Ex-Chef der Münchner Sicherheitskonferenz Christoph Heusgen zum Jahrestag des Terrorangriffs: Die Welt ist nicht sicherer, sondern unsicherer geworden
Paris/Bonn (ots)
25 Jahre nach den Terroranschlägen auf die USA hat der ehemalige Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen, auf die geopolitischen Spätfolgen des Angriffs aufmerksam gemacht. "Wir übertreiben nicht, wenn wir sagen, dass dieser 11. September einschneidend war", erklärte Heusgen im Fernsehsender phoenix. Zunächst sei die Anteilnahme und Solidarität mit den USA sehr groß gewesen. "Aber dann hat der Krieg gegen den Terror Dimensionen erreicht, die dann zu Folgen geführt haben, die die Welt nicht sicherer, sondern unsicherer gemacht haben", war der frühere außenpolitische Berater der deutschen Kanzlerin Angela Merkel überzeugt. Auch das Verhältnis zwischen Europa und den USA habe etwa durch den Irak-Krieg und die Abhöraffäre gegen die deutsche Kanzlerin Schaden genommen. "Dass Amerika den Kampf gegen den Terror so ausgedehnt hat, dass die verschiedenen Dienste keine Grenzen mehr kannten, hat zu einer gewissen Entfremdung geführt", glaubte Heusgen.
Diese Entwicklung habe sich in den Amtszeiten von US-Präsident Donald Trump verstärkt, "wobei ich nicht glaube, dass das endgültig ist. Das ist auch reparierbar", meinte Heusgen. Allerdings führe kein Weg daran vorbei, dass Europa selbst resilienter werden müsse. "Worauf wir uns einzustellen haben, ist, dass Europa sein Schicksal selbst in die Hand nehmen muss. Wir können diese große Abhängigkeit von Amerika nicht Jahrzehnte weitertragen. Da muss Europa selbständig werden, um auf Entwicklungen in Amerika reagieren zu können, die unter Trump in eine Richtung gegangen sind, mit denen wir nicht einverstanden sein können."
Das gesamte Interview sehen Sie hier: https://phoenix.de/s/XRO
Pressekontakt:
phoenix-Kommunikation
Telefon: 0228 / 9584 192
kommunikation@phoenix.de
Twitter.com: phoenix_de
Original-Content von: PHOENIX, übermittelt durch news aktuell