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Rheinische Post: Ärzte vor dem Kollaps

    Düsseldorf (ots) - Von Norbert Kleeberg

    Rotumränderte Augen, übermüdet, die Nerven blank: Der deutsche Assistenzarzt im Jahr 2006 muss ein unerschütterliches Arbeitstier sein, beseelt vom Willen, immer noch ein bisschen mehr aufs Pensum zu packen, das ohnehin schon das Menschenmögliche übersteigt. Wer nach einem harten, termingespickten Arbeitstag noch eine Nachtschicht nachlegt und dies zur Regel macht, der streikt irgendwann selbst: So kann es nicht weiter gehen. Nun also der kollektive Aufschrei unter 22.000 Medizinern, der in diesem kräftigen Hall zu erwarten war. Viele junge Ärzte haben aus Angst vor Druck aus der Chefetage lange damit gezögert. Und sie haben sehr praxisnah mit dem Berufsethos gehadert. Schließlich leidet in den wochenlangen Streik-Wirren längst der Patient - also der Mensch, der Zentrum ihres Tuns ist. Doch kurz vor dem eigenen Kollaps mussten sich die Ärzte energisch Luft machen. Dabei geht es ihnen um die eklatant in Schieflage geratenen Basisvoraussetzungen ihrer Arbeit und nicht um ein halbes Arbeitsstündchen mehr oder weniger. Sie fordern eine bessere Bezahlung nach herben Einschnitten bei Weihnachts- und Urlaubsgeld. Die geforderten 30 Prozent mehr Gehalt, die drei Milliarden Euro für alle deutschen Klinikärzte kosten würden, sind illusorisch. Der deutsche Assistenzarzt im Jahr 2006 streikt - und das ist für ihn schon Botschaft genug.

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