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Neue OZ: Kommentar zu Türkei
Erdogan

Osnabrück (ots) - Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan spricht inzwischen mit einem deutlich schärferen Ton über die Europäer als früher. Der Premier, gestern von zehntausenden Türken und türkischstämmigen Deutschen in Düsseldorf umjubelt, tritt enorm selbstbewusst auf. Das liegt auch an der gewandelten Rolle: Die Türkei hat sich zur stärksten Wirtschaftsmacht in der Region hochgearbeitet. Zugleich genießt das Land bei den Menschen in Tunesien und Ägypten hohes Ansehen als Musterland einer Demokratie mit muslimischer Mehrheit. Der Premier verärgert mit seinen Vorwürfen zum Endlos-Thema EU-Beitritt Kanzlerin Angela Merkel, die er heute auf der Cebit trifft. Doch das nimmt Erdogan billigend in Kauf. Denn sein Besuch ist in erster Linie türkische Innenpolitik auf deutschem Boden: Damit wirbt der Ministerpräsident, der eine neue Amtszeit anstrebt, vor der Parlamentswahl am 12. Juni für sich und seine religiös-konservative Partei AKP. Erdogans Forderung nach Integration ohne Assimilation schließt an die Äußerungen an, die der Premier bei seinem berüchtigten Auftritt vor drei Jahren in Köln vorgebracht hat. Mit dem Anspruch, türkische Behörden an der Integration seiner Landsleute in Deutschland zu beteiligen, überzieht Erdogan den Bogen. Damit erweist er auch den türkischstämmigen Deutschen einen schlechten Dienst.

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