Chemikalien und weiteren industriellen Anwendungen.

Gerade Sägenebenprodukte und Industrieholzsortimente werden deshalb künftig stärker nachgefragt. Die Pressemitteilung betrachtet dagegen vor allem einen heutigen, konjunkturell verzerrten Marktausschnitt und blendet die absehbare Entwicklung der Bioökonomie aus.

2. Energetische Nutzung ist nicht „freier Markt“, sondern vielfach gefördert

Die Pressemitteilung fordert einen marktorientierten Ansatz, verschweigt aber, dass die energetische Holznutzung seit Jahren erheblich durch politische Rahmenbedingungen gestützt wird. Förderungen über das EEG, das GModG, Wärmeprogramme, weitere Anreize sowie die Preissteigerung bei den Alternativen Öl und Gas greifen massiv in Marktmechanismen ein und verschieben Rohstoffströme zugunsten der energetischen Nutzung. Das ist kein ungestörter Markt, sondern politisch verstärkte Zahlungsfähigkeit für die Verbrennung.

Die hierdurch immer weiter steigenden Holzkosten führen zu einer deutlichen Steigerung von Importen z.B. bei Zellstoff oder Möbel- und Laminatprodukte und verschärfen den Effekt der aktuell schwachen Konjunktur. Der Rückgang der Produktion in der stofflichen Nutzung ist daher nicht allein Ausdruck mangelnder Nachfrage oder fehlender Kapazitäten, sondern auch Ergebnis jahrelang fehlgeleiteter Förderanreize zugunsten der Holzverbrennung. Besonders deutlich zeigt sich dies an der Pelletproduktion: Deutschland produziert inzwischen über 4 Mio. Tonnen Holzpellets pro Jahr – eine Verachtfachung der Produktionskapazitäten in den vergangenen 20 Jahren. Dabei ist die Holzenergie selbst für den Endverbraucher kein verlässlicher Markt und der Preis steigt gekoppelt mit dem fossilen Energiepreisen und losgelöst von waldbaulichen Gegebenheiten volatil an (historischer Höchststand zus. mit dem Gaspreis im Sommer 2026) und hat sich in den letzten zwanzig Jahren im Schnitt verdoppelt. Diese Entwicklung verschärft den Wettbewerb um dieselben Rohstoffe, die auch stofflich genutzt werden können.

Genau deshalb gibt es seit Jahren europäische und nationale Instrumente, die Fehlsteuerungen begrenzen sollen – etwa Nachhaltigkeitsanforderungen, die RED III sowie Strategien zur Kaskadennutzung und Bioökonomie. Diese Regeln sind kein Angriff auf Holzenergie, sondern notwendige ordnungspolitische Regularien. Sie sollen verhindern, dass begrenzte Rohstoffe durch Förderung vorschnell der Verbrennung zugeführt werden, obwohl sie mehrfach stofflich genutzt und anschließend energetisch verwertet werden könnten. Kurz gesagt: Gäbe es tatsächlich ein strukturelles Überangebot, müssten die Holzpreise historisch niedrig sein – nicht auf aktuellen Höchstständen beim Holzeinkauf liegen.

3. Stoffliche Nutzung schafft Mehrfachnutzen

Die Pressemitteilung setzt stoffliche und energetische Nutzung in ihrer Klima- und Marktwirkung faktisch gleich. Das ist fachlich falsch. Eine direkte Verbrennung beendet jede weitere Nutzung des Rohstoffs Holz. Eine stoffliche Nutzung ermöglicht dagegen Wertschöpfung, Kohlenstoffspeicherung, Recycling und am Ende der Nutzungskaskade weiterhin eine energetische Verwertung. Genau darin liegt der zentrale Unterschied.

Die Papierindustrie zeigt, wie leistungsfähig Kaskadennutzung bereits heute ist: Papierfasern können bis zu 25-mal wiederverwendet werden; Deutschland verfügt über ein etabliertes Altpapierrecyclingsystem mit einer Altpapiereinsatzquote von rund 85 % in der Papierproduktion. So kann auch aus einem vermeintlich kurzlebigen Produkt eine lange Nutzungskette entstehen. Holzwerkstoffe speichern Kohlenstoff über viele Jahre – etwa in Fertighäusern, Möbeln oder anderen langlebigen Produkten – und moderne Aufarbeitungs- und Wiederverwertungswege vervielfachen diese Nutzung zusätzlich.

