Alle Storys
Folgen
Keine Story von Gewerkschaft der Polizei mehr verpassen.

Gewerkschaft der Polizei

Menschenhandel wirksam bekämpfen: GdP fordert mehr Personal, bessere Ermittlungsinstrumente und stärkeren Opferschutz

Menschenhandel wirksam bekämpfen

GdP fordert mehr Personal, bessere Ermittlungsinstrumente und stärkeren Opferschutz

Berlin. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) begrüßt den Gesetzentwurf des Bundesministeriums der Justiz zur Stärkung der Bekämpfung von Menschenhandel und sexueller Ausbeutung, mahnt jedoch zugleich deutliche Verbesserungen bei Personal, Ausstattung und praktischer Umsetzung an.

GdP-Bundesvorsitzender Jochen Kopelke erklärt: „Menschenhandel und Ausbeutung sind schwerste Verbrechen und stellen unsere Sicherheitsbehörden vor enorme Herausforderungen. Es ist richtig und überfällig, dass der Gesetzgeber die rechtlichen Grundlagen jetzt schärft.“ Nach Einschätzung der GdP zeigt die aktuelle Lageentwicklung die Dramatik des Problems: 2024 wurde mit 576 Ermittlungsverfahren ein neuer Höchststand erreicht, gleichzeitig verlagern sich Taten zunehmend in schwer kontrollierbare digitale und private Räume.

Deutlicher Anstieg – Täter agieren im Verborgenen

Kopelke macht deutlich: „Die Ausbeutung verlagert sich zunehmend in Wohnungen und digitale Räume. Täter nutzen soziale Netzwerke, Messenger und gezielte Täuschung, um Menschen in Abhängigkeit und Zwang zu bringen.“ Besonders besorgniserregend sei der hohe Anteil junger Opfer und Minderjähriger sowie die weiterhin große Bedeutung organisierter Kriminalität hinter den Taten.

Gesetzentwurf ein wichtiger Schritt – aber nicht ausreichend

Die GdP unterstützt ausdrücklich die geplanten gesetzlichen Neuregelungen, etwa die bessere Strukturierung der Straftatbestände, die stärkere Berücksichtigung neuer Ausbeutungsformen und die Ausweitung strafbarer Handlungen. Kopelke betont: „Der Gesetzentwurf verbessert die Möglichkeiten der Strafverfolgung und stärkt den Schutz der Opfer. Das ist ein wichtiger und richtiger Schritt.“ Gleichzeitig warnt die GdP vor einer Überforderung der Behörden: „Neue Gesetze allein reichen nicht. Polizei, Justiz und Zoll stehen schon heute unter enormem Druck. Ohne deutlich mehr qualifiziertes Personal und moderne Ausstattung wird dieses Gesetz seine Wirkung nicht entfalten.“

Mehr Ermittlungsbefugnisse und klare Regeln notwendig

Positiv bewertet die GdP insbesondere die geplante Ausweitung verdeckter Ermittlungsmaßnahmen, da viele Taten im Verborgenen stattfinden. „Ohne Telekommunikationsüberwachung und verdeckte Ermittlungen bleiben viele dieser Verbrechen im Dunkeln. Die Erweiterung der Befugnisse ist daher zwingend notwendig.“ Kritisch sieht die GdP jedoch die praktische Umsetzbarkeit einzelner Straftatbestände, etwa bei der sogenannten Freierstrafbarkeit: „In der Praxis ist es extrem schwierig nachzuweisen, dass ein Täter wusste oder hätte erkennen müssen, dass es sich um ein Opfer handelt. Hier drohen erhebliche Vollzugsprobleme.“

Opfer stärken – Täter konsequent verfolgen

Ein zentraler Punkt bleibt der Schutz der Betroffenen. Die GdP fordert deshalb unter anderem eine konsequente Anwendung des sogenannten Non-Punishment-Prinzips, damit Opfer ohne Angst vor eigener Strafverfolgung aussagen können. Kopelke: „Wer Opfer von Menschenhandel ist, darf nicht zusätzlich kriminalisiert werden. Nur wenn Betroffene sicher sind, dass sie geschützt werden, helfen sie bei der Aufklärung.“

Ganzheitlicher Ansatz gefordert

Neben gesetzlichen Anpassungen fordert die GdP einen umfassenden politischen Ansatz:

  • mehr spezialisierte Ermittlungsstellen
  • stärkere Zusammenarbeit von Polizei, Zoll und Justiz
  • konsequente Einbindung digitaler Plattformen
  • Ausbau von Opferschutz und Beratung
  • intensivere internationale Zusammenarbeit mit Europol

Kopelke abschließend: „Menschenhandel ist moderne Sklaverei. Wer ihn wirksam bekämpfen will, braucht starke Gesetze, ausreichend Personal und einen langen Atem. Nur so schützen wir die Schwächsten in unserer Gesellschaft.“

- - - - -
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) ist die größte Interessenvertretung der Polizeibeschäftigten Deutschlands. Sie engagiert sich für ihre bundesweit über 210.000 Mitglieder, für die Zukunftsfähigkeit der Polizei sowie auf dem Gebiet der Sicherheits- und Gesellschaftspolitik.

Kontakt: gdp-pressestelle@gdp.de | 030-399921-113

Weitere Storys: Gewerkschaft der Polizei
Weitere Storys: Gewerkschaft der Polizei