Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)
++ Umweltminister Schneider besucht BUND-Projekte am Grünen Band I Erfolgreicher Naturschutz und Erinnerungs-Landschaft am ehemaligen Grenzstreifen im Norden Sachsen-Anhalts ++
Pressemitteilung
3. Juli 2026 | 106
BUND-Pressestelle
Tel.: 030 - 27586 - 109
Umweltminister Schneider besucht BUND-Projekte am Grünen Band
Erfolgreicher Naturschutz und Erinnerungs-Landschaft am ehemaligen Grenzstreifen im Norden Sachsen-Anhalts
- Grünes Band ist größter Biotopverbund und wichtiger Klimakorridor
- Frühere Grenze soll UNESCO Welterbe werden
- Kooperation mit Landwirt*innen wichtig für Erhalt der Lebensräume
Berlin/Salzwedel. Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) besucht zum Abschluss seiner Sommerreise heute das Grüne Band in der Altmark (Sachsen-Anhalt). Auf den dortigen Flächen des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) informiert er sich zu natürlicher Infrastruktur, Wiedervernässung und Artenschutz.
Olaf Bandt, Vorsitzender des BUND: „Der Besuch von Minister Schneider unterstreicht die Bedeutung des Grünen Bandes. Der größte deutsche Biotopverbund ist Hotspot der Biodiversität, verbindet Landschafts- und Lebensräume miteinander, trägt zum natürlichen Klimaschutz bei und fungiert als Klimakorridor. Angesichts der weltweiten Arten- und Klimakrise muss das Grüne Band daher durchgehend als Nationales Naturmonument geschützt und weiterentwickelt werden. Zudem wäre die Auszeichnung als UNESCO Welterbe dieser Lebens- und Erinnerungsstätte ein weltweit starkes Signal.“
Das Grüne Band steht seit Anfang 2024 auf der deutschen Vorschlagsliste zum UNESCO Weltnatur- und Kulturerbe. Es erstreckt sich über knapp 1400 Kilometer entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Der BUND hat das Grüne Band im Dezember 1989, wenige Wochen nach dem Mauerfall, initiiert und arbeitet seitdem kontinuierlich daran, von der Ostsee bis zur bayerisch-sächsischen Grenze Lücken zu schließen, Lebensräume aufzuwerten sowie den Biotopverbund zu bewahren und auszuweiten.
In dem von Minister Scheider besuchten Gebiet rund um den früheren Grenzturm Hoyersburg etwa hat der BUND im Rahmen verschiedener, vom Bundesumweltministerium geförderter Projekte rund 300 Hektar wertvolles Grünland geschaffen. Wo sich ehemals z.T. monotone Maisäcker erstreckten, leben heute seltene Tier- und Pflanzenarten wie Kiebitze und Orchideen. Außerdem leisten die Flächen einen wichtigen Beitrag zum natürlichen Klimaschutz, denn artenreiches Grünland speichert langfristig doppelt so viel Kohlenstoff, wie intensiv bewirtschaftete Äcker.
Grünes Band auf dem Weg zum UNESCO Welterbe
In dem Gebiet steht auch der ehemalige Grenzturm Hoyersburg, ein wichtiges Mahnmal der deutsch-deutschen Teilung. Wo einst Stacheldraht, Selbstschussanlagen und Sperrgräben die Menschen trennten und Menschenleben forderten, verbindet heute die Natur Ost und West. Aufgrund der engen Kooperation des BUND mit den Anrainerländern steht das Grüne Band auf der deutschen Vorschlagsliste für UNESCO Welterbestätten.
