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Rheinische Post: Staunen über Merkel

    Düsseldorf (ots) - Von Sven Gösmann

    Die Erkenntnis stammt von Joschka Fischer, sie ist trotzdem richtig: Die Veränderung des Menschen durch das Amt geht wesentlich schneller als die des Amtes durch den Menschen. Die gern als mausgrau beschriebene Angela Merkel gewinnt im Kanzleramt rasch an Gestaltungs- und Leuchtkraft. Nicht nur Europa, auch ihr Heimatland staunt über die Frau, die dem EU-Gipfel einen Kompromiss präsentierte, mit dem alle leben können. Vielen in Deutschland, vor allem in Merkels Union, wird das bekannt vorkommen: Nach innen arbeitend, mit viel Sitzfleisch und einer robusten Natur ausgestattet, hat Merkel die Streithähne versöhnt und damit ein überfälliges Signal für die Handlungsfähigkeit Europas gesetzt. Dafür hat sie sich von Kohlschen Tugenden wie Beharrungsvermögen und Verbindlichkeit, aber auch von Untugenden wie dem Lösen von Konflikten durch Öffnen des Scheckbuchs leiten lassen. Letztlich aber überwiegt der Erfolg für die Frau im Kanzleramt. Das Besondere am Brüsseler Gipfelsturm ist aber, dass die Kanzlerin es schaffte, die neuen EU-Mitglieder mit dem Bündnis zu versöhnen. Merkel gibt nicht dröhnend die "Mittelmacht" wie ihr Vorgänger, schwadroniert nicht von Achsen zwischen Moskau und Paris, sondern sie sucht Lösungen. Man beginnt, einen Kurs zu erkennen. Mit Blick auf Deutschlands Außenpolitik der vergangenen Jahre kann man das getrost revolutionär nennen.

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