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Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Bohrloch im Golf von Mexiko

Bielefeld (ots) - Verdunstet, verbrannt, abgeschöpft, zersetzt: Kaum ist das Bohrloch im Golf von Mexiko gestopft, da legt die US-Regierung eine Studie vor, nach der bereits drei Viertel des nach der Explosion der Plattform »Deepwater Horizon« unkontrolliert ausgeströmten Öls aus dem Meer verschwunden sein soll. Alles also gar nicht so schlimm? Von wegen. Der Regierungsbericht beruft sich neben wissenschaftliche Berechnungen der Nationalen Behörde für Ozeanographie und des Innenministeriums zwar auch auf Aussagen unabhängiger Fachleute. Doch andere Meereswissenschaftler widersprechen heftig und bezichtigen die Regierung, das Thema aus politischen Gründen schön zu reden. Richtig ist sicherlich, dass sich Küsten und Strände nach Katastrophen dieser Art erstaunlich schnell erholen. Das haben Ölunglücke in der Vergangenheit gezeigt. Doch die Auswirkungen auf die Gewässer und die dort lebenden Pflanzen und Tiere stehen auf einer ganz anderen Seite. Selbst wenn die Hochrechnungen der Wissenschaftler zutreffen, sind von den insgesamt mehr als 660 000 Tonnen ausgeströmten Öls noch knapp 170 000 Tonnen im Meer. Die kleinen Tröpfchen belasten hier sämtliche Lebewesen. Fische nehmen ölverseuchte Kleinstpartikel auf und sorgen so dafür, dass sie auch in die menschliche Nahrungskette gelangen. Guten Appetit. Dessen ungeachtet möchte vor allem BP und vermutlich auch die US-Regierung das Thema möglichst schnell aus den Schlagzeilen bekommen. Schließlich hatte Präsident Barack Obama sämtliche Tiefseebohrungen nach dem Desaster im Golf von Mexiko bis Ende November verbieten lassen. Ein Verbot, das viele Arbeitsplätze in der Ölindustrie gefährdet. Existenzangst haben zudem weiterhin Fischer und Touristikbetriebe in den betroffenen Regionen. Liegt der Fokus der Öffentlichkeit nicht mehr auf der Ölpest und ihren Folgen, können alle Beteiligten darauf hoffen, dass möglichst schnell wieder Normalität einkehrt. Zwar wird der Ölkonzern BP weiter harte Auseinandersetzungen über Schuld, Schadensersatz- und Strafzahlungen führen müssen. Mit dem Versiegen der Quelle versiegen jedoch auch die täglichen Horrornachrichten über die Verseuchung der Umwelt. Und damit kann sich der Konzern ebenso wie andere Unternehmen wieder voll auf das konzentrieren, was Geld in die Kassen sprudeln lässt: das Bohren nach Öl. Der weltweite Hunger nach diesem Rohstoff sowie der daraus resultierende Profit ist so groß, dass es vermutlich eher einen Ausbau denn Einschränkungen geben wird. Bleibt nur zu hoffen, dass aus dem Unglück mit der »Deepwater Horizon« Lehren gezogen und die Sicherheitsbestimmungen nicht nur verschärft, sondern vor allem eingehalten werden. Das sind wir der Umwelt und damit nachfolgenden Generationen schuldig.

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