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Rheinische Post: In heikler Mission

    Düsseldorf (ots) - Von Margarete van Ackeren

    Angela Merkel begab sich gleich zu Beginn ihrer Kanzlerschaft auf heikle Mission. Die Vorstellung eines Zentrums gegen Vertreibungen löst in Polen tiefste Befürchtungen aus. Der Plan einer Öl-Pipeline von Russland nach Deutschland unter Ausschluss Polens hat mehr als irritiert. Auch das Thema Reparation ist offiziell nicht von der Tagesordnung. Da ist Diplomatie gefragt, aber auch ein Signal, das eine neue Phase der schwierigen deutsch-polnischen Beziehungen einleitet. Merkel hat in Warschau beides versucht: Sie hat sich auf die Empfindlichkeiten in Polen eingelassen, zugleich aber versucht, die Interessen Berlins zu vertreten. Die Kanzlerin hatte schon zu Beginn der Woche in ihrer Regierungserklärung deutlich gemacht, dass sie das Thema Vertreibungen im europäischen Kontext angehen will. Schon als Oppositionsführerin hat sie immer betont, dass sie neben Frankreich auch Polen eine Schlüsselrolle in ihrem politischen Koordinatensystem zuweist. Sind Ängste erst einmal abgebaut, könnten Polen und Deutschen eine Schlüsselrolle bei der Lösung der schweren Krise der EU zufallen. 35 Jahre nach Willy Brandts Kniefall ist nicht mehr die Zeit der großen Gesten, sondern der kleinen Schritte. Der mühsamen kleinen Schritte, wie wir seit gestern wieder wissen.

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