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Börsen-Zeitung: BP sucht Vertrauen, Kommentar zur BP-Strategie von Carsten Steevens

Frankfurt (ots) - BP will jetzt wieder Dividenden zahlen. Vor allem für Rentner in Großbritannien, deren Auskommen auf dem System der kapitalgedeckten Altersvorsorge beruht, ist die gestrige Ankündigung eine gute Nachricht. Zur Normalität kehrt der britische Energieriese, der vor der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko jährlich mehrere Milliarden Dollar ausschüttete, damit aber noch lange nicht zurück. Dass nun pro Quartal mit 7 Cent je Aktie die Hälfte jener Dividende gezahlt wird, die bis zum Frühjahr 2010 floss, ist eher ein symbolischer Akt. Nach dem Unfall vor der amerikanischen Südküste, der im vergangenen April elf Menschenleben forderte, BP bislang Belastungen von 41 Mrd. Dollar einbrachte und die Börsenbewertung zeitweise mehr als halbierte, soll das Vertrauen wiederhergestellt werden - Vertrauen, das der Konzern vor allem in den USA verloren hat.

Dort ist nun Konsolidierung angesagt. Viel mehr als die Konzentration auf renditeträchtigere Anlagen ist in Anbetracht der feindseligen Stimmung, die auch im politischen Zentrum noch vorherrscht, wohl nicht drin. Der angekündigte Verkauf von zwei Raffinerien in Kalifornien und Texas belegt das. Auf neue, große Wachstumsprojekte wird der britische Ölkonzern im bislang wichtigsten Markt auf unbestimmte Zeit verzichten müssen. Es könnte noch sehr lange dauern, bis gerichtlich geklärt sein wird, ob BP vor dem Unfall auf der Bohrplattform grob fahrlässig handelte oder nicht. So lange aber wird nicht feststehen, ob die Belastungen durch das Desaster noch deutlich höher ausfallen werden als bislang veranschlagt. In den aktuellen Aktienkurs, der mit knapp 490 Pence um ein Viertel unter dem Niveau vor der Plattformexplosion liegt, ist diese Gefahr eingepreist.

Fraglich erscheint, ob die derzeit beworbene Strategie "schrumpfen, um zu wachsen" auf Dauer überzeugen kann. Um die Belastungen in den USA tragen zu können, sollen Geschäfte im Wert von 30 Mrd. Dollar verkauft werden. Rückläufige Produktionsmengen sind die Folge, die im Ergebnis des vierten Quartals durch den steigenden Ölpreis kompensiert werden konnten. BP muss jetzt andere große Wachstumsoptionen aufzeigen. Die angekündigte strategische Allianz mit Rosneft wäre eine solche. Sie ist aber mit erheblichen Risiken behaftet. Die einstweilige Verfügung, die russische Oligarchen gestern gerichtlich gegen das Projekt erwirkten, könnte nur ein Vorgeschmack gewesen sein.

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