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03.11.2008 – 14:25

EUROFORUM Deutschland GmbH

Apothekenketten kommen sicher, aber langsam - Experten: Apotheken sollten vorbereitet sein - AOK-Rabattverträge: Start am 1. März fraglich

    Frankfurt (ots)

Frankfurt, 03. November 2008. Die Veränderungen auf dem Apothekenmarkt kommen langsamer als erwartet, so das Fazit der Euroforum-Konferenz "Apothekenmarkt 2009" Ende Oktober in Frankfurt. Sollte das Mehrbesitzverbot für deutsche Apotheken in den nächsten Wochen fallen, sei noch lange keine rasche Massengründung von Apothekenketten zu erwarten, lautete die mehrheitliche Meinung der Konferenzteilnehmer. Dennoch sollten sich sowohl Apotheken als auch Großhandel und Pharmahersteller langfristig auf einen Paradigmenwechsel im Arzneimittelvertrieb einstellen. Schon heute hätten Apotheken den erhöhten Wettbewerbsdruck erkannt, so Jörg Wieczorek vom Arzneimittelhersteller Hermes. Er zitierte eine Sempora-Studie, nach der 93 Prozent der 103 befragten Apotheker ihre Marketingmaßnahmen verstärkt und 61 Prozent ein Kundenbindungsprogramm eingeführt hätten.

    Leidensdruck noch nicht stark genug

    Die Übernahme der Mehrheit an der niederländischen Versandapotheke Europa Apotheek Venlo durch den US-Konzern Medco gilt unter Branchenbeobachtern als Indiz, dass der deutsche Apothekenmarkt demnächst aufgebrochen werden könnte. Doch so schnell werden sich die Marktverhältnisse in Deutschland nicht verändern, stellte Klaus Gritschneder, Mitgründer der Europa Apotheek Venlo, auf der Konferenz fest: "Amerikanische Verhältnisse lassen sich nicht so einfach auf Europa übertragen." Der Jurist und Pharmaexperte Peter Homberg bemerkte: "Es wird noch zwei bis drei Jahre dauern, bis sich der hiesige Markt stark bewegen wird." Dann aber würden sich sicher einige Unternehmer Ketten aufbauen, um am Markt mithalten zu können. Junge Pharmazeuten würden es schwer haben, mit einer eigenen Apotheke an den Markt zu gehen. Frank Füßl, Apotheker und Inhaber der Metropolitan Pharmacy, verteidigte die Einzelapotheke: "Ich werde versuchen, so lange wie möglich die Inhaberschaft an meiner Apotheke zu halten." Viele seiner Kollegen sähen das ähnlich: "Der Leidensdruck ist noch nicht groß genug, niemand stelle sich gern in den Schatten einer Marke." Die inhabergeführte Apotheke habe eine Chance, allerdings seien Standort und qualifiziertes Personal entscheidend. "Hier wird ein Kampf um Köpfe entbrennen", so Füßl.

    Medikamente per Post - Zukunft der Versandapotheke

    Klaus Gritschneder erläuterte das Kooperationsmodell zwischen Europa Apotheek Venlo und dem Drogeriemarkt dm: Über Pickup-Stellen in dm-Filialen könnten Kunden ihre Bestellung in Auftrag geben und abholen. Seit dem Start 2004 seien in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Berlin 208 Pickup-Stellen, sogenannte Pharma-Punkt-Filialen, eröffnet worden. Nächstes Jahr gehe es weiter mit der Expansion, 900 Filialen sind Gritschneders Ziel. Ein Pharma-Punkt könne aber keine Apotheke ersetzen und wolle es auch nicht. "Wir betrachten uns sogar als Alternative zum klassischen Versandhandel, weil wir eine andere Zielgruppe ansprechen: Während sich der chronisch Kranke über 70 seine Medikamente nach Hause liefern lässt, bedienen wir den klassischen dm-Kunden." Zum Beispiel die 30-jährige Mutter, die in der Drogerie zugleich Babynahrung kaufe. "Eigentlich ist unser Konzept unspektakulär, und ich kenne keine Gründe, warum man sich darüber aufregen sollte." Die nannte dafür Otto Späth, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Apotheker: "Der Versandhandel gefährdet die Arzneimittelsicherheit und gehört verboten." Die Arzneimittelvertriebswege seien zu unübersichtlich, und durch falsche Lagerung könnte es zu Verwechslungen kommen. Späth plädierte für ein Verbot des Bestell- und Abholservices außerhalb von Apotheken und für eine bessere Aufklärung zum Beispiel über Produktpiraterie im Internet.

