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Im Interview mit Fachimmunologin Professor Prelog: Wenn Urlaub das Risiko für Gürtelrose erhöht

Im Interview mit Fachimmunologin Professor Prelog: Wenn Urlaub das Risiko für Gürtelrose erhöht
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München (ots)

Wenn im Urlaub der Stress nachlässt und der Körper plötzlich mit Erschöpfung oder sogar Krankheit reagiert, spricht man von der sogenannten "Leisure Sickness", zu Deutsch auch bekannt als "Freizeitkrankheit": Während Stressphasen werden Infekte im Körper oft zunächst unterdrückt. Gleichzeitig schwächt anhaltender Stress das Immunsystem. Kommt der Körper schließlich zur Ruhe, etwa im Urlaub oder an Wochenenden, können zuvor unterdrückte Infekte ausbrechen. Auch ruhende Viren können in dieser Phase reaktiviert werden, wie das Varizella-Zoster-Virus, Auslöser der Gürtelrose. Gleichzeitig kann auch übermäßige Sonneneinstrahlung das Immunsystem schwächen und das Gürtelrose-Risiko zusätzlich erhöhen. Im Interview erklärt Frau Professor Prelog, warum ausgerechnet die Erholungsphase krank machen kann und wie Menschen ab 60 oder mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko vorbeugen können. Die gebürtige Österreicherin ist Professorin für Kinder- und Jugendmedizin seit 2010 am Universitätsklinikum Würzburg tätig. Sie ist Fachimmunologin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, besitzt Facharztzusatzbezeichnungen in Infektiologie und Kinder-Rheumatologie sowie einen Master in Gesundheitswissenschaften und Public Health.

Frau Professor Prelog, warum werden eigentlich manche Menschen genau dann krank, wenn endlich Entspannung einkehrt?

Ja, das kennen wir alle: Endlich Urlaub oder Ferien, und man ist die ersten Tage erschöpft oder wird sogar krank, obwohl man eigentlich frei hat. Eine repräsentative Studie der Internationalen Hochschule (IU), einer privaten, staatlich anerkannten Hochschule in Deutschland, hat herausgefunden, dass fast 72 % der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer schon einmal eine sogenannte Leisure Sickness, also eine "Freizeitkrankheit", erlebt haben. Man vermutet dabei ein Zusammenwirken von Stresshormonen, dem vegetativen Nervensystem - das für unwillkürliche Körperfunktionen wie Atmung, Herzschlag, Verdauung und Stoffwechsel zuständig ist - und dem Immunsystem. Bei Stress schüttet der Körper vermehrt Stresshormone aus. Diese stärken uns kurzfristig, damit wir eine Anstrengung besser meistern können. Unter chronischem Stress wird das Immunsystem aber durch die langfristige Ausschüttung dieser Hormone unterdrückt. Während der Belastungsphase können Infektionen sich unbemerkt entwickeln, sind aber oftmals nicht gleich spürbar. Erst wenn die Ausschüttung der Stresshormone in der Alltagspause nachlässt, reagiert das Immunsystem wieder stärker. Dann treten plötzlich Symptome wie Müdigkeit, Erschöpfung, Schlafstörungen, Reizbarkeit, Kopfschmerzen und Erkältungssymptome auf. Durch den in der Stressphase erhöhten Verbrauch von Stresshormonen kann ein Mangel an diesen Hormonen in der Ruhephase besonders bei chronisch Gestressten zu einer Störung der Balance im Körper führen. Dieses Ungleichgewicht kann Migräne oder Spannungskopfschmerzen am ersten freien Tag begünstigen. Zusätzlich können urlaubsbedingte Veränderungen den Körper belasten, beispielsweise Jetlag, ungewohnte Schlafzeiten oder Klimaanlagen.

Viele Menschen werden also nicht erst im Urlaub krank, sondern eigentlich schon vorher?

Ja, genau, wie gerade beschrieben, beginnt ein Infekt oft bereits mitten in der Stressphase. Die körperliche Abwehrreaktion wird dann durch die vermehrte Ausschüttung von Stresshormonen zunächst unterdrückt, wodurch die Erreger ein leichteres Spiel haben, sich im Körper auszubreiten. Aber erst wenn der Körper zur Ruhe kommt, wird die Erkrankung spürbar. Das erklärt auch, warum sich viele Menschen pünktlich zum Wochenende oder Urlaub krank fühlen. Typische Anzeichen dieses "Rebound-Effekts" sind Grippesymptome wie Abgeschlagenheit, erhöhte Temperatur, Frösteln oder Gliederschmerzen. Dahinter steckt die natürliche Reaktion des Immunsystems, die dann diese Krankheitszeichen auslöst.

