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Weser-Kurier: Kommentar von Christian Weth über das Bremer Viertel

Bremen (ots) - Früher sangen Pop-Barden gegen Atomkraftwerke, heute texten Rapper gegen die Invasion der Investoren und der Latte-Macchiato-Mafia. Über das Viertel ist noch nicht gereimt worden. Dabei ist es ein heißer Aspirant, zum Prenzlauer Berg der Hansestadt zu werden, wo es für Reiche chic ist, zu wohnen, weil es so schön bunt ist. Nur bitte nicht zu bunt. Dann wird geklagt, wegen Musik aus der Disko und Rauchern vor der Kneipe. Schöne neue Viertel-Welt! Wer glaubt, dass das Quartier ohne zu handeln so bleibt, wie es ist, wird es in einigen Jahren nicht wiedererkennen. Das Viertel ist schon jetzt für die Wohnungswirtschaft so attraktiv, dass die Immobilienpreise in den Himmel schießen. Und nach den Häusern kommen die Geschäfte und Lokale an die Reihe: Auch sie werden teurer, irgendwann zu teuer für die Masse. So gesehen wird Stück für Stück zerschlagen, was erfolgreich ist. Im Grunde sogar zu erfolgreich, weil immer begehrter: der Mix aus Wohnen und Kultur, die so lebendig ist, dass sie auch mal lauter wird und nicht klinisch rein daherkommt. Wer das nicht hinnehmen mag, will eigentlich kein buntes Viertel. Der will, dass sich ein Stadtteil anpasst an die Bewohner und ihr Geld. An Menschen, die es nicht schert, was zuerst da war: die Partyzone oder sie selbst.

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