    "Deutsche zugelassene Versandapotheken sind sichere Versandapotheken", hielt Christian Buse, Geschäftsführer der Versandapotheke myCARE, dagegen: Das Gütesiegel "Sichere Versandapotheke" biete dem Verbraucher Hilfe bei der Identifizierung einer vertrauenswürdigen Versandapotheke. "Das in Deutschland geltende Gesetz für Versandapotheken erfüllt bereits die europäischen Forderungen des Ministerkomitees des Europarates." Am Gesamtumsatz deutscher Apotheken von 38,1 Milliarden Euro (2007) hält der Versandhandel einen Anteil von circa vier Prozent, wie Buse ausführte. Zwei Millionen Kunden kauften ihre Medikamente mittlerweile bei Versandapotheken - "und die Tendenz steigt." Aufklärung in der Arzneimittelsicherheit werde nur durch umfassende Patienteninformationen gelöst. Er schlug daher eine Versandapotheken-Liste unter der Hoheit der Länder vor.

    Discounter: Medikamente im Supermarkt

    Auf zwei Handelsschienen beruht das Markenapothekenkonzept der easyApotheke, nach eigenen Angaben die erste deutsche Discountapotheke. Wie Matthias Diessel, Head of Business Development, zeigte, besteht die konzernunabhängige Holding aus einer Versandapotheke und 24 stationären easyApotheken. Während die Zentrale in Hildesheim die Marken- und Systemrechte hält und verantwortlich ist für die Entwicklung des easyApotheke-Systems, führen die Apotheker die Filialen als selbständige Unternehmer im eigenen Namen und auf eigene Rechnung. Sie mieten die Räumlichkeiten, kaufen die Einrichtung und das Warenlager, stellen die Mitarbeiter ein und sind verantwortlich für den wirtschaftlichen Erfolg der Apotheke. Eine Preisreduktion von fünf bis zehn Prozent unter UVP ist verpflichtend. "Weitere Preissenkungen gibt es je nach Marktumfeld und Strategie." Der Kunde soll in einer easyApotheke sowohl Drogerie- als auch apothekenexklusive Ware erhalten, "wie in einem Gesundheitssupermarkt". Lange Schlangen inklusive: "Wenn es sich an einer Kasse mal etwas staut, begrüßen wir das. Kein Club ist spannend, vor dessen Tür nicht eine Schlange von Menschen steht." Für das Supermarkt-Gefühl sorgen auch der einheitliche Markenauftritt und Ladenbau aller Filialen, die 2000 Artikel in der Freiwahl, die teilweise themenbezogen positioniert werden, sowie Einkaufskörbe und gute Parkmöglichkeiten. Verzichtet wird auf apothekentypische Zugaben wie Taschentücher, ebenso auf  Kundenzeitschriften und Kundenkarten. "Das erwarten unsere Kunden aber auch nicht." Bis Ende 2009 will die Holding ihr Filialnetz auf 100 Niederlassungen ausgeweitet haben. "Wir sind aber keine Kette und wollen keine Kette werden", so Diessel.

    AOK-Rabattverträge: "1. März wird eng"

    Mit Blick auf die laufenden AOK-Rabattvertragsverhandlungen sagte Verhandlungsführer Dr. Christopher Hermann auf der Konferenz: "Wir haben alles aufgearbeitet, was im letzten Verfahren gegen uns verwendet wurde." 114 Hersteller hätten sich an der aktuellen Ausschreibung über 64 Wirkstoffe beteiligt. Bis Ende November wolle die AOK alle Angebote ausgewertet und die Hersteller informiert haben. Danach gehe es in die rechtlichen Auseinandersetzungen. "Die sind so sicher wie das Amen in der Kirche", so der Vorstands-Vize der AOK-Baden-Württemberg. Die Entscheidung der Vergabekammer erwartet er für Januar, "oder mit viel Glück noch vor Weihnachten". Den termingerechten Start der Verträge am 1. März 2009 stellte Hermann in Frage: "Das wird sehr eng."

    Die Euroforum-Konferenz "Apothekenmarkt 2009" fand am 29. und 30. Oktober 2008 in Frankfurt am Main statt. Die Tagungsunterlagen sind bei Euroforum erhältlich.

Pressekontakt:
Romy König
Senior-Pressereferentin
EUROFORUM Deutschland GmbH
Westhafenplatz 1
60327 Frankfurt am Main
Tel.: +49 (0) 69/244-327-3391
Fax: +49 (0) 69/244-327-4391
Mailto:romy.koenig@informa.com
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