Alle Storys
Folgen
Keine Story von Börsen-Zeitung mehr verpassen.

Börsen-Zeitung

Börsen-Zeitung: Letzte Chance, Kommentar von Gerhard Bläske zur Lage beim Flugzeughersteller Airbus

Frankfurt (ots)

Wenn der neue Airbus-Chef Christian Streiff
sagt, der Flugzeugbauer sei in "einer sehr ernsten Situation", dann 
übertreibt er nicht. Für die Tochter des deutsch-französischen Luft- 
und Raumfahrtkonzerns EADS geht es um das schlichte Überleben. Eine 
weitere Chance hat man nicht: Wenn es jetzt nicht gelingt, die 
Probleme mit dem Großraumflugzeug A380 in den Griff zu bekommen, dann
gerät der ganze Konzern ins Rutschen.
Die Cash-cow des EADS-Konzerns ist in dramatischer Weise abhängig 
von der A320-Baureihe, die zwar erfolgreich läuft, aber nicht mehr 
die jüngste ist. Das Langstreckenflugzeug A340 wird von der Boeing777
weit abgehängt, das A380-Projekt steckt in gewaltigen 
Schwierigkeiten, und das Langstreckenflugzeug A350 ist erheblich 
gefährdet.
Schuld an der Misere trägt das frühere Airbus-Management, allen 
voran Noël Forgeard, der sich zwar in der Öffentlichkeit feiern ließ,
aber lieber politische Ränkespiele betrieb, als sich um eine 
Integration des aus früher selbständigen Unternehmen entstandenen 
Konzerns zu kümmern. Die EADS will das Versagen der ehemaligen 
Verantwortlichen überprüfen lassen. Das ist richtig und nötig. 
Versagt haben aber auch die Kontrolleure im Verwaltungsrat, neben 
Staatsvertretern vor allem private Anteilseigner wie DaimlerChrysler 
und Lagardère.
Die alles entscheidende Frage ist nun, ob und wie die großen 
Ankündigungen umgesetzt werden. Die Nagelprobe steht bevor, wenn 
Anfang 2007 bisherige Tabus wie die Aufteilung der 
Produktionskapazitäten, Ausgliederung auf Zulieferer oder 
Verlagerungen in den Dollar-Raum gebrochen werden sollen. Das 
Management muss dann zeigen, dass es sich gegen den geballten 
Widerstand von Gewerkschaften und staatlichen Aktionären durchsetzen 
kann.
Mangels privater Aktionäre, deren Verbleib dauerhaft gesichert 
ist, wird zudem das Gewicht staatlicher Anteilseigner aus Frankreich 
und Spanien sogar noch zunehmen. Das macht es dem Management nicht 
leichter. Der Einstieg eines staatlichen deutschen Aktionärs, etwa 
der KfW oder einer Landesbank, wäre da zwar einerseits ein fatales 
Signal. Andererseits könnte er aber politisch - zumindest 
vorübergehend - sinnvoll sein, um deutsche Interessen zu verteidigen,
aber auch, um das weitere Vordringen der staatlichen russischen 
Vneshtorgbank-Bank zu stoppen.
(Börsen-Zeitung, 5.10.2006)

Rückfragen bitte an:

Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069--2732-0

Original-Content von: Börsen-Zeitung, übermittelt durch news aktuell

Weitere Storys: Börsen-Zeitung
Weitere Storys: Börsen-Zeitung