Handlungsbedarf bei öffentlicher Mobilität in Europa
Pressemitteilung
Berlin, 19. Mai 2026
Handlungsbedarf bei öffentlicher Mobilität in Europa
Viele Menschen in Europa können öffentliche Verkehrsmittel nicht oder nur eingeschränkt nutzen. Das zeigt eine neue Studie des Öko-Instituts im Auftrag von Greenpeace Central and Eastern Europe. In rund 90 Prozent der untersuchten europäischen Länder nutzt mehr als die Hälfte der Bevölkerung den öffentlichen Verkehr nicht regelmäßig. In den untersuchten Ländern sind bis zu 19 Prozent der Bevölkerung faktisch auf ein eigenes Auto angewiesen, weil es keine praktikablen Alternativen gibt.
Innerhalb der untersuchten Länder geben bis zu 56 Prozent der Menschen an, Busse, Bahnen oder andere öffentliche Verkehrsmittel nicht zu nutzen, weil sie in ihrem Wohnumfeld nicht verfügbar sind. Besonders betroffen von Mobilitätsarmut sind unter anderem Menschen mit geringem Einkommen, ältere Menschen und Frauen.
„Mobilitätsarmut entsteht dort, wo Verkehrsmittel nicht verfügbar, nicht bezahlbar, nicht zugänglich oder im Alltag nicht ausreichend nutzbar sind“, sagt Nelly Unger, Projektleiterin am Öko-Institut. „Für eine sozial ausgewogene und klimafreundliche Verkehrspolitik ist es deshalb entscheidend, die Ursachen und betroffenen Gruppen genau zu betrachten.“
Ursachen von Mobilitätsarmut sind vielfältig
Mobilitätsarmut beschreibt eine Situation, in der Einzelpersonen oder Haushalte nicht das Maß an Mobilität erreichen können, das für gesellschaftliche Teilhabe notwendig ist. Dazu gehört der Zugang zu Arbeitsplätzen, Bildung, Gesundheitsversorgung, Einkaufsmöglichkeiten, sozialen Kontakten und weiteren grundlegenden Dienstleistungen.
Die Studie untersucht Mobilitätsarmut anhand von elf Indikatoren für bis zu 33 europäische Länder, darunter alle EU-Mitgliedstaaten. Im Mittelpunkt stehen vier Dimensionen: die Verfügbarkeit von Verkehrsangeboten, die Zugänglichkeit wichtiger Dienstleistungen, die Bezahlbarkeit von Mobilität sowie die Angemessenheit und Nutzbarkeit von Mobilitätsoptionen.
Neben fehlender Verfügbarkeit spielen auch Kosten eine Rolle. In einzelnen europäischen Ländern nutzen bis zu sechs Prozent der Bevölkerung öffentliche Verkehrsmittel nicht, weil sie zu teuer sind. Bis zu 15 Prozent nutzen sie zwar, empfinden die Kosten jedoch als starke finanzielle Belastung.
Öffentlichen Verkehr attraktiver und zugänglicher machen
Die Studie leitet mehrere Ansatzpunkte ab, um Mobilitätsarmut zu verringern. Dazu gehören bessere regionale Anbindungen, dichtere Taktung, bedarfsgerechte Fahrpläne, barrierefreie Infrastruktur sowie mehr Sicherheit an Haltestellen und in Fahrzeugen, etwa durch Beleuchtung, Notrufsysteme oder klare Meldewege bei Vorfällen.
Auch gezielte finanzielle Entlastungen können dazu beitragen, Mobilität zugänglicher zu machen. Die Studie nennt unter anderem Sozialtickets, bezahlbare Abo-Optionen oder kostenfreie Angebote als mögliche Instrumente, insbesondere für vulnerable Gruppen.
„Europa braucht Verkehrssysteme, die soziale Teilhabe ermöglichen und zugleich klimafreundlich sind“, betont Dr. Viktoria Noka, Expertin für die soziale Energie- und Mobilitätswende am Öko-Institut. „Dafür muss der öffentliche Verkehr attraktiver werden – etwa durch bezahlbare Tarife, bessere regionale Planung, mehr Sicherheit und Barrierefreiheit.“
Studie „Access Denied: Transport Poverty in Europe“
Diese Studie entstand im Öko-Institut e. V.
Ansprechpartnerinnen am Öko-Institut
Nelly Unger
Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institutsbereich
Ressourcen & Mobilität
Öko-Institut e. V., Büro Berlin
Telefon: +49 30 405085-301
E-Mail: n.unger@oeko.de
Dr. Viktoria Noka
Senior Researcher im Institutsbereich
Energie & Klimaschutz
Öko-Institut e. V., Büro Berlin
Telefon: +49 30 405085-322
E-Mail: v.noka@oeko.de
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