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Börsen-Zeitung: Gefahr von Blasen, Kommentar zur Geldpolitik der EZB von Stephan Balling

Frankfurt (ots) - Die Europäische Zentralbank (EZB) sendet die richtigen Signale. Zu Wochenbeginn bekräftigte eine Reihe von Direktoriums- und Ratsmitgliedern den von Präsident Jean-Claude Trichet Anfang März angekündigten Zinserhöhungskurs - trotz der Katastrophe in Japan und des Kriegs in Libyen. Die Währungsbehörde ist sehr "wachsam" im Kampf gegen Inflation. Anfang April wird der Leitzins deshalb wohl um 25 Basispunkte erhöht.

Die EZB bleibt damit ihrem Stabilitätskurs treu. Wie es scheint, wird der Großraum Tokio wahrscheinlich einer radioaktiven Verseuchung Gott sei Dank entgehen. Die Katastrophe in Japan wird damit voraussichtlich nicht zu einem Einbruch der Weltkonjunktur führen. Und die Volksaufstände in Arabien werden die Industrieländer nur spüren, falls es zu einer echten Ölkrise kommt. Doch die im Vergleich zu Libyen wesentlich bedeutsameren Ölquellen am Persischen Golf sprudeln noch, und trotz der Unruhen dort zeichnet sich derzeit nicht ab, dass etwa das wichtige Ölförderland Saudi-Arabien ausfällt.

Die Gefahren für die Weltkonjunktur sind also begrenzt, wenngleich es Restrisiken gibt. Aber die gehen auch von der extremen Niedrigzinspolitik aus. Die Währungshüter müssen also abwägen: Ist es wahrscheinlicher, dass die Weltkonjunktur einbricht, oder dass die Inflationsraten infolge der niedrigen Zinsen anziehen, gepaart mit Preisblasen an den Kapitalmärkten und Fehlinvestitionen der Unternehmen? Momentan erscheinen eindeutig die Gefahren durch eine zu lange Minizinsphase größer. Die Inflationsraten ziehen an, und eine Reihe von Experten inklusive Notenbankern erwartet, dass sich dieser Trend fortsetzt - wenn nicht gar beschleunigt. Doch noch größer ist die Gefahr von Preisblasen an den Kapitalmärkten.

Zum Glück sind mittlerweile auch viele Nichtökonomen überzeugt, dass niedrige Zinsen Blasen hervorrufen können. Aber leider sieht es unter Experten anders aus. Der bekennende Keynesianer und Chefvolkswirt der UN-Welthandelskonferenz Unctad, Heiner Flassbeck, etwa kommt bei der Krisenanalyse zu dem Schluss: "Verantwortlich für diese Exzesse ist die Deregulierung. Die Krise ist nicht Folge der lockeren Geldpolitik." Und US-Notenbankchef Ben Bernanke glaubt bis heute nicht, dass zu niedrige Zinsen zur Blase an Amerikas Häusermarkt führten. Zum Glück ist das bei der EZB anders.

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