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Boersen-Zeitung: Schlummernde Werte, Kommentar zum Verkauf der Brenntag von Walther Becker

Frankfurt (ots)

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, wie
sich an der Verselbständigung von Konzern-Randaktivitäten verdienen 
lässt, dann liefert ihn der Fall Brenntag. Der Chemiedistributeur 
wechselt mit einer Bewertung von 3,5 Mrd. Euro inklusive Schulden den
Besitzer - von einem amerikanischen zu einem europäischen 
Buy-out-Fonds. Der Blick zurück lohnt, denn er weist den Weg nach 
vorn. Zumal sich mit der einstigen Chemiesparte von Henkel - heute 
Cognis - ein ähnlicher Fall abzeichnet.
Brenntag fristete schon unter dem Dach des Veba-Konglomerats ein 
Schattendasein. Als sich die aus Veba und Viag entstandene Eon 
entschloss, im Zuge ihrer Konzentration auf Strom und Gas die 
Logistik unter dem Traditionsnamen Stinnes an die Börse zu führen, da
stand die Spedition Schenker im Vordergrund - kaum jemand hatte 
Brenntag auf dem Schirm. Dann schlug die Deutsche Bahn zu, die sich 
auf der Straße breit machen wollte, und erwarb Stinnes für 2,5 Mrd. 
Euro. Der Schienenriese wollte ausschließlich Schenker. So fielen 
2003 die Würfel der Bahn für Bain Capital, die für Brenntag und den 
Stahlhändler Interfer 1,4 Mrd. Euro zahlte. Nun zeigten die 
Amerikaner, wie der Hase in Buy-outs läuft: Interfer wurde verkauft 
und Brenntag Schulden satt aufgebürdet. Anfang 2005 gab es die erste,
sogenannte "Rekapitalisierung", bei der Bain 200 Mill. Euro abzog und
Brenntag neue Schulden aufhalste. Es folgte ein Jahr später der 
zweite "Recap" - bei der Umfinanzierung über 1,9 Mrd. zog Bain 450 
Mill. Euro heraus. Der Investor hatte den eigenen Einsatz 
vervielfacht - und blieb Gesellschafter. Bis jetzt. Nun geht Brenntag
in einer maßgeblich schuldenfinanzierten Übernahme an BC Partners.
Wie die Geldvermehrung funktioniert? Das stabile Geschäft des 
weltgrößten Chemiedistributeurs verkraftet die Schuldenlast, die aus 
dem Cash-flow abzustottern ist. Die überschießende Liquidität an den 
Fremdkapitalmärkten und die niedrigen Zinsen gestalten das Aufhäufen 
von Schulden lukrativer als den Einsatz von Eigenkapital.
BC Partners ventiliert schon Börsenpläne für Brenntag - doch für 
New York, nicht Frankfurt. Celanese, die einstige Hoechst-Chemie, die
von Blackstone an die Nyse verfrachtet wurde, lässt grüßen. Das 
Beispiel Brenntag zeigt, wie sich an schlummernden Werten in 
Konzernen verdienen lässt. Doch an deutschen Investoren geht dies 
bislang vorbei.

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