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BERLINER MORGENPOST: Warum Eltern nicht verzweifeln müssen Beatrix Fricke über das schlechte Abschneiden Berlins im Bundescheck der Bildungssysteme

Berlin (ots) - Berliner Eltern, so scheint es, haben allen Grund zur Sorge. Die neueste Schlagzeile reiht sich nahtlos ein in die vielen schlechten Nachrichten aus den Kitas, Schulen und Universitäten der Hauptstadt. Berlin belegt im Bildungsvergleich der Bundesländer den letzten Rang, vermeldet die "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" als Ergebnis ihres Bildungsmonitors 2010. Wehe dem, der sein Kind dem Berliner Bildungssystem anvertrauen muss, ist man geneigt zu sagen. Von der Kita mit dem miserablen Betreuungsschlüssel wird es weitergereicht in die Schule, in der ständig Stunden ausfallen und gleichgültige Lehrer das Szepter schwingen - bis es schlussendlich in einem überfüllten Hörsaal landet, wo der Professor längst den Überblick über seine zahlreichen Studenten verloren hat. Falls es überhaupt so weit kommt. Denn wahrscheinlich werden die eklatanten Lücken im Allgemeinwissen und die mangelnden sprachlichen Fähigkeiten eine akademische Karriere verhindern. Vermutlich, so steht zu befürchten, wird das schlecht geförderte Kind noch nicht einmal einen ordentlichen Ausbildungsplatz ergattern können. Das ist natürlich übertrieben. Doch tatsächlich beschleicht viele Eltern bei jeder neuen negativen Nachricht das mulmige Gefühl, dass für ihr Kind nicht genug getan wird. Das kann zu Entmutigung führen - dass jegliches Engagement nutzlos ist. Oder zum Gegenteil, zu übertriebenem Ehrgeiz. Das sind dann die Eltern, die meinen, sich selbst überdurchschnittlich einbringen zu müssen, um Mängel im Bildungswesen auszugleichen. Die ihr Kind ständig kontrollieren und zu Leistung antreiben, "damit es eine Chance hat". Schade nur, dass darüber nicht selten andere Lebensbereiche vernachlässigt werden. Denn im Leben geht es eben nicht nur um schulische und berufliche Bildung, sondern auch um Herzensbildung, um emotionale und soziale Kompetenzen. Dabei könnte oft schon ein genaueres Hinsehen helfen, die Relationen zu wahren. Das gilt auch für die aktuelle Untersuchung. Der Bildungsmonitor bewertet, so heißt es ausdrücklich, welchen Beitrag das Bildungssystem eines Bundeslandes zu mehr Wirtschaftswachstum leistet. Damit ist der Fokus der Studie sehr spezifisch. Zweitens geht es bei dem Ranking nicht in erster Linie um die Platzierung, sondern um die Dokumentation der Entwicklung in den einzelnen Bundesländern, betonen die Macher. Und in Berlin ist die Tendenz positiv, wenn auch das Ergebnis in der Gesamtheit miserabel klingt. Denn das hiesige Bildungssystem weist neben seinen Schwächen eben durchaus auch Stärken auf, etwa bei der Forschungsorientierung. Stärken zu betonen, macht Mut - und gibt Kraft, bislang vernachlässigte Handlungsfelder in Angriff zu nehmen. Wer sein Kind auf dem Weg durch die Bildungsinstitutionen mit Vertrauen und Optimismus begleitet, dürfte viel Positives erfahren - allen Studien zum Trotz.

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