ARD Das Erste

"Menschen bei Maischberger" am Dienstag, 24. März 2015, um 22.45 Uhr

München (ots) - Das Thema:

"Die Euro-Tragödie: Hass auf die EZB, Wut in Athen"

Schwere Straßenkrawalle am Tag der EZB-Eröffnung, erbitterte Vorwürfe gegen eine ungerechte Geldpolitik, anhaltende Beschimpfungen von Politikern auf beiden Seiten: Der Streit um Griechenlands Finanzen ist in diesen Tagen weiter eskaliert. Könnte der anstehende Besuch des griechischen Ministerpräsidenten in Berlin ein Zeichen sein, dass Europa und Griechenland die Krise doch noch gemeinsam durchstehen wollen?

Gäste:

Anja Kohl (ARD-Börsenexpertin) Hannah Eberle (Blockupy-Sprecherin) Ludwig Zaccaro und Nina Lange (zahlen Reparationen an Griechenland) Wolfgang Bosbach, CDU (Innenpolitiker) Jakob Augstein (Verleger, "Der Freitag") Ulrich Reitz ("Focus"-Chefredakteur)

Anja Kohl (ARD-Börsenexpertin) "Wie lange will man Griechenland noch durchfinanzieren und mit welcher politischen Quittung?" Die ARD-Börsenexpertin ist überzeugt: "Die Politik nährt den Mythos, dass wir am Euro festhalten müssen. Wir werden jedoch nicht finanziell am Euro zerbrechen. Europa zerbröselt politisch." So lange die Politik keine Langzeitlösung für Griechenland ins Auge fasse, "werden wir weiter zahlen", fürchtet Anja Kohl.

Hannah Eberle (Blockupy-Sprecherin) "Die Europäische Zentralbank setzt mit ihrer Politik Menschenleben aufs Spiel", sagt die Mitorganisatorin der jüngsten Proteste gegen die EZB in Frankfurt. In Griechenland sei die Säuglingssterberate und Suizidrate gestiegen, es gebe Zwangsräumungen, die Menschen könnten sich zum Teil keine Medikamente mehr leisten", klagt Hannah Eberle. Von den Gewaltausbrüchen bei der Blockupy-Demonstration distanziert sie sich nicht. "Eine zerbrochene Glasfensterscheibe in Frankfurt macht wirklich nicht das wett, was wir in Europa tagtäglich erleben", so die Sprecherin des Blockupy-Bündnisses.

Ludwig Zaccaro und Nina Lange (zahlen Reparationen an Griechenland) Dass sich die Bundesregierung gegen Entschädigungszahlungen an Griechenland für die Besatzung im 2. Weltkrieg wehrt, hält das bayerische Paar für "beschämend". Deshalb übergaben Ludwig Zaccaro und Nina Lange auf einer Griechenlandreise die Geldsumme, die jeder Deutsche den Griechen ihrer Ansicht nach als Rückzahlung für den Zwangskredit von 1942 schulde: 875 Euro. "Unsere Politiker tun so, als ob nur Griechenland Europa und Deutschland etwas schuldet. Aber es ist umgekehrt". sagt der 67-Jährige Ludwig Zaccaro.

Wolfgang Bosbach, CDU (Innenpolitiker) Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses erhebt schwere Vorwürfe gegen die Verantwortlichen der Blockupy-Bewegung nach den Frankfurter Krawallen: "Was haben sie denn unternommen, um diese Attacken zu verhindern, die Opfer zu schützen?" Den Tätern sei es erkennbar nicht um die Kritik an der EZB-Politik gegangen, sondern um Chaos und Gewalt, sagt Wolfgang Bosbach, der weitere Milliardenhilfen für Griechenland ablehnt. Jakob Augstein (Verleger, "Der Freitag") "Aus den Protesten gegen die EZB wurde in Frankfurt ein Aufruhr gegen das System", schreibt der Publizist in seiner "Spiegel Online" -Kolumne. Jakob Augstein kritisiert, dass die Gewalt der Blockupy-Demonstranten einhellig verurteilt, die Gewalt der Politik aber akzeptiert werde. Der Protest richte sich gegen den sozialen Zusammenbruch in Griechenland. Niemand können sich mehr Illusionen über die katastrophalen Folgen der Austeritätspolitik machen, sagt der "Phönix"-Moderator ("Augstein und Blome").

Ulrich Reitz ("Focus"-Chefredakteur) Der Journalist setzt kein Vertrauen in die Zusagen der griechischen Regierung. "Weshalb nimmt eigentlich die viertelstarke Radikalenregierung in Athen nicht das Angebot von Wolfgang Schäuble an, ihnen 500 Steuerbeamte auszuleihen? Fürchten sie die deutsche Gründlichkeit?", fragt der neue "Focus"-Chefredakteur. In Griechenland hätten sich Links- und Rechtspopulisten zusammen getan, die der Nationalismus eint. "Allerdings vertragen sich Europa und Nationalismus nicht", sagt Ulrich Reitz.

Redaktion: Klaus Michael Heinz

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