Kennen Sie solche Fälle auch aus Ihrem Praxisalltag?

Ja, besonders häufig bei Menschen, die im Berufs- und Familienalltag einen stark ausgeprägten Perfektionismus zeigen und einen hohen Leistungsdruck haben oder unter ungelösten psychischen Belastungen leiden und unter Dauerstress stehen. Viele gehen praktisch direkt vom Berufsstress in den Urlaubsstress. Gerade dann kommt es auch häufiger zur Reaktivierung von Viren, die bereits im Körper vorhanden sind. Dazu zählt etwa das Varizella-Zoster-Virus, also das Virus, das eine Gürtelrose hervorrufen kann. Es führt bei Erstinfektion (meist im Kindesalter) zur Kinderkrankheit Windpocken. Anschließend zieht es sich in Nervenzellansammlungen im Rückenmark zurück und wird dort von spezifischen Abwehrzellen in Schach gehalten. Sinkt die Immunabwehr, zum Beispiel durch Immunalterung oder eine immunhemmende Therapie, aber durch massiven, chronischen Stress, kann das Virus wieder "auswandern" und zu einer Gürtelrose führen. Gürtelrose kann sehr schmerzhaft und belastend sein. In einzelnen Fällen musste sogar die Urlaubsreise abgebrochen werden.

Können auch Sonneneinstrahlung oder starke UV-Belastung das Gürtelrose-Risiko erhöhen?

Ja, hier gibt es klare Hinweise. Übermäßige UV-Belastung wird häufig unterschätzt. Ein Sonnenbrand ist nämlich keine harmlose Rötung, sondern eine schwere, entzündliche Stressreaktion der Haut und somit eine starke Belastung für Haut und Immunsystem. Wissenschaftliche Berichte zeigen deutlich, dass zu viel Sonne die Immunabwehr massiv beeinträchtigen kann. Dadurch hat auch das Gürtelrose-Virus leichteres Spiel und kann reaktiviert werden. Man sollte also auf guten Sonnenschutz achten und in der Mittagszeit vermeiden, sich der Sonne auszusetzen. Gleichzeitig hilft es, entspannter in den Urlaub zu gehen und dem Körper Zeit zum Umschalten zu geben.

Was kann man tun, um den Effekt der "Freizeitkrankheit" zu mildern?

Man sollte den Übergang von Arbeit zu Freizeit möglichst fließend gestalten. Wichtig ist es, Stress vorab bewusst zu reduzieren und nicht bis zum letzten Drücker zu arbeiten. Hilfreich sind auch Puffertage vor dem Urlaub, statt direkt am ersten freien Tag eine Reise zu starten.

Außerdem empfehlen wir aktive Erholung statt vollkommene Passivität: Spaziergänge, Lesen, oder moderater Sport helfen dem Körper, Stress sanft abzubauen. Entscheidend ist auch, feste Erholungspausen und Sport in die Arbeitswoche zu integrieren, damit sich Stress gar nicht erst aufstaut. Und natürlich bleibt Schlaf ein zentraler Faktor, denn im Schlaf regeneriert sich das Immunsystem.

Frau Professor Prelog, was raten Sie Leserinnen und Lesern ganz praktisch für die Sommerzeit?

Das Risiko einer Erkrankung kann gesenkt werden, wenn man die offiziellen Impfempfehlungen berücksichtigt. Die STIKO, also die Ständige Impfkommission, empfiehlt beispielsweise eine Gürtelrose-Impfung für alle ab 60 Jahren und für Menschen mit einem erhöhten Krankheitsrisiko bereits ab 18 Jahren. Durch den richtigen Sonnenschutz und einen bewussten Umgang mit Stress und dem Übergang vom Alltag in den Urlaub kann man vermeiden, das Immunsystem zusätzlich zu belasten, sodass man die Sommerzeit unbeschwerter genießen kann.

NP-DE-HZU-PRSR-260006; 06/2026

Pressekontakt:

V. i. S. d. P.: Pia Clary, GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG, Prinzregentenplatz 9, 81675 München.

Judith Schwenk
Agenturkontakt
Telefon: +49 221 925 738 40
E-Mail: j.schwenk[at]borchert-schrader-pr.de

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