Lärm ist Lärm – ein bundesweites Schutzziel festlegen
Pressemitteilung
Berlin, 11. Juni 2026
Lärm ist Lärm – ein bundesweites Schutzziel festlegen
Verkehrs- und Freizeitgeräusche können jederzeit zur Belastung werden. Um vor übermäßigem Lärm zu schützen, gibt es verschiedene Regelungen mit unterschiedlichen Grenz- und Schwellenwerten – je nach Lärmquelle. Ein übergeordnetes Schutzziel, als Maßstab für Planung, Behörden und Betroffene, fehlt. In der neuen Folge des Podcasts „Wenden bitte!“ erklärt Christoph Brunn, Senior Researcher am Öko-Institut, wie nachhaltiger Lärmschutz aussehen kann und warum Lärm auch eine soziale Frage ist.
Zum Podcast „Wie viel Lärm ist zu viel?“ des Öko-Instituts
Verkehr ist größter Lärmfaktor
Lärm kann gesundheitliche Probleme verursachen, Stress auslösen und das Risiko für Depressionen steigern. „Lärm reduziert Lebensqualität und stört den Schlaf“, fasst Brunn im Podcast zusammen. „Und wir als Gesellschaft müssen immer wieder entscheiden, wie viel Lärm zumutbar ist und ab wann welche Regelungen greifen sollten.“ Dabei gilt es, den Schutz von Schlaf, Gesundheit und Lebensqualität mit den möglichen Einschränkungen für das alltägliche Leben abzuwägen. Denn: „Lärm verursachen fast alle menschlichen Aktivitäten, ob in der Freizeit oder im Beruf.“
Etwa 30 Prozent der Menschen in Deutschland sind stark von Verkehrslärm betroffen. Er zählt zu den häufigsten Lärmquellen in Deutschland, ist zudem alltäglich und kann oft nicht vermieden werden. „Von welcher Quelle der Lärm kommt und ob ich mich ihm wissentlich ausgesetzt habe, macht einen großen Unterschied beim Empfinden. Flugzeuge werden im direkten Vergleich häufig als störender wahrgenommen, obwohl beispielsweise Züge sogar häufiger zum Aufwachen führen können“, erklärt der Wissenschaftler. „Benachteiligte Gruppen wohnen dreimal häufiger an stark befahrenen Straßen, deswegen spielt auch die soziale Gerechtigkeit eine große Rolle.“
Viele Regeln, viele Werte
Wie die Bürgerinnen und Bürger vor Lärm geschützt werden sollen, legen Gesetze und Verordnungen fest. Dabei gibt es fast so viele verschiedene Regelungen wie Lärmquellen – die zum Teil auch noch mit unterschiedlichen Dezibel-Werten arbeiten. Für Betroffene ist das häufig kaum nachvollziehbar. Denn in der Lebensrealität gilt: „Lärm ist Lärm“. Deswegen fordert Brunn im Podcast einheitliche und übergeordnete Lärmschutzziele für Tag und Nacht. „Das sollte für die Nacht außerdem an der Wirkung festgemacht sein: Wie hoch ist die zusätzliche Aufwachwahrscheinlichkeit?“ Von diesen Zielen ausgehend können die unterschiedlichen Bereiche geregelt werden.
Aktiven Schallschutz in den Fokus rücken
Um Lärm zu reduzieren, kommen aktiver und passiver Schallschutz infrage. Aktiver Schallschutz verringert den Lärm an der Quelle und dämpft Geräusche beispielsweise durch Schallschutzwände oder leisen Asphalt. Für den passiven Schallschutz werden zum Beispiel schallschützende Fenster und Lüftungen verbaut. Die Regelungen unterscheiden sich auch hier: gerade im Bereich Fluglärm gibt es bislang keinen Vorrang oder gar eine Verpflichtung zu aktivem Schallschutz. „Das sollte sich dringend ändern. Denn es ist immer besser, Lärm proaktiv anzugehen als im Nachhinein baulichen Schallschutz zu gewähren – der darüber hinaus gerade im Sommer wenig hilft, wenn sich Personen draußen aufhalten wollen“, gibt Brunn zu bedenken.
Mehr Dialog für den Lärmschutz
Die Lärmentwicklung am Frankfurter Flughafen begleitet der Senior Researcher schon seit vielen Jahren wissenschaftlich im Forum Flughafen und Region. Dort sollen gemeinsam mit verschiedenen Akteuren und unter Beteiligung betroffener Kommunen Maßnahmen erarbeitet werden. Der Anspruch: Den Flughafen möglichst lärmarm aber ohne Einschränkung der genehmigten Flugbewegungen zu betreiben. So wurden etwa Flugrouten für Abflug und Landung angepasst. „Gerade im Bereich des Fluglärms haben Maßnahmen fast nie nur positive Effekte. Umso wichtiger ist es, allen Betroffenen zuzuhören und nach klaren Kriterien zu arbeiten. Unser Ziel ist es, die Route mit der geringsten Lärmbelastung zu finden.“
Wissen statt Alltagsberatung
Der Podcast „Wenden bitte!“ des Öko-Instituts richtet sich an alle mit politischem und ökologischem Interesse aus Politik, Wissenschaft, Medien, NGOs und Öffentlichkeit. Den Podcast moderieren Mandy Schoßig, Leiterin Öffentlichkeit & Kommunikation am Öko-Institut, und Nadine Kreutzer, Journalistin und Moderatorin. Rund eine Stunde lang sprechen sie mit einem Experten beziehungsweise einer Expertin aus dem Öko-Institut über anstehende Nachhaltigkeitstransformationen – genug Zeit für die „Langstrecke der Umweltpodcasts“. Die Spezial-Folgen greifen tagesaktuelle politische und gesellschaftliche Themen auf.
Podcast „Wenden bitte!“, Episoden der 6. Staffel
Episode 1 „Wie wird Klimaschutz gerecht?“mit Jonathan Schreiber, erschienen am 29.1.2026
Episode 3 „Regionen als Motor einer nachhaltigen Zukunft?“mit Ryan Kelly, erschienen am 7. Mai 2026
Episode 4 „Wie viel Lärm ist zu viel?“mit Christoph Brunn, erschienen am 11. Juni 2026
Alle Staffeln und Episoden des Podcasts auf www.oeko.de/podcast
Der Podcast ist erhältlich auf allen gängigen Podcast-Portalen – etwa bei Apple Podcasts sowie bei Spotify.
Ansprechpartner am Öko-Institut
Christoph Brunn
Stellvertretender Leiter im Institutsbereich
Umweltrecht & Governance
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Telefon: +49 6151 8191-128
E-Mail: c.brunn@oeko.de
Das Öko-Institut ist seit seiner Gründung vor mehr als 40 Jahren eine der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungseinrichtungen für eine nachhaltige Zukunft. Es erarbeitet Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.
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Öko-Institut Mandy Schoßig Öffentlichkeit & Kommunikation Borkumstraße 2 D-13189 Berlin Tel: +49 30 405085-334 m.schossig@oeko.de