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Neue OZ: Kommentar zu Bundeswehr
Afghanistan
Guttenberg

Osnabrück (ots) - Zu viel des Guten

Minister Guttenberg ist tatkräftig und ungemein beliebt - und leistet sich bei der Öffentlichkeitsarbeit doch erstaunliche Fehltritte. In schlechter Erinnerung sind noch die gestellten Fotos seiner ersten US-Reise als Wirtschaftsminister: Wie auf Klassenfahrt reckte er den Daumen auf dem Times Square empor und ließ sich ablichten.

Jetzt nimmt er als Verteidigungsminister eine ganze Entourage nebst Promi-Frau und Showmaster Kerner zum vorweihnachtlichen Besuch im Kampfgebiet mit. Zugehörigkeit zur Truppe demonstriert er so nicht, eher eine ebenso unbändige wie enttäuschende Freude an der Selbstdarstellung.

Vielleicht geht sein Konzept sogar auf, und die Mehrheit in der Heimat ist beeindruckt. Dafür gibt es wenig Grund, erinnert der Besuch glamouröser Damen an der Front doch eher an Stippvisiten von Marlene Dietrich, Marilyn Monroe und anderen, die in zeitgeschichtlichen Seminaren als klassische Beispiele für Propaganda behandelt werden.

Die Signale, die von dieser Reise ausgehen, sind deshalb zwiespältig. Art und Teilnehmerliste zeugen nicht von Normalität und Solidarität, sondern von tief sitzender Sorge, dass der Afghanistan-Einsatz seine ohnehin dürftige Akzeptanz derzeit völlig verliert. Anders ist kaum zu erklären, dass Guttenberg und sein Stab die fragwürdige Wirkung dieser Weihnachtsfahrt in Kauf genommen haben in der Hoffnung, dass der Glitzer-Effekt den kritischen Eindruck überwiegt. Er tut es nicht.

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