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Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)

++ Weltwassertag: Ökologischer Zustand bei 75 Prozent der Seen bedenklich | BUND fordert ambitionierte Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie ​++

Pressemitteilung

19. März 2026 | 046

BUND-Pressestelle

Tel.: 030 - 27586 - 109

presse@bund.net

Weltwassertag: Ökologischer Zustand bei 75 Prozent der Seen bedenklich

BUND fordert ambitionierte Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie

  • Badequalität an offiziellen Badestellen überwiegend gut, Ökosysteme aber gefährdet
  • Belastung durch Landwirtschaft, Trockenheit und Klimaerwärmung
  • Seen brauchen Pufferstreifen zum Schutz vor Dünger

Berlin. Zum Weltwassertag am 22. März zeigt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND): Die Badequalität an offiziellen Badestellen in deutschen Seen ist zwar überwiegend noch gut, die ökologische Wasserqualität jedoch bedenklich. Während 91 Prozent der Seen mit offiziellen Badestellen für das Baden laut Badegewässerbericht der EU-Umweltagentur (EEA) „ausgezeichnet“ sind, erfüllen nur 25 Prozent der großen Seen den guten ökologischen Zustand (Umweltbundesamt). Die Badequalität prüft Keime für Schwimmer, Wasserqualität misst Artenvielfalt, Nährstoffe und Sauerstoff - und offenbart massive Belastungen durch Landwirtschaft, Trockenheit und Klimaerwärmung. Ein See, der in einem schlechten ökologischen Zustand ist, kann langfristig auch für das Baden ungeeignet sein.

Knapp drei Viertel der 738 Seen über 50 Hektar sind in mittelmäßigem bis schlechtem ökologischen Zustand. Nährstoffüberschuss führt zu Algen und Sauerstoffmangel. Fische und andere Arten sind dadurch gefährdet.

Verena Graichen, Geschäftsführerin Politik beim BUND: „Unsere Seen sind zunehmend gestresst. Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft und steigende Temperaturen lassen Algen wachsen. Das verschlechtert den Zustand unserer Seen langfristig. Inzwischen finden typische Arten in vielen Seen keinen Lebensraum mehr. Wenn sogar Blaualgen entstehen, wird auch das Baden gefährlich.“

Badequalität leidet durch Extremwetter

Die Badequalität wird grundsätzlich über hygienische Parameter gemessen. Aber auch Blaualgen, die durch hohe Temperaturen und Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft entstehen können, beeinflussen die Badequalität. Sie führen zu Hautreizungen.

Graichen: „Wenn das ökologische Gleichgewicht gestört ist, haben Algen leichtes Spiel. Wenn wir im Sommer im See Baden gehen wollen, müssen wir uns um unsere Gewässer kümmern. Wir brauchen konsequenten Gewässerschutz, damit Flüsse und Seen Orte zum Leben, zum Erholen und Teil unserer Landschaft bleiben.“

BUND fordert Investitionen in die Wiederherstellung der Natur

Zum Schutz von Seen und anderen Gewässern fordert der BUND Investitionen in die Wiederherstellung der Natur und die konsequente Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Ziel muss sein, nicht nur das Infektionsrisiko für Badende zu verringern, sondern auch die gesamte ökologische Qualität des Gewässers zu verbessern.

Ausreichend große Pufferstreifen an den Gewässern sind dabei ein zentraler Baustein zum Schutz vor Nährstoffeinträgen aus der Landwirtschaft. Zusätzlich müssen Schadstoffe wie PFAS reduziert werden, die aus Industrieprodukten, Konsumgütern und Pestiziden in die Umwelt gelangen, um die Gewässer langfristig zu entlasten und ihre ökologische Qualität zu sichern.

Hintergrund

Der EEA-Badegewässerbericht 2025 stuft für Deutschland 91 Prozent der 1.892 untersuchten Badeseen als „ausgezeichnet“ ein; 98 Prozent erfüllen die EU-Badegewässerrichtlinie. Lediglich sieben deutsche Badeseen wurden für die Saison 2024 von der Europäischen Kommission mit „mangelhaft“ bewertet. Diese Prüfungen zur Badequalität fokussieren hygienische Parameter wie Keime aus Abwässern – empfindlichere Indikatoren wie Fische, Pflanzen und Kleinkrebse zeigen jedoch gravierendere Defizite.

Zum Schutz unserer Gewässer gibt es die EU-Wasserrahmenrichtlinie. Sie verpflichtet alle europäischen Mitgliedstaaten, ihre Flüsse, Seen, Küstengewässer und ihr Grundwasser bis spätestens 2027 in einen guten Zustand zu bringen. Trotz großen Lobbydrucks wurde 2019 in einem sogenannten Fitness-Check von der Europäischen Kommission festgestellt, dass die Wassergesetze grundsätzlich ihrem Zweck dienen, aber mit mehr Ambition umgesetzt werden müssen. Im Rahmen des RESourceEU-Aktionsplan vorgeblich zur Sicherung der Rohstoffe möchte die EU-Kommission jetzt die Wasserrahmenrichtlinie zugunsten von Bergbau und anderen Industrien überarbeiten. Dies, obwohl das EU-Barometer zeigt, dass die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger starke Wassergesetze möchte.

Mehr Informationen:

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ist mit rund 674.000 Mitgliedern und Unterstützer*innen einer der größten Umweltverbände Deutschlands. Seit über 50 Jahren engagiert er sich unter anderem für eine ökologische Landwirtschaft, den Klimaschutz, den Schutz bedrohter Arten, des Waldes und des Wassers. Finanziert durch Spenden und Mitgliedsbeiträge ist der BUND unabhängig von Politik und Wirtschaft.

Hrsg.: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) e.V., Nicole Anton (v.i.S.d.P.), Kaiserin-Augusta-Allee 5, 10553 Berlin

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