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NRZ: Neue Epoche in Arabien: Despotendämmerung im Orient - Kommentar von Rüdiger Oppers

Essen (ots) - Das ägyptische Volk hat Geschichte geschrieben. Wie der Berliner Mauerfall markiert der Sturz des ägyptischen Despoten Mubarak einen historischen Wendepunkt. Der Präsident ist weg; verjagt vom eigenen Volk. Dem hat er nicht "einen letzten Dienst erwiesen", wie Kanzlerin Merkel kommentierte, sondern er hat sich widerwillig einer beeindruckenden, friedlichen Revolution gebeugt. Hinter den Kulissen gab es politische Machtkämpfe und internationale Interventionen, insbesondere der USA; doch nicht sie haben Mubarak besiegt, sondern der überwältigende Ruf der Bürger nach mehr Demokratie und Menschenrechten. Schon lange war der "Pharao" am Ende. Aber wie viele Diktatoren wollte er den eigenen Untergang nicht wahrhaben. Vorgestern klammerte er sich noch verzweifelt an die Macht, deshalb war sein Rücktritt eine Überraschung. Ein mitreißender, beispielloser Freudentaumel zeigt nun der ganzen Welt, wie groß die Sehnsucht der Menschen in Arabien nach Freiheit ist. Die Macht hat eine Militärjunta übernommen. Dazu gab es keine Alternative; denn nach der 30-jährigen Mubarak-Herrschaft gibt es keine organisierte politische Opposition, die von heute auf morgen regieren könnte. Nun kommt es darauf an, ob die Generäle ihr Versprechen wahr machen und demokratische Wahlen vorbereiten. Sie halten alle Mittel in der Hand, die Freiheit weiter zu unterdrücken. Doch darauf deutet zurzeit nichts hin. In den entscheidenden Tagen der Massenproteste stand die Armee auf der Seite des Volkes und wird nun keinen Bürgerkrieg riskieren. Ägypten braucht verantwortungsbewusste Politiker, die das Land auf den historischen Weg zur Demokratie führen können. Mubaraks Vizepräsident Suleiman kommt für diese Aufgabe nicht in Frage. Auch wenn westliche Regierungen den Ex-Geheimdienstchef loben, ist er in seinem Volk als "der Folterer" verschrien. Viele Hoffnungen ruhen auf dem ägyptischen Friedensnobel-Preisträger El Baradei, der in der ganzen Welt einen guten Ruf genießt. "Frieden" war das Motto der Revolutionäre in Kairo. Auf dem Tahrir-Platz wurde diese Losung lebendig: Muslime und Christen demonstrierten Hand in Hand als solidarische Bürger. "Frieden" muss das Ziel für den nahen Osten bleiben. Die Zukunft Israels hängt auch von einem stabilen Nachbarstaat Ägypten ab. Unbegründet ist die Furcht vor einer islamischen Revolution gewesen. Die Demonstranten haben auch gegen eine traditionelle, patriarchalische Gesellschaft gekämpft und werden ihren historischen Sieg weder den Muslimbrüdern, noch der Hamas opfern. Im Gegenteil: Die jungen Revolutionäre wollen ein besseres Leben und Meinungsfreiheit. Von ihnen kann auch der Westen viel lernen. Zum Beispiel, dass man Demokratie nicht mit Flugzeugträgern exportiert, sondern mit den Mitteln moderner Medien: Zeitungen, TV, Internet. Nun beginnt in der islamischen Welt eine neue Epoche. Von Marokko bis Jemen fürchten die Potentaten Arabiens um ihre Macht. Im Orient hat die Despotendämmerung begonnen. Endlich.

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