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Stuttgarter Nachrichten: Auf Titelkurs

    Stuttgart (ots) - VON THOMAS NÄHER, zzt. Berlin So viel ausgelassener Jubel, so viel Ekstase war selten in einer deutschen Fußballarena. Man musste Angst haben, die Druckwelle der Euphorie könnte das Dach des Olympiastadions wegfegen. Als sich der Jubel Bahn brach, als die großen Gefühle explodierten. X:X gegen Argentinien nach Elfmeterschießen. Niemand, so scheint es, kann diese deutsche Elf stoppen. Nicht einmal die Tempo- und Filigranfußballer aus Südamerika - der große, scheinbar übermächtige WM-Favorit! Nun muss sich die DFB-Auswahl an den höchsten Ansprüchen messen lassen. Der schwarz-rot-goldene Traum lebt weiter, stärker denn je. Weltmeister? Jetzt erst recht! Es war eine etwas perfide Frage, die Jürgen Klinsmann dieser Tage beantworten sollte. Ob die Nationalmannschaft womöglich mit Absicht mit 1:4 in Italien verloren habe - um der Welt ein verzerrtes Bild über ihre wahre Verfassung zu liefern, um die Konkurrenz in Sicherheit zu wiegen? Diese Idee ist so abwegig nicht. Vier Monate nur liegt das unheilvolle Spiel zurück. Vier Monate, in denen Klinsmann seine Truppe auf atemberaubende Weise runderneuert hat. Klinsmann, wen wundert es, konnte über obige Frage nicht einmal schmunzeln. Der Stuttgarter ist auf Erfolg geeicht. Er setzt bedingungslos auf die Überzeugungskraft seiner Arbeit und seiner Worte. Für Zweifel ist bei ihm kein Platz. Er hat der Mannschaft einen fast übersinnlichen Glauben an die eigenen Stärken vermittelt. "Er hat Dinge zu uns gesagt, an die wir zunächst gar nicht glauben konnten", sagt Christoph Metzelder. Darin liegt Klinsmanns große Leistung. Er hat aus Zauderern Draufgänger gemacht, die wilde Entschlossenheit mit fußballerischer Klasse und sogar spielerischer Eleganz kombinieren. Das macht sie so sympathisch. Das trägt auch zum hohen Ansehen bei, das Deutschland als WM-Gastgeber weltweit errungen hat. In Abwandlung des WM-Slogans stand auf einem Transparent im Olympiastadion zu lesen: "Freunde zu Gast beim Weltmeister." Das ist keine Überheblichkeit. Das ist neu gewonnenes Selbstbewusstein. Zwei Siege trennen den deutschen Fußball von der Sensation.

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