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Lausitzer Rundschau: 70 Jahre nach ihrer Gründung - wie modern ist die CDU?

Cottbus (ots) - Zweifelsfrei ist die CDU darum bemüht, jung und frisch zu wirken. Deswegen hat die Vorsitzende Angela Merkel nach der Bundestagswahl 2013 den jetzt 40-jährigen Peter Tauber zum Generalsekretär gemacht. Seitdem wird getwittert, gefacebooked, die Union ist bei youtube und google+ unterwegs. Der Staub von 70 Jahren - mithilfe der sozialen Medien soll er beiseite gefegt werden. Doch das allein reicht nicht. In sieben Jahrzehnten ist die Partei nicht nur, aber auch eine Dame ohne Unterleib geworden. Wenn die CDU am Montag mit einem großen Festakt ihr Gründungsjubiläum feiert, dann kann sie auf eine beeindruckende Erfolgsgeschichte zurückblicken. Sie stellte fünf der acht Kanzler, darunter den der Deutschen Einheit. Sie stellt die bislang einzige Frau in diesem Amt. Die Union bestimmte die zentralen Weichenstellungen für die Republik - Soziale Marktwirtschaft, Westanbindung, europäische Integration. Jede Entscheidung war zu ihrer Zeit heftig umstritten. In 70 Jahren hat aber nur die CDU ihren Status als Volkspartei tatsächlich behaupten können. Mit Angela Merkel an der Spitze hat sich gleichwohl viel verändert. Seit 15 Jahren ist sie Vorsitzende, und niemand vor ihr hat die Union so umgekrempelt wie sie. Gewiss, die derzeitige Stärke der CDU im Bund ist auch der Schwäche der anderen zu verdanken. Aber Merkel hat die Unterschiede zur politischen Konkurrenz so weit nivelliert, wie es sich die Gründungsväter und -mütter wohl nie hätten vorstellen können. Die Union bietet kaum noch Angriffsfläche. In der Familienpolitik ist die Partei inzwischen biegsam wie Schilf im Wind. Mit der Energiewende hat Merkel den Grünen den Wind aus den Segeln genommen. Sie hat die Wehrpflicht abgeschafft und die sozialdemokratische Agenda 2010 fortgeführt. Um nur einige Beispiele zu nennen. Gerade deswegen steht die Partei 70 Jahre nach ihrer Gründung auf tönernen Füßen. Sie wird vor allem getragen vom Ansehen ihrer Vorsitzenden. Wer indes in die Länder schaut, der muss sich Sorgen machen um die CDU - personell ist die Decke dünn, kaum einer hat es bisher geschafft, nur etwas aus dem Schatten der Parteichefin herauszutreten. Auch trägt Merkel die Verantwortung dafür, dass die Union so oft und so heftig wie nie in ihrer Geschichte um die eigene Identität ringt. Viele Mitglieder sind auf Sinnsuche. Sie fragen sich, was davon geblieben ist, dass die stolze CDU politisch einst ausgemacht hat. Außer vielleicht, den Kanzler zu stellen. Fragen, auf die Merkel keine Antworten gibt. Der Streit um die Homo-Ehe belegt dies wie kein anderer. Da geht es um mehr als nur um ein tagespolitisches Thema. Die Homo-Ehe berührt den Kern der Partei, die innere Leitplanke der CDU, die Merkel an vielen Stellen schon abgebaut hat. Der Streit ist exemplarisch, weil er mit der Frage verbunden ist, wie viel Modernität die Union verträgt, was für sie überhaupt modern sein sollte. 70 Jahre nach der Gründung zeigt sich, die Dame ohne Unterleib braucht mit Blick darauf dringend mehr Diskurs, mehr Abgrenzung - und weniger politisches Einerlei. Das wäre ihr zum Geburtstag zu wünschen.

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