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31.07.2002 – 15:27

Greenpeace e.V.

Seehundsterben auch durch Umweltgifte verursacht
Greenpeace: Massensterben bei Meeressäugern immer häufiger

    Hamburg (ots)

Eine der wesentlichen Ursachen für das erneute
Seehundsterben durch das Staupe-Virus ist die starke chemische
Verschmutzung der Nord- und Ostsee. Dies hat die Umweltorganisation
Greenpeace heute in Hamburg erklärt. Als Säugetiere stehen Robben an
der Spitze der Nahrungskette und reichern über ihre Nahrung große
Mengen Schwermetalle und Dauergifte in ihrem Körper an. Das
Immunsystem der Tiere wird in stark belasteten Gewässern geschwächt,
so dass es sich gegen die Virusinfektion nicht ausreichend zur Wehr
setzen kann und das Tier stirbt. Wissenschaftliche Untersuchungen
zeigten, dass Seehunde in wenig belasteten Meeresgebieten wie dem
Atlantik gesünder sind und die Krankheit eher überleben. Die
Gift-Belastung der Tiere aus der Nord- und Ostsee ist derart hoch,
dass die Kadaver in Deutschland als Sondermüll entsorgt werden
müssen.
    
    "Seehunde sterben nicht zwangsläufig an dem Staupe-Virus. Der
Gesundheits- und Belastungszustand entscheidet über ihre
Überlebenschancen", sagt Meeres- und Chemie-Experte Manfred Krautter
von Greenpeace: "Robben sind daher ein Indikator für den Zustand der
Meere".
    
    Untersuchungen an verendeten Tieren bei früheren Seehundsterben
zeigten, dass diese höhere Belastungen mit Schwermetallen und
Dauergiften wie Dioxinen, PCB's und DDT aufwiesen als überlebende
Tiere. Die Tiere werden zunehmend auch durch Dauergifte der neuen
Generation wie bromierte Flammschutzmittel, TBT (Tributylzinn) und
Chlorparaffine belastet, die gleichfalls das Immunsystem der Tiere
schädigen können. Diese Dauergifte begünstigen nicht nur akute
Erkrankungen der Meeressäuger, sie verursachen auch chronische
Gesundheitsschäden bei den Tieren.
    
    Meeressäuger wie Robben und Delphine wurden in den letzten Jahren
verstärkt von Massensterben und schweren Viruserkrankungen
heimgesucht. Am stärksten betroffen sind Tierbestände, die in stark
mit Umweltgiften belasteten Meeresabschnitten wie der Nordsee oder
dem Mittelmeer leben. Massensterben, denen zehntausende Tiere zum
Opfer fielen, kommen immer häufiger vor: 1987 bei Robben im
Baikalsee, 1987-88 bei Delphinen in Mexiko und den USA, 1988 bei
Seehunden in der Nordsee, 1990-93 bei Streifendelphinen in
Mittelmeer, im Jahr 2000 bei Robben im Kaspischen Meer.
    
    Dauergifte sind vom Menschen hergestellte, organische Chemikalien,
die die Gesundheit von Tieren und Menschen schädigen können. Sie
werden international als Persistent Organic Pollutants (POPs)
bezeichnet. POPs reichern sich in der Nahrungskette an und können in
der Umwelt nur schwer abgebaut werden. Viele Dauergifte haben sich so
über den ganzen Planeten ausgebreitet. Über Luft und Flüsse gelangen
sie in die Meere, die so ein Endlager für diese Schadstoffe werden.
Greenpeace fordert, dass die Schadstoffbelastung der Meere deutlich
gesenkt wird. Die Umweltschutzorganisation setzt sich daher für eine
grundlegende Reform des europäischen Chemikalienrechts und für ein
globales Verbot von Dauergiften ein.
    
    
ots Originaltext: Greenpeace e. V.
Im Internet recherchierbar: http://www.presseportal.de

Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an Manfred Krautter, Tel.
040-30618-358 oder Pressesprecherin Simone Miller, Tel. 040-30618-343
bzw. 0171-8706647. Hier erhalten Sie auch weitergehenden
Informationen. Internet: www.greenpeace.de

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