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WAZ: Der Selbstbetrug - Kommentar von Rolf Potthoff

Essen (ots) - So nett lobend wie Leutheusser-Schnarrenberger hat noch selten jemand seinem Parteichef den Rücktritt nahegelegt. Bloß, dass sie den "exzellenten" Lindner als Heilsgestalt ansieht, klingt dann nicht mehr nett, sondern als Zeichen: Westerwelle, jetzt geh! Doch hängt der FDP-Absturz wirklich so eng mit Chef Westerwelle zusammen? Die größte Selbstbetrug war der Glaube, der fast 15-prozentige Erfolg bei der Bundestagswahl sei durch (FDP-) liberale Überzeugung der Wähler zustande gekommen. Was wirklich ins Gewicht fiel, waren das Steuerversprechen, die damalige Strahlkraft eines aufbruchsstark wirkenden Westerwelle und eine verbreitete Volkspartei-Verdrossenheit. Wenn die FDP nun dem parlamentarischen Exitus zustrebt, ist es nicht neu in ihrer Geschichte, doch diesmal ernst. Sie hat in der Regierung enttäuscht; auch finden ihr bisher zugeneigte bürgerliche Kreise jetzt die Grünen frischer, frecher, attraktiver. Lindner allein wird es nicht richten. Die FDP muss Wähler davon überzeugen: Dieser Staat braucht als Korrektiv eine profilscharfe, bürgerrechts-orientierte liberale Partei.

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