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Neue OZ: Kommentar zu Verkehr /Bahn
Stuttgart
Demonstrationen

Osnabrück (ots) - Entfremdet

Das Verhältnis zwischen den Stuttgartern und ihren Politikern erinnert derzeit an das Frankreich des 18. Jahrhunderts: Damals hatte Königin Marie Antoinette während einer Hungersnot ihres Volkes mal voller Unverständnis gesagt: "Wenn sie kein Brot haben, warum essen sie dann keinen Kuchen?" Der Protest der Stuttgarter trägt fast die gleichen Züge der Entfremdung von Herrschenden und Volk. Zehntausende formieren sich seit Monaten gegen den Bau des unterirdischen Bahnhofs. Die meisten Politiker im Stuttgarter Rathaus und in der Staatskanzlei scheinen den Aufstand ihrer Wähler aber einfach zu ignorieren.

Aus dem Steuersäckel sollen Milliarden fließen, um eine Zeitersparnis von 26 Minuten auf dem Weg nach Ulm zu ermöglichen. Das versteht niemand - schon gar nicht ein sparsamer Schwabe. Selbst die Befürworter werden immer kleinlauter: Von den Entwicklungsmöglichkeiten angesichts Tausender neuer Wohnungen auf dem ehemaligen Bahngelände sprechen derzeit nicht mal mehr die Initiatoren. Die demokratische Legitimation hat dieses Projekt längst verloren. Stuttgart 21 wird zunehmend zum Synonym für Bürgerprotest - Gorleben lässt grüßen. Die Geschichte sollte die Mächtigen in Stuttgart mahnen: Marie Antoinette landete während der Revolution auf dem Schafott.

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