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Börsen-Zeitung: Schuss nach hinten, Kommentar zu China von Norbert Hellmann

Frankfurt (ots) - Es war also doch nur die Ruhe vor dem Sturm. Inmitten der globalen Turbulenzen um Chinas neues Wechselkursregime samt scharfer Abwertung des chinesischen Yuan war Chinas hochvolatilem Aktienmarkt eine verdächtig stabile Phase vergönnt. Nach all den Dramen im Juni und Juli schien man schon fast wieder zu vergessen, dass Chinas Börsen ein Krisengebiet sind, das nur durch ein Sammelsurium staatlicher Eingriffe und Stützungsmaßnahmen zusammengehalten wird. Nun holt ein neuerlicher Kurssturz die "Börsenlenker" in Peking auf den Boden der Tatsachen zurück.

Der Leitindex Shanghai Composite ist am Dienstag um gut 6% eingebrochen. Damit verbindet sich die ernüchternde Botschaft, dass die den chinesischen Börsentrend bestimmende Masse der Kleinanleger nach wie vor sofortigen Fluchtreflexen ausgesetzt ist, wenn sie nachlassende Bereitschaft für künstliche Stimuli aus Peking befürchten muss.

Am Dienstag etwa haben relativ gute Häusermarktdaten, also ein positives Konjunktursignal, die Sichtweise beflügelt, dass es sich Peking leisten könnte, mit weniger generösen geld- und fiskalpolitischen Impulsen auszukommen, um das Wachstumstempo der Wirtschaft zu halten. Das allein sollte freilich nicht ausreichen, um den Markt so stark in die Knie zu zwingen. Der wahre Auslöser dürfte ein allerdings schon am vergangenen Freitag erfolgtes Statement der Wertpapieraufsichtsbehörde sein. Dort heißt es, dass die seit Juli mit massiven Stützungskäufen im Aktienmarkt tätige China Securities Finance Corporation (CSF) in weniger volatilen Marktphasen ihre Interventionen einzustellen gedenkt.

Diese Aktion war wohl als frohe Botschaft gedacht, dass die nach einer monumentalen Korrektur im Juni und Juli staatlich aufgefangenen Börsen mittlerweile wieder stark genug sind, um den Preisfindungsprozess stärker dem Markt zu überlassen. Der Schuss ist freilich nach hinten losgegangen. Denn die Nachricht hat einen so kräftigen neuerlichen Volatilitätsschub hinterlassen, dass die CSF gemäß der jetzt verbreiteten Logik erneut einschreiten muss. Peking bleibt damit in einem Dilemma gefangen. Der Staat will sich aus seinen massiven Eingriffen ins Börsengeschehen wieder zurückziehen, er will andererseits aber verhindern, dass der Aktienmarkt eine noch immer fällige Abwärtskorrektur vollzieht. Beides geht freilich nicht. Vor diesem Hintergrund wäre man gut beraten gewesen, zumindest auf die feierliche Ankündigung eines Rückzugs aus Interventionen zu verzichten.

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