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Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien: Chancen und Risiken

Köln (ots)

  • Zölle für mehr als 95 Prozent der Produktgruppen sollen abgeschafft oder erheblich gesenkt werden
  • Chancen für EU-Exporteure von Maschinen, Elektronik, Pharma, Flugzeugen
  • Europäische Unternehmen müssen Kreditrisiken sorgfältig managen

Der Welthandel folgt mehr denn je politischen statt wirtschaftlichen Interessen. Strafzölle seitens der USA und die Abhängigkeit von China belasten Europas Handelsbeziehungen. Umso wichtiger ist das Freihandelsabkommen mit Indien. Insbesondere in Deutschland weckt die Partnerschaft mit Indien Hoffnungen. "Die wirtschaftlichen Auswirkungen werden vorerst übersichtlich sein, aber langfristig dürfte das Abkommen die Exporte in gegenseitigen Schlüsselsektoren sowie die Geschäftsbeziehungen selbst intensivieren", sagt Frank Liebold, Country Director Deutschland des internationalen Kreditversicherer Atradius.

Ende Januar unterzeichneten die Europäische Union und Indien in Neu-Delhi ein historisches Freihandelsabkommen (FHA). Der Pakt schafft eine Freihandelszone für rund zwei Milliarden Menschen und leitet eine weitreichende Liberalisierung des Handels mit Waren, Dienstleistungen und Investitionen ein. Das FHA wird Zölle für mehr als 95 Prozent der Produktgruppen abschaffen oder erheblich senken. Ausgeklammert wurde der Landwirtschaftssektor. Die formelle Unterzeichnung wird innerhalb der nächsten sechs Monate erwartet, das Inkrafttreten dann etwa ein Jahr später.

"Wie wichtig sichere und verlässliche Handelsbeziehungen sind, haben die EU und Deutschland nicht zuletzt durch die US-Zollpolitik erfahren", so Liebold. Gerade für Deutschland mit einer starken, exportorientierten Wirtschaft kann eine Diversifizierung strategischer Handelspartnerschaften, wie sie jetzt von der EU vorangetrieben wird, von großem Vorteil sein. "Die USA und China bleiben für Deutschland weiterhin sehr wichtige Handelspartner, neue weltweite Abkommen sind allerdings ein Schritt in Richtung einer unabhängigeren Positionierung auf den weltweiten Märkten", ist Liebold überzeugt.

Sobald das FHA vollständig in Kraft tritt, wird es die Zölle für 99,3 Prozent der EU-Exporte nach Indien und 96,6 Prozent der indischen Exporte in die EU abschaffen oder senken. Die EU wird die Zölle auf 90 Prozent der indischen Waren - einschließlich Textilien und Leder - sofort streichen. Indien wird ab dem ersten Tag Zölle auf 30 Prozent der europäischen Waren eliminieren. Der Zollabbau für sensible Produkte - von verarbeiteten Lebensmitteln bis hin zu Oberklassewagen - wird über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren gestaffelt. Quoten bleiben in Schlüsselsektoren bestehen, und beide Seiten schützen ihre sensiblen Industrien.

Mehr Chancen für EU-Exporteure in wichtigen Branchen

Für Europa liegt der größte Vorteil in der drastischen Senkung der indischen Zölle auf Industriegüter. Hersteller von Maschinen, Elektronik, Pharmazeutika und Flugzeugen gehören zu den größten Profiteuren, da Indien Zölle in Höhe von elf bis 44 Prozent für einen Großteil der Produktlinien senkt. Hersteller von EU-Maschinen und Elektrogeräten werden davon profitieren, dass Zölle von max. 44 Prozent aufgehoben werden.

Im Automobilsektor wird Indiens hoher Zollsatz von 110 Prozent auf importierte Autos auf zehn Prozent sinken - zumindest für 250.000 Fahrzeuge mit einem Preis von über 15.000 Euro, während alle darüberhinausgehenden Importe weiterhin den bestehenden Zollbeschränkungen unterliegen. Positiv ist, dass Indien die Zölle auf Automobilkomponenten innerhalb von fünf bis zehn Jahren schrittweise abschaffen wird. Dies könnte die Lieferketten neu ordnen und die lokale Montage für europäische Produzenten attraktiver machen. Europäische Premiummarken für Lebensmittel und Getränke, die lange Zeit durch prohibitive Zölle vom Markt ausgeschlossen waren, sollten nennenswerten Zugang zur wachsenden indischen Mittelschicht erhalten. Europäische Einzelhändler profitieren von günstigeren Importen indischer Grundnahrungsmittel wie Tee, Gewürzen und verarbeiteten Lebensmitteln.

Die Bedeutung eines strategischen Debitorenmanagements

Das Abkommen zwischen der EU und Indien birgt großes Potenzial. Aber - wo Licht ist, ist auch Schatten -, so zeigt das aktuelle Atradius-Zahlungsmoralbarometer für Indien, dass fast zwei Drittel aller B2B-Verkäufe auf Kredit von Zahlungsverzug betroffen sind und Forderungsausfälle durchschnittlich sieben Prozent des gesamten fakturierten B2B-Umsatzes ausmachen. "Dies signalisiert erhebliche Herausforderungen für den Cashflow und das Kreditrisiko im Markt. Zudem erwarten 72 Prozent der indischen Unternehmen, dass die Unternehmensinsolvenzen in den kommenden Monaten zunehmen werden. Dies unterstreicht die Wichtigkeit eines strategischen Debitorenmanagements, um die neuen Handelschancen sicher zu nutzen", sagt Frank Liebold und ergänzt: "Da der grenzüberschreitende Handel und die Lieferantenintegration unter dem Abkommen zunehmen, müssen europäische Exporteure ihre Risiken sorgfältig managen, um Wachstumschancen zu nutzen, ohne den Cashflow und die finanzielle Stabilität zu gefährden".

Pressekontakt:

Atradius Kreditversicherung
Niederlassung der Atradius Crédito y Caución S.A. de Seguros y
Reaseguros

Astrid Goldberg
Pressesprecherin
Telefon: +49 (0) 221 2044 - 2210
E-Mail: astrid.goldberg@atradius.com

Stefanie Heilken
Pressereferentin
Telefon: +49 (0) 221 2044 -1034
E-Mail: stefanie.heilken@atradius.com

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