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WAZ: Entbehrlicher Einwurf - Kommentar von Frank Stenglein

    Essen (ots) - Pauschale Banker-Schelte gibt's im Dutzend billiger. Da mach ich's doch mal anders, mag sich der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin gedacht haben - und knöpfte sich ebenso pauschal Missstände vor, die er über viele Jahre im hauptstädtischen Unterschicht-Milieu beobachtet hat. Wie so oft ging der Mann dabei hart zur Sache, was sozial zart besaitete Zeitgenossen verstören muss.

      Zugegeben, aus der Luft gegriffen ist es nicht, wenn Sarrazin auf
Erziehungsdefizite und Kinderverwahrlosung in bestimmten Schichten
hinweist. Dort kommen sie nun einmal vermehrt vor, und es wäre zu
einfach, alles mit dem Mangel an Geld zu entschuldigen. Wer wollte
zudem bestreiten, dass es Leute gibt, die sich im Sozialstaat recht
kreativ bewegen. Allerdings kann es eben nicht Aufgabe eines
hochbezahlten Bundesbank-Direktors sein, derart brachial
sozialpolitische Reizthemen aufzugreifen. Man sollte wirklich meinen,
dass Sarrazin in der Finanzkrise dafür die Zeit fehlt.

      Fazit: Nichts gegen Leute, die sagen, was Sache ist, doch alles
zu seiner Zeit. Grobe Verallgemeinerungen eines Spitzenbankers sind
derzeit ganz klar entbehrlich.

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