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WAZ: Haarsträubende Verhältnisse. Kommentar von Michael Kohlstadt zu Werkverträgen

Essen (ots) - Die deutsche Wirtschaft boomt. Die Zahl der Erwerbstätigen liegt auf einem Allzeithoch. Im Gegenzug befindet sich die Arbeitslosenquote im stabilen Sinkflug. Und in vielen Branchen ist der oft zitierte Fachkräftemangel längst Realität. Vor dieser Kulisse klingen die Berichte aus der Schattenwelt der Werkvertragsbeschäftigten, wie sie dieser Zeitung vorliegen, als wären sie aus der Zeit gefallen. Wie kann es sein, dass im aktuellen deutschen Konjunkturwunder derart haarsträubende Beschäftigungsverhältnisse herrschen? Warum erhält jemand, der glühend heißen Stahl auf Lastwagen herumkutschiert, nicht eine dicke Sonderzulage, und sei es nur, weil man sonst niemanden hinter das Lenkrad locken könnte für einen Knochenjob wie diesen? Doch so einfach liegen die Dinge nicht. Ein guter Teil des deutschen Jobwunders basiert ja gerade auf der Flexibilisierung der Arbeitswelt. Stammbelegschaft, Leiharbeiter und Werkvertragsbeschäftigte arbeiten Seite an Seite auf demselben Werksgelände, derselben Büroetage. Dabei geht es oft nicht gerecht zu - was nicht immer gleich ein Skandal ist, weil das System auch Chancen für die Arbeitnehmer bietet. Zur Wahrheit gehört auch, dass die Auslagerung von Jobs je nach Branche unterschiedlich ausfällt. In der Eisen- und Stahlindustrie liegt der Anteil der Stammbeschäftigten bei hohen 90 Prozent. Das freilich nützt denjenigen wenig, für die sich die Gewerkschaften jetzt stark machen, weil es sonst niemand tut.

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