Bandt: „Um die Funktion des Grünen Bands als nationalen Biotopverbund wie auch als einzigartige Erinnerungslandschaft dauerhaft zu wahren, müssen Bund und Länder den weiteren Prozess der Welterbe-Nominierung gemeinsam unterstützen. Nur so kann die erste gemischte Welterbestätte Deutschlands, das Weltnatur- und Kulturerbe Grünes Band, auf den Weg gebracht werden.“
Extensive Landwirtschaft als Schlüsselfaktor
Ralf Meyer, Landesvorsitzender des BUND Sachsen-Anhalt: „Ebenso zeigt sich am Grünen Band, dass Natur- und Artenschutz oft nur gemeinsam mit den Landwirt*innen funktioniert. Wiedervernässte Wiesen mit seltenen Orchideen und steigende Brutzahlen bedrohter Vogelarten wie Braunkehlchen, Bekassine oder Wiesenpieper sind die Erfolge dieser Kooperation.“ Dafür waren vor allem mehr Wasser in der Landschaft, eine extensive Beweidung und das Zusammenlegen wertvoller Flächen mittels Bodenordnungsverfahren nötig. Möglich wurde dies durch das gemeinsame Arbeiten von BUND, Unterhaltungsverband, Landwirt*innen und Behörden sowie durch Fördermittel von Bund und Land. Auch dank zahlreicher Spenden von BUND-Unterstützer*innen konnte der BUND über 1000 Hektar Flächen in der Altmark erwerben und so den dauerhaften Schutz sicherstellen.
Hintergrund:
Das Grüne Band Deutschland ist ein knapp 1400 km langer Biotopverbund entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Während der deutschen Teilung konnten sich hier seltene Tier- und Pflanzenarten halten. Dies hatten Naturschützer*innen aus Ost und West gleichermaßen beobachtet und so gemeinsam mit dem BUND im Dezember 1989 das Grüne Band ins Leben gerufen. Heute verbindet es Lebensräume von nationaler und internationaler Bedeutung, umfasst zahlreiche Naturschutz- und Natura-2000-Gebiete und ist als Teil des nationalen Biotopverbunds im Bundesnaturschutzgesetz verankert. Für hitzeempfindliche Arten, zu denen viele Amphibien und Insekten zählen, kann das Grüne Band ein wichtiger Korridor sein, um sich Richtung Norden auszubreiten.
Das Grüne Band ist außerdem Teil des über 12.500 km langen Grünen Bandes Europa, das sich vom Eismeer bis zum Schwarzen Meer und an die Adria erstreckt. Es verbindet zahlreiche Schutzgebiete entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs und steht für Verbindung von Naturschutz und Zeitgeschichte in Europa.
Seit 2010 sind Nationale Naturmonumente (NNM) eine Schutzkategorie des Bundesnaturschutzgesetzes. Die Gebiete sind von herausragender Bedeutung aufgrund von „wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, kulturhistorischen oder landeskundlichen Gründen sowie wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit“. Vom Grünen Band sind bislang gut 85 Prozent durchgehend als NNM gesichert, die Ausweisung durch Mecklenburg-Vorpommern sowie des niedersächsischen Teils stehen noch aus und werden vom BUND seit vielen Jahren gefordert.
Ein UNESCO Weltnatur- oder Kulturerbe muss von außergewöhnlichem, universellem Wert für die Menschheit sein. Das Grüne Band ist europaweit ein wichtiger Biotopverbund und eine Gedächtnislandschaft der deutschen und europäischen Geschichte. Es soll daher eine gemischte Weltnatur- und Kulturerbe-Stätte werden. Es wäre die erste dieser Art in Deutschland und erstmalig arbeiten dafür mit dem Deutschen Kulturrat und dem BUND zwei bedeutende Akteure aus dem Kultur- und dem Naturbereich eng zusammen. Seit 2024 steht das Grüne Band auf der deutschen Vorschlagsliste zum UNSESCO Welterbe.
Mehr Informationen:
- Das Grüne Band
- 360 Grad-Blick ums Grüne Band
- BUND Sachsen-Anhalt zum Grünen Band
- Kontakt: Katrin Evers, Referentin Grünes Band, Tel.: 030/27586-535; Mobil: 0175-5227207; Mail: katrin.evers(at)bund.net
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Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist mit mehr als 676.000 Mitgliedern und Unterstützer*innen einer der größten Umweltverbände Deutschlands. Seit über 50 Jahren engagiert er sich unter anderem für eine ökologische Landwirtschaft, den Klimaschutz, den Schutz bedrohter Arten, des Waldes und des Wassers. Finanziert durch Spenden und Mitgliedsbeiträge ist der BUND unabhängig von Politik und Wirtschaft.
Hrsg.: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) e.V., Nicole Anton (v.i.S.d.P.), Kaiserin-Augusta-Allee 5, 10553 Berlin