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NRZ: Risiko für beide Seiten - ein Kommentar von KNUT PRIES

Essen (ots) - Die Schweizer sind mit ihrem Votum für eine kanalisierte Zuwanderung aus der EU ein hohes Risiko eingegangen. Eine Regierung, die das Gegenteil wollte, muss jetzt das Kunststück fertig bringen, der eigenen Wirtschaft den freien Zugang zum EU-Binnenmarkt zu erhalten und zugleich für Deutsche, Italiener und andere Menschen aus eben diesem Binnenmarkt Zugänge in die Schweiz zu sperren. Dass die EU, die das Szenario gleichfalls nicht wollte, bei der Suche nach dem Stein der Weisen sonderlich kooperativ ist, darf man nicht erwarten.

Denn in Sachen Freizügigkeit steht die EU mit dem Rücken zur Wand. Das dumpfe Gefühl, Europa bedeute, nicht mehr Herr im eigenen Haus zu sein, sucht nicht nur Eidgenossen heim. Auch in den EU-Staaten geht die Tendenz dahin, im EU-Ausländer eher den Fremdling als den Unionsmitbürger zu sehen. Das Beispiel der Schweiz zeigt, wie schwer es ist, diesem Instinkt mit Statistik und Kosten-Nutzen-Theorien beizukommen. Die Vernunft ist abstrakt, der überfüllte Bus und die zersiedelte Landschaft sind konkret. Der Bürger, von Hause aus nur selten Politologe, hält sich an Letzteres.

In einem idealen Szenario mögen die Schwierigkeiten, mit denen die Schweiz sich jetzt herumzuschlagen hat, den EU-Bewohnern abschreckend vor Augen führen, wie steinig der Weg zurück zu mehr Abschottung ist. Das Risiko ist indes groß, dass zunächst auch in der EU diejenigen Auftrieb bekommen, die glauben, die lästigen Seiten der Anziehungskraft auf Dritte könne man mittels Quoten-Bürokratie wegregulieren.

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