Damit sind Papier- und Holzwerkstoffprodukte keineswegs einer direkten Kohlenstofffreisetzung gleichzustellen. Sie ersetzen Primärrohstoffe und fossile Materialien, ermöglichen mehrere Recyclingzyklen und schaffen höhere industrielle Wertschöpfung, bevor am Ende der Kaskade eine energetische Nutzung weiterhin möglich bleibt. Die Gleichsetzung von stofflicher Nutzung und direkter Verbrennung verkennt daher den Kern der Kaskade und zeigt ein fehlendes Verständnis moderner Kreislaufwirtschaft.

Fazit

Die entscheidende Zukunftsfrage lautet nicht, wie möglichst viel Holz kurzfristig verbrannt werden kann, sondern wie aus einem knapper werdenden Rohstoff der größtmögliche Nutzen entsteht. Klimawandel, Waldumbau, Schadereignisse, Naturschutzanforderungen und Nutzungskonkurrenzen werden das verfügbare Rohstoffaufkommen langfristig begrenzen, während der Bedarf an nachwachsenden Rohstoffen für Verpackungen, Baustoffe, Holzwerkstoffe, Chemieanwendungen und erneuerbare Energien weiter steigt. Ein bloßer Verweis auf heutige Teilmärkte greift daher zu kurz.

Die Pressemitteilung von Fachverband Holzenergie, AGDW und Familienbetriebe Land und Forst ist vor diesem Hintergrund inhaltlich nicht tragfähig. Sie vermischt Sonderjahre mit Kriseneffekten, rechnet nur mit Teilmengen, blendet künftige Bioökonomiemärkte aus und stellt eine vielfach geförderte energetische Nutzung fälschlich als freien Markt dar. Gleichzeitig verkennt sie den grundlegenden Unterschied zwischen einmaliger Verbrennung und mehrfacher stofflicher Nutzung.

Eine zukunftsfähige Holzpolitik muss daher sicherstellen, dass knappe Rohstoffe dort eingesetzt werden, wo sie den größten Beitrag zu Wertschöpfung, Beschäftigung, Klimaschutz und gesellschaftlichem Wohlstand leisten. Das ist kein Angriff auf die Marktwirtschaft, sondern ein notwendiger Vorbehalt für einen durch einseitige Förderanreize zugunsten der Verbrennung bereits verzerrten Markt. Kaskadennutzung bedeutet nicht weniger Waldwirtschaft und nicht das Ende der Holzenergie. Sie bedeutet eine intelligentere und zukunftsorientierte Nutzung knapper Holzressourcen: stoffliche Nutzung und Recycling stärken, energetische Nutzung dort einsetzen, wo sie sinnvoll ist – bestmöglich am Ende der Kaskade oder bei Sortimentsqualitäten ohne stoffliche Verwendung.

Der Bundesverband DIE PAPIERINDUSTRIE vertritt die Interessen der deutschen Papier- und Zellstoffindustrie. Die Industrie gehört zu den größten Abnehmern von Holz im Land und stellt daraus nachhaltige kreislauffähige Produkte her. Mit einer Altpapiereinsatzquote von 85 % sorgt die Industrie jeden Tag dafür, dass biogenes CO2 möglichst lange stofflich gebunden bleibt. Für ihre Papier- und Zellstoffsorten setzt die Industrie auf nachhaltige Waldwirtschaft.

Der VHI vertritt als Branchenverband die Interessen der Hersteller von Span-, Faser- und OSB-Platten, WPC sowie von Sperrholz und Innentüren aus Holz und Holzwerkstoffen. Die Holzwerkstoffindustrie steht mit ihrer Produktvielfalt für einen verantwortungsvollen, effizienten und nachhaltigen Umgang mit dem Rohstoff Holz. Die Mitgliedsunternehmen verarbeiten einen nachwachsenden Rohstoff: Hauptressource sind Sägenebenprodukte (Sägespäne) und Altholz, so wird der wertvolle Rohstoff Holz materialeffizient genutzt und durch Recycling der Kohlenstoffspeicher verlängert.

VHI Verband der Holzwerkstoff- und Innentürenindustrie e.V.
Schumannstr. 9 | 10117 Berlin
Telefon: (030) 28 09 12 50
Telefax: (030) 28 09 12 56
E-Mail: info@vhi.de

Vereinsregister: Amtsgericht Charlottenburg VR36496B

Weitere Storys: Verband der Holzwerkstoff- und Innentürenindustrie e.V. (VHI)
Weitere Storys: Verband der Holzwerkstoff- und Innentürenindustrie e.V. (VHI)