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Alles mit Maß – europäischen Emissionshandel ausgewogen reformieren

Pressemitteilung

Berlin, 19. Mai 2026

Alles mit Maß – europäischen Emissionshandel ausgewogen reformieren

Im Juli wird die Europäische Kommission den Reformentwurf für den Europäischen Emissionshandel (EU-ETS 1) vorstellen. Ein Vorschlag der Kommission liegt schon auf dem Tisch: Die Löschung von Zertifikaten aus der Marktstabilitätsreserve (MSR) abzuschaffen. Außerdem wird diskutiert, die Zertifikate aus der Reserve für neue Markteilnehmer zur Finanzierung einer Industrial Decarbonisation Bank (IDB) zu auktionieren. Ein heute veröffentlichter Policy Brief des Öko-Instituts zeigt, dass diese beiden Änderungen ausreichen würden, um die Nachfrage im EU-ETS 1 bis 2040 zu befriedigen, ohne dass weitere Maßnahmen zur Vergrößerung des Angebots ergriffen werden müssen.

Reformvorschläge ganzheitlich betrachten

Die Untersuchung vergleicht dazu verschiedene Kombinationen von Reformoptionen in Bezug auf den Linearen Reduktionsfaktor (LRF), die MSR und Verwendung der Reserve für neue Markteilnehmer (eng. New Entrants Reserve, NER). Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die Gesamtmenge verfügbarer Zertifikate in vielen Szenarien nicht nur ausreicht, sondern sogar überhöht ist, wenn bestehende Überschüsse, MSR-Bestände und zusätzliche Auktionen berücksichtigt werden. Dies bedeutet, dass alle Änderungen nur gemeinsam betrachtet und entschieden werden können. Sonst besteht das Risiko eines erneuten Überschusses an Zertifikaten im EU-ETS 1 und das Risiko, das verbindliche EU-Klimaziel für das Jahr 2040 zu verfehlen.

Die Analyse zeigt auch, dass ein zu großzügiges Angebot nicht nur kurzfristig den CO₂-Preis schwächen kann, sondern auch langfristige Effekte hat: Große Überschüsse könnten über 2040 hinaus in die Handelsperiode bis 2050 übertragen werden und die Wirkung des EU-ETS 1 nachhaltig beeinträchtigen.

„Wir laufen Gefahr, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen: Die Kombination der möglichen Reformelemente würde zu einem strukturellen Überschuss an Zertifikaten bis 2040 führen und die europäischen Klimaziele gefährden“, so Jakob Graichen, Senior Researcher am Öko-Institut.

Den Emissionshandel bis 2040 abgestimmt reformieren

Ein ausgewogenes ETS-Reformszenario ermöglicht eine ausreichende Versorgung mit Emissionszertifikaten bis 2040, ohne neue Überschüsse zu erzeugen, so die Analyse. Entscheidend ist eine sorgfältige Kalibrierung zentraler Parameter: Ein LRF, der bis 2036 bei 4,4 Prozent bleibt und erst danach abgesenkt wird, stellt sicher, dass Minderungsziele erreicht werden. Zusätzliches Angebot gelangt so nicht zu früh in den Markt. Gleichzeitig werden Zertifikate besser verfügbar, wenn der MSR angepasst wird. Das wird erreicht, in dem die Gesamtzahl angeglichen wird. „Es ist eine schlechte Idee, zusätzliche Zertifikate aus der Neuanlagenreserve zu versteigern. Das destabilisiert den Markt und bestraft Anlagenbetreiber, die auf Basis der aktuellen Regeln geplant und investiert haben“, schlussfolgert Graichen.

Policy Brief „Getting the balance right” des Öko-Instituts

Diese Studie entstand in der Öko-Institut Consult GmbH.

Ansprechpartner am Öko-Institut

Jakob Graichen

Senior Researcher im Institutsbereich

Energie & Klimaschutz

Öko-Institut Consult GmbH

Telefon: +49 30 405085-366

E-Mail: j.graichen@oeko.de

Das Öko-Institut ist seit seiner Gründung vor mehr als 40 Jahren eine der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungseinrichtungen für eine nachhaltige Zukunft. Es erarbeitet Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.

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