Alle Storys
Folgen
Keine Story von Deutscher Bauernverband (DBV) mehr verpassen.

Deutscher Bauernverband (DBV)

DBV: Existenzgefährdende Vorschläge der EU-Kommission zur Zuckermarktordnung - Vorstellung von alternativen Kernpunkten einer Reform

Berlin (ots)

Beim Deutschen Bauernverband (DBV) stoßen die heute
veröffentlichten Vorschläge der EU-Kommission zur Zuckermarktordnung
wegen der drastischen Folgen ab dem Wirtschaftsjahr 2005/06 auf
Ablehnung. Nach Einschätzung des DBV wäre nach einer solchen Reform
der Zuckerrübenanbau in Europa nur noch in einigen wenigen besonders
ertragsstarken Regionen wie Frankreich möglich. In zahlreichen EU-
Mitgliedstaaten käme der Zuckerrübenanbau zum Erliegen. Gerade die
strukturarmen ländlichen Gebiete würden durch Produktionsaufgabe und
Schließungen von Zuckerfabriken geschwächt. Deshalb unterbreitet der
DBV eine Reihe von alternativen Reformvorschlägen.
Die Kommission hat eine Senkung der Zuckerquoten um circa 16
Prozent und der Rüben¬mindestpreise sogar um 25 Prozent bzw. 37
Prozent vorgeschlagen. Eine erste Preiskürzung um 25 Prozent soll
bereits zum Juli 2005 und damit ein Jahr vor Ende der laufenden
Marktordnungsperiode in Kraft treten. Darüber hinaus will die EU-
Kommission die Produktionsquoten um 2,8 Millionen Tonnen auf 14,6
Millionen Tonnen kürzen. Die Einnahmeausfälle der Rübenbauern sollen
nur zu 60 Prozent ausgeglichen, die Produktionsquoten
entschädigungslos gekürzt werden.
Auch die vorgeschlagene Laufzeit der neuen EU-Zuckermarktordnung
von nur drei Jahren lehnt der DBV als völlig unzureichend ab. Als
Basis für die im Zuckersektor notwendigen Langfristinvestitionen sei
ein Zeitraum bis mindestens 2012 unverzichtbar. Dem durch die Reform
der EU-Agrarpolitik und ihre nationale Umsetzung in Deutschland
ohnehin gebeutelten Ackerbau würde die letzte verbliebene tragende
Säule genommen.
Die Vorschläge der EU-Kommission eignen sich auch nicht vor dem
Hintergrund der WTO-Verhandlungen. Denn nach Auffassung des DBV würde
in der EU erneut eine Reform entworfen ohne entsprechende
Gegenleistungen wichtiger Wettbewerber vor allem in Südamerika.
Insbesondere das WTO-Streitschlichtungsverfahren gegen EU-
Zuckerexporte ist von entscheidender Bedeutung für die EU-
Zuckermarktordnung, so dass eine tragfähige und sachgerechte Reform
nur nach abschließenden WTO-Entscheidungen in Frage kommen kann. Auch
macht der DBV darauf aufmerksam, dass die vorgeschlagene Reform das
Ende der erfolgreichen Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern
wäre. Die Abkommen mit den AKP-Staaten und den fünfzig ärmsten
Entwicklungsländern (LDC) wären mit der Senkung des
EU-Referenzpreises für Zucker auf 421 Euro bzw. 329 Euro für
Rohzucker praktisch wertlos. Im Ergebnis würde damit den aggressiven
brasilianischen Zuckerexporteuren Vorschub geleistet. Die
Entwicklungsländer haben dann auch die Kom¬missionsvorschläge strikt
abgelehnt. Dieses Votum darf die Kommission nicht einfach übergehen.
Der DBV schlägt folglich als Kernpunkte für die Reform der
Zuckermarktordnung vor, die geltende EU-Zuckermarktordnung
unverändert fortzusetzen, bis konkrete Anpassungen auf Grund der
welthandelsrechtlichen Rahmenbedingungen (WTO/Zuckerpanel) und der
von der EU eingegangenen Präferenzabkommen notwendig sind.
Außenschutz und Mengenregulierung zur Gewährleistung kostendeckender
Erzeugerpreise sind aufrecht zu erhalten; für Zucker muss als
„sensibles Produkt“ die besondere Schutzklausel erhalten bleiben. Mit
den LDC-Staaten ist entsprechend der Entwicklung ihrer
Nettoexportmöglichkeiten eine Einbeziehung in das Mengenmanagement
der EU-Zuckermarktordnung zu vereinbaren. Anpassungen der
Marktordnung unter Beibehaltung flexibler Quoten sind nur insoweit in
Betracht zu ziehen, als diese unumgänglich sind und in adäquaten
Übergangszeiträumen umgesetzt werden können. Durch solche Anpassungen
verursachte Belastungen der Zuckerrübenbauern sind nach Ansicht des
DBV uneingeschränkt auszugleichen.
ots-Originaltext: Deutscher Bauernverband (DBV)
Digitale Pressemappe: 
http://www.presseportal.de/story.htx?firmaid=6599

Kontakt:

Deutscher Bauernverband
Dr. Michael Lohse
Pressesprecher
Tel.: 030 / 31904 240

Original-Content von: Deutscher Bauernverband (DBV), übermittelt durch news aktuell

Weitere Storys: Deutscher Bauernverband (DBV)
Weitere Storys: Deutscher Bauernverband (DBV)