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Börsen-Zeitung: Handelssystem am Limit, Kommentar zu den chaotischen Zuständen an der Börse Tokio von Birga Böcker

Frankfurt (ots)

Die Hiobsbotschaften aus Tokio reißen nicht ab.
Zum dritten Mal binnen drei Monaten sorgt die Tokyo Stock Exchange
(TSE) – die zweitgrößte Börse der Welt – für negative Schlagzeilen.
Und immer sind technische Mängel bzw. ein unzureichendes
Computersystem die Ursache für chaotische Zustände und hohe
Tagesverluste am Aktienmarkt.
Nachdem Anfang November der Handel aufgrund eines Software-Fehlers
erst mit stundenlanger Verzögerung beginnen konnte und der Broker
Mizuho Securities im Dezember umgerechnet schätzungsweise 280 Mill.
Euro verlor, weil eine Fehlorder aufgrund von Systemlücken nicht
gestoppt werden konnte, ist nun der Worst Case eingetreten: Die TSE
musste am Mittwoch vorzeitig den Handel beenden, weil ihre Computer
aufgrund einer hohen Orderzahl an ihr Limit gestoßen waren. Und
diesmal konnte die Börse nicht wie zuvor den Software-Lieferanten
Fujitsu verantwortlich machen.
Nein, diese Krise ist selbstverschuldet, hat es die TSE doch nicht
geschafft, hinreichend auf das wachsende Ordervolumen zu reagieren.
Peinliches Detail: Indem sie den Handelsstopp mit einigem Vorlauf
ankündigte, heizte sie die Umsätze zusätzlich an. 20 Minuten vor dem
regulären Schluss war dann die Kapazitätsgrenze erreicht.
Trotz all dieser Unzulänglichkeiten dürften sich die Investoren
kaum vom Handel in Tokio abhalten lassen. Marktbeobachter gehen zudem
davon aus, dass nach der heftigen Kurskorrektur der vergangenen Tage
die niedrigeren Kurse zum (Wieder-)Einstieg genutzt werden. Ein
nachhaltiges Interesse der Anleger erwartet anscheinend auch die TSE
selbst. Um mit dem Run auf japanische Aktien fertig zu werden, will
sie bis auf weiteres den Nachmittagshandel um eine halbe Stunde
verkürzen und den Handel aussetzen, wenn sich die Zahl der
Transaktionen der 4-Millionen-Grenze nähert. Auch eine Begrenzung des
sogenannten Margin-Trading, bei dem Kleinanleger Aktien auf Pump
kaufen, wird erwogen, um den Ordereingang zu begrenzen.
Vor dem Hintergrund, dass die Börse selbst einen Börsengang
angestrebt hatte, sind das desaströse Nachrichten. Eine
Wachstumsstory jedenfalls sieht anders aus. Bleibt zu hoffen, dass
die TSE bald mit entsprechenden IT-Investitionen reagiert und die
Investoren nicht doch noch vergrätzt.

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