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Versteckte optische Fehler ans Licht bringen: Studie in „Nature Communications“

Versteckte optische Fehler ans Licht bringen

Von der TU Darmstadt geleitete Studie in „Nature Communications“ veröffentlicht

Winzige Fertigungsabweichungen in optischen Bauteilen bleiben normalerweise unbemerkt. Doch sie können Licht überraschend deutlich verändern. Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der TU Darmstadt konnte zeigen, dass solche Abweichungen nicht nur die Polarisation, also die Schwingungsrichtung des Lichts, beeinflussen können, sondern auch die Form eines Lichtstrahls. Die nun in „Nature Communications“ veröffentlichten Ergebnisse könnten empfindliche optische Messungen künftig noch präziser machen.

Lichtwellen schwingen in einer bestimmten Richtung – diese Eigenschaft wird als Polarisation bezeichnet. Mit optischen Bauteilen lässt sich diese Schwingungsrichtung gezielt verändern oder bestimmtes Licht herausfiltern. Eine wichtige Rolle spielen dabei sogenannte Polarisatoren. Sie können Licht mit einer bestimmten Polarisation nahezu vollständig blockieren. Werden zwei solcher Filter im rechten Winkel zueinander angeordnet, gelangt im Idealfall kein Licht mehr hindurch.

Forschende nutzen dieses Prinzip in Präzisionsexperimenten, um starkes, störendes Laserlicht herauszufiltern, und dadurch sehr viel schwächere Lichtsignale sichtbar zu machen. Dazu zählt etwa das Leuchten eines einzelnen Quantenemitters, also einer winzigen Lichtquelle, die einzelne Lichtteilchen aussenden kann. Ein deutlich stärkerer Laserstrahl kann dieses schwache Leuchten überdecken.

Eine Viertelwellenplatte kann die Polarisation des Lichts zusätzlich verändern. Solche Bauteile aus Quarz oder Kunststoff werden häufig in optischen Experimenten eingesetzt. Theoretisch sollte eine gleichmäßige Viertelwellenplatte dabei die Polarisation des Lichts verändern, nicht aber die räumliche Form des Lichtstrahls. Genau hier setzt die Studie des Forschungsteams an.

Unerwartetes Muster im Laserlicht

Für die aktuelle Studie platzierten die Forschenden zusätzlich eine Viertelwellenplatte zwischen den beiden Polarisatoren. Dadurch ließ sich das unerwünschte Laserlicht deutlich unterdrücken. Gleichzeitig zeigte sich ein unerwarteter Effekt: Das wenige Licht, das die Anordnung noch passierte, bildete keinen runden Fleck mehr, sondern ein zweilappiges, hantelförmiges Muster mit einer dunklen Lücke in der Mitte. Drehte das Team die Wellenplatte, drehte sich auch das Muster.

Da sich das veränderte Licht kaum mit dem Detektor überlappte, der es erfassen sollte, wurde nur sehr wenig davon registriert. Genau das machte die Filterung so viel effektiver: Die Unterdrückung des unerwünschten Laserlichts verbesserte sich von etwa dem Hunderttausendfachen mit den beiden Polarisatoren auf etwa das Zehnmillionenfache mit einer Quarz-Wellenplatte. Mit einer Wellenplatte aus Kunststoff erreichte das Team eine Unterdrückung um mehr als das Milliardenfache.

Das Ergebnis widersprach den theoretischen Erwartungen. Eine vollkommen gleichmäßige Viertelwellenplatte, die gerade im Laserstrahl steht, sollte ein solches Muster nicht erzeugen. Die Forschenden vermuteten deshalb, dass kleinste Abweichungen innerhalb realer Bauteile für den Effekt verantwortlich sind. Um diese Annahme zu überprüfen, veränderten sie systematisch den Durchmesser des Laserstrahls. Ein bereits bekannter optischer Effekt hätte mit zunehmender Laserstrahlbreite schwächer werden müssen. Wären dagegen Fertigungsabweichungen auf Oberfläche der Wellenplatte die Ursache, müsste der Effekt mit zunehmender Laserstrahlbreite stärker werden.

Die Messungen bestätigten Letzteres. Mit zunehmendem Laserstrahldurchmesser trat das charakteristische Muster deutlicher hervor. Die Forschenden führen den Effekt daher auf mikroskopische Fertigungsabweichungen zurück, die beim üblichen Einsatz der Bauteile kaum ins Gewicht fallen. Weitere Untersuchungen mit Wellenplatten aus unterschiedlichen Materialien und bei verschiedenen Wellenlängen sowie Computersimulationen stützten das Ergebnis.

Die Studie zeigt damit, dass Polarisation und räumliche Form eines Lichtstrahls unter realen Bedingungen miteinander gekoppelt sein können. Nicht nur die Ausbreitungsrichtung des Lichts spielt dabei eine Rolle, sondern auch die genaue Stelle, an der das Licht ein Bauteil durchläuft. Effekte, die unter gewöhnlichen Bedingungen kaum messbar sind, treten hervor, wenn das Licht der Hauptpolarisation durch gekreuzte Polarisationsoptik stark unterdrückt wird.

Präzisere Messungen mit schwachem Licht

Die Ergebnisse verbinden Grundlagenphysik mit möglichen praktischen Anwendungen. Der beobachtete Effekt könnte künftig helfen, Laserlicht in Experimenten noch stärker zu unterdrücken, in denen sehr schwache Lichtsignale nachgewiesen werden sollen – etwa bei Untersuchungen einzelner Quantenemitter oder bei speziellen Mikroskopieverfahren. Zudem könnte der Ansatz dazu dienen, sehr kleine Fertigungsfehler in präzisen optischen Komponenten zu erkennen und zu charakterisieren.

An der Studie unter der Leitung des Instituts für Physik kondensierter Materie der TU Darmstadt waren das Laboratoire Photonique, Numérique et Nanosciences (LP2N) der Université de Bordeaux – Institut d’Optique Graduate School – CNRS (Frankreich), eyeo BV (Niederlande) und die attocube systems GmbH beteiligt. Die optischen Messungen wurden von Dr. Wenze Lan, Postdoktorand in der Forschungsgruppe „Hybride Quantenysteme“ von Professor Bernhard Urbaszek, gemeinsam mit dem Doktoranden Anton Lögl und dem Bachelor-Studenten Duy Anh Tran konzipiert und geleitet. Das theoretische Modell wurde entwickelt von Dr. Wenze Lan, Anton Lögl und Dr. Peng Fu, einer ERC-Postdoktorandin in der Forschungsgruppe „Light in Complex Nanostructures“ am LP2N.

Die Veröffentlichung

Wenze Lan, Anton Lögl, Peng Fu, Duy Anh Tran, Meryem Benelajla, Clemens Schäfermeier, Khaled Karrai, Bernhard Urbaszek: “Real-space spin–orbit interaction from quarter-wave plate nonuniformity" in: Nature Communications 17, Article number: 9653 (2026)

DOI: https://doi.org/10.1038/s41467-026-77581-2

Wissenschaftlicher Ansprechpartner

Professor Bernhard Urbaszek

bernhard.urbaszek@pkm.tu-darmstadt.de

+49615116-21210

MI-Nr. 41/2026, IPKM/cst

Technische Universität Darmstadt

Science Communication Centre

Abteilung Kommunikation

Residenzschloss 1 (S3|12)

64283 Darmstadt

presse@tu-darmstadt.de

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