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Aachener Nachrichten: Randale mit Ansage - Hooligans und Neonazis rotten sich in Köln zusammen. Ein Kommentar von Joachim Zinsen

Aachen (ots) - Komme jetzt bitte niemand mit der Überraschungs-Nummer. Nein, die Krawalle von Köln waren absehbar. Wer immer sich in den vergangenen Jahren auch nur ansatzweise mit deutschen Hooligans beschäftigt hat, weiß: Die Szene ist äußerst gewaltbereit und in erheblichen Teilen von Rechtsex-tremisten unterwandert. Zu glauben, dass sich Hooligans nur untereinander prügeln, ist naiv. Längst haben sich viele von ihnen zu braunen Schlägertrupps zusammengerottet, denen es nicht nur um Fußball, sondern auch um Politik geht. Spätestens nach dem hohen Zuspruch im Internet für den angekündigte Hooligans-Aufmarsch hätten die Sicherheitsbehörden also gewarnt sein müssen. Aber es war wohl wie so häufig in der Vergangenheit: Das rechte Gewaltpotential in unserer Gesellschaft ist notorisch unterschätzt worden. Nun kann man natürlich darüber streiten, ob das polizeiliche Einsatzkonzept in Köln ungenügend war. Natürlich ist auch darüber zu reden, warum eine Veranstaltung wie die in der Domstadt überhaupt erlaubt wurde. Aber Vorsicht: Schieben wir der Polizei jetzt nicht die Rolle der alleinigen Prügelknaben zu. Verlieren wir uns nicht in den nach solchen Ereignissen üblichen Ritualen - also der Suche nach einem politischen Sündenbock. Wer das macht, verkennt, dass die Ursachen für den Kölner Krawall-Sonntag tiefer liegen. Die Frage ist doch: Warum hatte der Aufmarsch in Köln solch einen großen Zulauf? Liegt es nur daran, dass einige tausend Dumpfbacken eine Gelegenheit gewittert haben, sich volllaufen zu lassen und anschließend randalieren zu können? Oder hat es auch damit zu tun, dass die Salafismus-Debatte in Deutschland mittlerweile aus dem Ruder läuft? Immer häufiger ist nämlich zu beoachten, dass in der Öffentlichkeit zwischen Dschihadisten, Salafisten, Islamisten und dem weit überwiegenden Teil der Muslime kaum noch unterschieden wird. Schon in den Medien geht diese Trennschärfe zunehmend verloren. Alles wird in einen Topf gerührt. Und gewürzt wird die ganze Soße täglich mit groß herausgestellten Schreckensmeldungen aus der islamischen Welt. Da darf es niemanden wundern, wenn simplere Gemüter eine regelrechte Islamophobie entwickeln und sich in den aberwitzigen Glauben versteigen, im Namen des Volkes westliche Werte verteidigen zu müssen. Wozu das führt, wurde in Köln deutlich. Der Kampf gegen den Salafismus war für den Mob nur die dünne Folie des Protestes. Tatsächlich ging es den Hooligans darum, ihren Hass auf Ausländer im Allgemeinen und auf Muslime im Besonderen auszutoben. Um nicht missverstanden zu werden: Natürlich passt der Salafismus nicht in eine aufgeklärte Welt, er gehört politisch bekämpft. Wenn er gewalttätige Züge annimmt, sind die Sicherheitsbehörden gefragt. Doch lassen wir uns nicht gewollt oder fahrlässig in einen Kampf der Kulturen hineinschwadronieren. Denn diese Konfrontation ist genau das, was religiöse Fanatiker auf der einen Seite und unappetittliche Figuren wie die Kölner Krawallos auf der anderen Seite zum Ziel haben.

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