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Lausitzer Rundschau: Klaffende Lücke Der Schutz von Kleinanlegern

Cottbus (ots) - Gutgläubigkeit oder Gier lassen sich nicht per Gesetz verbieten. So schlimm die Insolvenz von Prokon für jeden einzelnen Anleger auch werden kann, wahr bleibt, zu viele Menschen haben den offenbar vollmundigen Versprechungen des Unternehmens blind vertraut. Von der Politik gab es übrigens kaum Warnungen vor den Renditeschwüren des Windparkbetreibers. Das wird zweifellos am Energiewende-Eifer der politischen Klasse gelegen haben. Jetzt will die Regierung plötzlich prüfen, ob riskante Kapitalgeschäfte verboten werden können. Man darf gespannt sein, wie sie ein solches Verbot konkret ausgestalten will. Vor allem, nach welchen Maßstäben dann "riskant" definiert wird. Der Kauf von Genussrechten ist laut Experten für Kleinanleger jedenfalls nicht per se gefährlich. Fakt ist darüber hinaus: Der Anlegerschutz ist in den vergangenen Jahren sowohl auf europäischer als auch auf deutscher Ebene mehrfach erheblich verbessert worden. Wenn Justizminister Heiko Maas jetzt für mehr Transparenz sorgen will, dann sollte er bedenken: Die wesentlichen Informationen über Risiken, Kosten, über Gewinnerwartung, Funktionen und Eignung von Finanzprodukten müssen Anbieter schon jetzt kurz und verständlich zusammenfassen - und nicht auf 100 Seiten mit Kleingedrucktem. Außerdem gilt, Informationen über komplizierte Produkte allein werden nicht dafür sorgen, dass sich ein Verbraucher dann auch richtig festlegt. Am Ende entscheidet immer noch der Markt, ob Zins- und Renditeversprechen eintreten. Gerade bei Finanzprodukten klafft jedoch oft eine große Lücke zwischen Informieren und Verstehen. Das ist keine Schande, aber das eigentliche Problem. Wie Maas damit umgehen will, lässt er offen.

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