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RNZ: Gescheitert

Heidelberg (ots) - Christian Altmeier über den Anschlag im türkischen Suruc

Das Kalkül von Recep Tayyip Erdogan ist nicht aufgegangen. Der türkische Präsident hat die Terrormiliz IS im Irak und Syrien bisher weitgehend gewähren lassen - und ein Auge zugedrückt, wenn diese sich mit Nachschub über die türkische Grenze versorgte. Erdogan wollte so einerseits verhindern, dass an der Grenze zur Türkei ein eigener kurdischer Staat entsteht. Solange sich die kurdischen Volksschutzeinheiten und die Terrormiliz bekämpften, konnte sich der türkische Staatschef in Ankara als vermeintlich lachender Dritter zurücklehnen. Gleichzeitig mag er gehofft haben, dass die Türkei nicht zur Zielscheibe der Terroristen wird, wenn er diese nicht allzu offensiv bekämpft. Der Anschlag in Suruc hat das Scheitern dieser Politik auf tragische Weise offenbar werden lassen. Der Islamische Staat kennt keine Verbündeten. Wer sich ihrem Kalifat nicht bedingungslos unterwirft, ist ihr Feind. Indem die Islamisten ihren Kampf auch auf türkischen Boden getragen haben, wird Erdogan nun gezwungen sein, härter gegen sie vorzugehen. Gleichzeitig zieht er die Wut der Kurden auf sich, die sich von Ankara im Stich gelassen fühlen. Statt über dem Konflikt zu schweben, sitzt Erdogan nun zwischen allen Stühlen.

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