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Westfalenpost: Die Union muss sich einigen
Kommentar von Kerstin Münstermann zu den Koalitionsverhandlungen

Hagen (ots) - Sie kennen sich lange, haben Erfolge gefeiert, Fehden ausgetragen, sich Kränkungen zugefügt, diese immer wieder überwunden. Doch wenn sich CDU-Chefin und Kanzlerin Merkel und der CSU-Vorsitzende Seehofer am Sonntag zu Sondierungen treffen, steht für die Union viel auf dem Spiel. Selten war der Polit-Profi Seehofer so unter Druck. In Bayern gärt es seit dem desaströsen Wahlergebnis, ein Umsturz ist nicht ausgeschlossen. Der 68-Jährige muss liefern, hängt vorsorglich die Latte noch mal hoch: Ohne eine Lösung zur Obergrenze könne er zu seiner Basis nicht zurückkehren. Doch nicht nur Seehofer hat eine kritische Partei hinter sich. Auch in der CDU wächst die Unzufriedenheit. Ein "Weiter So" halten auch Merkel-treue Konservative nicht für den richtigen Weg. Denn die Union hat als Volkspartei ein tiefer liegendes Problem. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung stellt fest, dass das Milieu der bürgerlichen Mitte nur noch 13 Prozent aller Wahlberechtigten abbilde. Die Trennlinie im Volk verlaufe vielmehr zwischen Skeptikern und Befürwortern der Modernisierung. So stehen also Menschen, denen Tradition und Besitzstandswahrung wichtig ist, denen gegenüber, die Neugierde auf Digitales und Offenheit antreiben. Die Union hat die Aufgabe, diese Pole der Gesellschaft wieder zu versöhnen. Die gesellschaftlichen Folgen der Flüchtlingskrise werden in den beiden Parteien ohnehin nicht mehr gegensätzlich analysiert. Allein der Begriff und die zahlenmäßige Ausgestaltung der Obergrenze entzweit. Dass daran die Union zerbricht und damit auch die Hoffnungen auf ein moderneres Land, das in stürmischen Zeiten eine neue Politikkonstellation wagt - das dürfen Merkel und Seehofer nicht zulassen

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