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NRZ: Es sind noch zu viele Fragen offen - ein Kommentar von JAN JESSEN

Essen (ots) - Enver Simsek, Abdurrahim Özüdogru, Süleyman Tasköprü, Habil Kilic, Mehmet Turgut, Ismail Yasar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubasik, Halit Yozgat, Michèle Kiesewetter. Das sind die Opfer der rechtsextremen Terrorbande NSU, die über Jahre hinweg unbehelligt morden konnte. Jetzt sind die Urteile gegen Beate Zschäpe und ihre Mitangeklagten ergangen. Fünf Jahre hat die Suche nach der Wahrheit gedauert, sie war so detailversessen und penibel, dass die Öffentlichkeit schon lange das Interesse am dem Prozess verloren hatte - und doch sind an seinem Ende noch so viele Fragen offen. Die Vertreter der Nebenklage und Opfer-Angehörige vermuten ein weit größeres Unterstützungsnetzwerks hinter der rechtsterroristischen Mörderbande und sehen die Rolle der Geheimdienste noch nicht im Ansatz genügend ausgeleuchtet. Ihr Misstrauen ist nachvollziehbar: Im Verlauf der Ermittlungen, des Prozesses, der verschiedenen Untersuchungsausschüsse, schredderten Behörden Akten, wichtige Zeugen wurden nicht geladen oder starben plötzlich. Die rassistische Diskriminierung durch die Ermittlungsbehörden, denen die Opferfamilien zunächst ausgesetzt waren, haben das Vertrauen vieler Zuwanderer in den Rechtsstaat nachhaltig gestört. Auch wenn sich einige Angehörige der Opfer nach den Urteilen zufrieden zeigten, dass nun Gerechtigkeit gewaltet hat, ist eine weitergehende Aufklärung dringend notwendig. Ein Schlussstrich würde nicht helfen, die Wunden zu heilen. Zugleich darf der Kampf gegen Rechts nicht nachlassen. Der mörderische Hass des NSU gleicht dem, der sich schon in den neunziger Jahren in Mölln, Solingen oder Rostock Bahn gebrochen hatte. Wie die kürzlich aufgeflogenen rechten Banden "Oldschool Society" oder "Gruppe Freital" gezeigt haben, ist der Nährboden für neuen rechten Terror längst bereitet.

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