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Neue OZ: Kommentar zu Kriminalität
Steuern

Osnabrück (ots) - Hoeneß und die feine Gesellschaft

Eine Lawine von Selbstanzeigen rollt durchs Land. Der Fall Hoeneß hat Zehntausende weitere Steuersünder aufgeschreckt, die Gewinne in der Schweiz und anderen Steueroasen gemacht haben, ohne diese bei Finanzämtern korrekt anzugeben.

Offensichtlich gab es jahrzehntelang eine regelrecht dunkle Finanzbranche, die Kunden beim Betrug geholfen und daran verdient hat. Anders lässt sich diese Dimension an Selbstanzeigen nicht erklären.

Viele dieser Steuersünder zählen zur "feinen Gesellschaft". Heute steht Bayern-Präsident Uli Hoeneß vor Gericht. Es ist der tiefe Fall eines Mannes, der sich Verdienste erworben hat - im Fußball, als Firmenboss, als Spender bei Benefizveranstaltungen. Hoeneß hatte sich in Talkshows als moralische und politische Instanz präsentiert. Er polarisierte, doch als Mitglied der deutschen Elite wurde er respektiert. Nun muss Hoeneß fürchten, wegen Steuerbetrugs im Gefängnis zu landen - womöglich Wand an Wand mit Mördern und Vergewaltigern.

Wie auch immer die Richter entscheiden: Schon jetzt ist Hoeneß schwer bestraft. Früher hieß es, die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen. Heute werden Prominente schon Monate vor einem Prozessbeginn an den öffentlichen Pranger gestellt - egal, ob schuldig oder nicht. Ist das noch verhältnismäßig? Hoeneß hat Mist gebaut. Keine Frage. Aber eine zweite Chance hat jeder verdient, der seine Fehler bereut.

Michael Clasen

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